Full text: Jahresberichte über das höhere Schulwesen - 32.1917 (32)

Zeichnen. XIV, 47 
In dem nimmer ruhenden Schrifistreit, dem Kampfe um Antiqua und 
Fraktur, der mit geiner auf rein taktische Erfolge eingestellten Literatur 
Jeider äuch die Schule heimsucht, wird der Name „Dürer“ in den letzten 
Jahren geflissentlich in den Vordergrund gedrängt. Die Behauptungen 
von innigsten, schöpferischen Beziehungen Dürers zur. deutschen Schrift 
werden Stetig weitgreifender und kühner. Der Schriftbund deutscher 
Hochschullehrer“ stellte in Seiner bei Seinem Entstehen erlasgenen, von über 
1000 Hochschullehrern unterschriebenen „Erklärung“ 80gar die Behauptung 
auf, daß „die deutsche Fraktur die künstlerische Schöpfung Düters gei“ 
und prägte für Sie den Namen „Dürerschrift“. Der Schriftbund deutscher 
Oberlehrer“ hat Sich dieser Erklärung angeschlosgen, Der Verfasser dieges 
Berichtes hat diese Behauptung an dem ihm in München zu Gebote stehen- 
den Quellenmaterial nachgeprüft und gie als unrichtig nachgewiegen. Der 
Nachweis ist veröffentlicht in SchSch. 1918 Nr. 11/12, unter Zst die Fraktur 
eime Schöpfung Dürers ? zugleich, mit einem reichen Material an Schrift- 
nachweisen, in der Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwegen und 
Schrifttum unter Dürer und die Schrift (1918 Seite 31--42). Es ergibt ich, 
daß ein Einzelner als Schöpfer der Fraktur überhaupt nicht angesprochen 
werden kann, daß, wenn als besondere Förderer aber Persönlichkeiten ge- 
nannt werden Sollen, in erster Linie der Geheimsekretär des Kaigers Maxi- 
milian 1., Rockner, und neben ihm der Schreibmeister Joh.-Neudörffer in == 
Betracht kommen würden. Angegichts der wenig erfreulichen Erfahrung, 
daß im Schriftstreit selbst die öffentliche Erklärung des Bundes der Hoch- 
Schullehrer und Oberlehrer Sich nicht zuverlässig erwiesen, muß vor dem 
Einlaß der Streitliteratur in ungere Schulen öffentlich gewarnt werden. 
Auch den Sehriftstreit gelbst Sollte man von der Schule fernhalten. 
Doch wird gie nicht umhin können, zu ihm Stellung zu nehmen, insbesondere 
wird man gich Über den Standpunkt der höheren Schule im Streite um die 
„Zweischriftiqkeit“ klar werden müssen. Dieges Thema behandelte der Ver- 
fasser dieses Berichtes in der „Monatschrift für höhere Schulen“ (1918 
veite 56--63) auf Veranlaszung einer--vom -Vorsitzenden- des“ „Altschift- 5 
bundes“, Kommerzienrat Soennecken, auch vor allem in Schulkreigen 
verbreiteten Schrift, die den Titel trägt: Aufruf an das deutsche Volk zur 
Aufhebung der unnützen Zweischriftigkeit. Eine dringende Forderung der 
Stunde. In der Abhandlung des Berichterstatters wird nachzuweisen gesgucht. 
wie der ganze Schriftstreit das Wegen der Schrift verkennt, gie nicht erfaßt 
als das, was Sie ist, als einen in geinen Teilen untrennbaren Organismus, der, 
wenn er dem Kinde in der rechten Weise nahegebracht wird, in Seiner Lin- 
heit ein wichtiges Erziehungsmittel darstellt. Weiter wird dargetan, daß 
gerade das erziehliche Interesse, die Erziehung des Kindes zur Erkenntnis 
lebendiger Entwicklang, die Berücksichtigung nicht etwa nur der üblichen 
zwei, Sondern aller natürlich gewachgenen Schriften fordert. Nachgewiegen 
ist weiter, daß wir in Wahrheit „Einschriftigkeit“ haben, wenn wir die 
Vielheit der Schriftformen in ihrer natürlichen, aus Sich gelbst heraus-
	        

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