Full text: Pädagogische Revue - 3.1841 (2)

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Dadurch entstand auf den gelehrten Schulen eine nur schäd- 
liche Einseitigkeit, indem den jungen Leuten eine Brücke abge- 
brochen wurde, über die sie zu einer Menge Kenntnisse gelan- 
gen konnten, die einem allseitig gebildeten , wissenschaſtlichen 
Manne geradezu unenibehrlich 3ind. So ist z. B. ein grosser 
Theil der Naturwissenschaften allen denen verscblossen, welche 
nicht auf andere Weise das nachholen können, was auf den 
Schulen versäumtl wird. * 
Die Geometrie, welche 50 vielfache Anwendung auf das 
Leben hat, und desswegen fast in jeder Stunde gebraucht wird, 
wird in der Regel unter allen Theilen der Mathematik auf den 
gelehrten Schulen noch am meisten getrieben, aber doch noch 
S0 wenig, dass man höchstens bis zu den Sätzen über die 
Aehnlichkeit der Figuren gelangt ; über diese Sätze hinaus wird 
wenigstens in dem Maturitätsexamen (Abitlurientenexamen) nicht 
examinirt, obschon die Fragen in diesem Examen in der Regel 
nicht gar genügend beantwortet werden möchten. Es ſehlt 
demnach dem Schüler alle Kenntniss der Stereometrie, wenn 
gleich ie auf s0 vielerlei Arten eine Anwendung findet, von 
denen nur die mathematische Geographie als Beispiel dienen 
mag, deren Hauptlehren ohne die Kenntniss der Lehre von der 
Kugel nur ungenügend verstanden werden können. 
Man wird hier einwenden, dass auf der Universität auch 
Mathematik gelehrt werde, und dass hier der Schüler zein. 
Kenntnisse 80 vermehren köünne, als zu einer allgemeinen Bil- 
dung nöthig sei. Dagegen Iist aber zu bemerken, dass der Stu- 
dirende glaubt, in den drei oder vier Jahren Seines Aufenthalts 
auf der Univerzität 30 wenig als möglich zeine Zeit den allge- 
meinen Sfudien -- in denen er Ja nicht examinirt wird, und 
die ihm spöter auch kein Brod geben --- zuwenden zu müszen; 
er hört daher höchstens (wie die Theologen, denen es vorge- 
gchrieben ist) ein einziges mathematisches Collegium, und Xie- 
mand wird im Ernste dem Universitäts-Lehrer die Zumuthung 
machen, das, was in 4--6 Jahren auf den Schulen nicht gelernt 
worden ist, in einem halben Jahre geinen Schülern zn lehren; 
denn wenn er im Stande wäre, diess zu leisten, müsste er in 
der That den Nürnberger Trichter haben. Endlich hat man ohne- 
diess noch mit Etwas zu kömpfen , wovon hier nur kurz gespro- 
chen werden mag, vämlich der Schüler bringt in der Regel gar 
Keine Liebe, bäußg aber einen Widerwillen gegen das Studium
	        
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