Full text: Schulpolitische Beilage - 1.1920/21 (1)

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m. E. unter keinen Umständen kommen dürfen, und mir scheint, daß es 
den Eltern bei entsprechender Ruhe und Besonnenheit unbeschadet ihres 
Rechtes hätte nicht schwer fallen dürfen, die Angelegenheit durch Verhand 
lungen zu einer sie durchaus befriedigenven Lösung zu führen. Man kann 
sich des Eindruckes nickt erwehren, daß in Herne auf beiden Seiten un 
verantwortliche skrupellose Elemente ihren verderblichen Einfluß unseliger 
Weise zur Geltung haben bringen können. — 
Der Streik ist ein sehr modernes Kampfmittel und wird von allen 
Kulturstaaten, nachdem sich das Koalitionsrecht durchgesetzt hat, ohne 
strafrechtliche Verfolgung stillschweigend geduldet. Im wirtschaftlichen 
Kampfe kann man dieser allerdings zweischneidigen Waffe eine gewisse 
Berechtigung nicht absprechen, obgleich die Erfolge, wie die Statistik nach 
weist, nicht gerade für eine unbevingte Anwendung derselben plädieren. 
Abgesehen von den wirtschaftlichen, politischen, sozialen und sittlichen Ge 
fahren, die ein Streik im Gefolge hat, trägt er unbestreitbar den Charakter 
der Auflehnung und der Gewalt, indem er durch Verweigerung staats 
bürgerlicher Pflichten Ruhe, Ordnung und Gesetz bedroht und infolge der 
damit stets verbundenen tiefen leidenschaftlichen Erregung der Massen und 
der Auslösung niedrigster Instinkte nur zu leicht in das Fahrwasser völliger 
Anarchie gleitet. Im Obrigkeits- und Klassenstaate hat er der Eigenart 
dieser Staatsform entsprechend jedoch m. E. größere sittliche Berechtigung 
als im Volksstaate, in dem doch die Politik der gegenseitigen Verständigung, 
des gütlichen Uebereinkommens und der vernünftigen Komprrmisse vor 
herrschen soll. Leider vermag aber auch die politische Struktur des Volks 
staates, namentlich wenn er nach 6jähriger Leidenszeit des Volkes als 
Produkt einer Revolution dasteht, die Gefahr der ungerechten Majorisierung 
der Minderheit nicht zu bannen, und so bleibt schließlich als letztes Kampf 
und Machtmittel auch doch nur der Sireik übrig, der allerdings nur so 
lauge als sittlich verteidigt werden kann, als er auf Grund deS natür 
lichen Rechtes vernünftige, ethisch berechtigte Forderungen stellt und nicht 
direkt staatS- und gesellschaftsfeindliche Tendenzen verfolgt. Für den ethisch 
feinfühligen Menschen kann er immer nur die Ultima ratio sein, besonders 
als Waffe im Kampfe auf geistigem Gebiete, im Kampfe der Welt 
anschauungen, dem Gebiete des Unterrichts und der Erziehung und zwar 
nur dann, wenn geistige Grundrechte der Staatsbürger in Gefahr sind, 
erdrosselt zu werden, wenn also etwa versucht würde, dem kath. Volksteile 
seine heiligsten und höchsten geistigen Rechte zu rauben und wenn alle 
Mittel einer vernünstigen Verständigung und Einigung restlos erschöpft 
wären. Und letzteres scheint in der Herner Angelegenheit nicht der Fall 
gewesen zu sein und daher ist der Streik zu verurteilen. — Ein völlig 
klares Urteil vermag ich mir als Außenstehender allerdings nicht zu bilden. 
Und nun noch einige Worte der Verteidigung für den Herner Orts- 
Lebrerrat oder vielmehr dessen kath. Mitgliedern, .die leider auch von ge- 
wiffer Seite, die hier nicht näher bezeichnet werden soll, in einer Weise 
angegriffen worden sind, die man beim besten Willen nicht mehr als ge 
bildet, als kollegial und fair betrachten kann. Die Aufgaben der Kreis- 
oder Orts Lehrerräte find bis jetzt noch nicht klar umrissen. Aber 
aus ihrer bisherigen Betätigung vermag man doch etwa die Grenzen 
ihres Aukgabenkrei'es zu erkennen, und diese Grenzen sind gezogen insoweit, 
als diese Kr.-L. R. durchweg aufgefaßt werden als Oraane zur Erzielung 
eines gedeihlichen Verhältnisses zwischen der Lehre-schaff und ihren behörd 
lichen Instanzen. Allenfalls könnte man in den Rahmen ihrer Kompetenz 
das Moment der Vermittlung einbeziehen zwischen Lehrerschaft und Eltern 
haus, aber wohlverstanden nur in der Eigenschaft deS Vermittler-, wie es 
im Herner Streik seitens Mitgliedern des Bezirks LebrerrateS in aner- 
kennenswcrter Wei'e geschehen, nachdem die staatliche Behörde um dessen 
Beihilfe ersucht hatte. Selbstverständlich blieb es dem Herner O.-L.-R. 
unbenommen, ich bin sogar der Auffasiung, es war seine Pflicht, auch 
dort vermittelnd einzugreifen, etweder auS eigenem Antriebe oder auf 
Anregung von seiten einer der beiden Parteien. Aber von ihm zu ver 
langen. öffentlich und bei der Regierung Arnsberg schärfsten Protest zu 
erheben gegen die Verhetzung (?!) weiter Volkskreise gegen die Lehrer Sinne 
und Genossen, welche von ihrem verfaffungsmäßigen Rechte (?!) der 
Niederlegung des NeligionSunterricktes Gebrauch gemacht, das war eine 
durchaus ungerechtfertigte Zumutung, eine Zumutung, deren Tendenz ziem 
lich durchsichtig ist und die der O.-L.-R. ablehnen mußte, weil sie über 
den Rahmen seiner Zuständigkeit weit hinausging. Also keine Vermitt 
lung und damit Versuch der Aussöhnung und Ueberbrückung der Gegen 
sätze, sondern Protest. Verschärfung der Lage und einseitige Stellungnahme 
zu Gunsten einer Partei. Hier standen Weltanschauung-fragen in ihrer 
ganzen Schärfe im Mittelpunkte des Kampfes, der nach Ansicht deS be 
treffenden Antragstellers sogar zu einem politischen Kampfe ausgeartet war. 
Da mußte der O.-L.-R., der unparteiisch über den Streitenden stand, schon 
infolge seiner paritätischen Zusammensetzung allerstrenaste Neutrali ät be 
wahren. Eine gegenteilige Haltung hätte ihm mit Recht die schwersten 
Vorwürfe zugezogen. Dazu kam die überaus verwickelte Rechtslage. Wenn 
die angegriffenen Lebrer in ihrcn vermeintlicken Rechten geschützt werden 
sollten, so war da- Aufgabe der Lehrerorganisation, der sie angehörten und 
die ihre Weltanschauung vertritt. Da- war die Stelle, von wo auS ihre 
CatoÄ o6,r bcr O.-k.-R. O» W| 
nicht b-jkichnn der kach. Mitglied» M SU* «• 
gewicht sie m W "'. Een Vorwurf kann ich ihnen freilich 
den eL f r Ermittlung frf'I** *' r h<bt Üben, bind) das Schwer« 
Bewußtsein ^verhindern' ^-^^anniwerden der SchwieriM« 
wichtigen vT l°viel fcÄ Dative, fd,uUfd>e* Sntcreff, Cts* 
seine wie berP) 0o " dem MorfiQenten eines solch 
vernachl^ "Nb die hat er ^ ist, Unbedingterwatten. DaS war 
Ich ch^ " "gefetzt, daß ich recht unterrichtet bin - 
Das kann^v- bei allen Schuld,"?/' dem klaren Bewußtsein, nicht ä 
Wahrheit "icht hindern^/"". ""geteilte Zustimmung zu 
nicht Vf! der Gerecht,^!.-, Wunsche und Bestreben, W 
durchstch.s ^chtSlage in aVf ™ ? / tfncn - Sct > ^meichele nur ff»* 
durch n, fr Garheit bararfi»su® rUn ^ l( * } * e * t ’ völlig citmanbfret und 
teiluna Ü 1 ! * tbtit Zur veÄn^ - Unb durchgeführt zu haben, hoffe ^ 
gelnn/en be \ Herner Schulfall,/'1^ren, vor allem gerechteren 
äe ins'^erlasse ich M'f. be.getragen zu habe/ Ob ** * 
m ' Untere ben J aUn Mitglieder unseres Prodis 
Mitgliedern unserer schulpolitischen Abteilung. 
O. Kaufholb. 
Mi». fi in ber Wetterkunde. 
«' 17. 5. 20 . "iw. 
(Ff ne U * A Nr. 657 // — 
Ä«* 1 ’“ 'Ä"f f«üf£ Crr " flit ?-ndwittsä»ft. 
Lehrer ^"^wentlich der ^ Regierung, tie Schukunter-alt^ 
Zweck»./.- b Hörerinnen an schulen ihres Bezirks.. ow-.J 
hin'u.7, ^ lslCn U nte *ricf>t8 jn <m* )uten ' nneut au f die Wichtigkeit . 
Smmt die der Ueb.cnn -hkr Wetterkunde. sowie aus die Bed< 
Wettp,-/' erforderlich?'» <nr ^ t ett ber Wetterkarte für diesen Untern 
c« firs b ""sisirlle zu be-ieltr ??rtterkartcn würden von der näckstg^ca 
SamL r/psbhse/au?d ^ den Bezug zu verbilligen,^ 
animelbezug f ür st J S^ 'ehörten dahin zu wirken, daß s“ "" 
eines Kreises eintüten. 
Sina„ S mi^ t6ütUnd stir Ueberstunden. 
^ b ' & la 1 1814. Merlin C. 2, den 16. April ^ 
§““"' l Äi>m? n , ± r ® Mm( ' «nWH Mit °°r- 
eine Ä* bie ^ftfiundn ? C " n bie dienstlichen Verhältnisse '* fr & 
; f6 * f L 0nbere Entschädign»^ ö'naus zu arbeiten, ebne bafj 
Len s/stvhalten, unb*d 9 wird. An diesem Grundsätze '^. 
Ausnahmslos durchgefüL u^Wert darauf legen, daß er auch k,-n/J> 
Dies? S ^ rtt einigt weniae - J® 1 * ö'er bekannt geworden, ^ 
1 "ahmen 'finb nieu ?^orden von tiefem &runbsa$e «bge j/f 
i- Elpnl d. I U' ""d alsbald wieder ZU beseitigen, zumal auch 
Äj mfen ausköninil ch^ft tretende neue MeaiStenbefoibunf reg p 
daß eine VergüÄ^r sichert. Ich ersuche deshalb. Vnf fjtt* 
aunn ® r toäbrima c" 9 "anUeberstunven an die Beaniten, fff e t sF jir 
L" "er Fahrt usw ^ftvanbgentf^äbigmea 
^ u°ter keinen ^Lr m7h7'S ^ * 
Driefkaften. 
Herrn Rektor Schw. in Fr.! 
Bi»- «'Kl 4 
gung, daß ich Ihre Karte vom 22. vor. Gründung ^ @ ^ 
habe. Bin allzusehr mit Arbeit überhäuft. ^ tf 
Abteilung für A. . . g und Un.gegend habe^», SW % 
tuung registriert. Nun aber auck an d" ^ ve 
unserer schulpolitischen Bücherei (nock sehr . FeN^. M 
demnächst. Für welches Gebirt wünschen S sofort 
Ihre schulpolit-scke Winterarbeit sende 'ck> I ..».xjn aus czir * 
ein. Eucken Sie sich zunächst mal ganz «Uge. ^en 
biete der Schulpolitik zu orientieren. & 0 /ötu9' ^ 
senden? — ' Kesten ® tup 
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♦
	        

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