ZWEITE SECTION.
Beurtheilungen und Anzeigen.
B. Hand -, Lehr- und Lernbücher,
EF,
Methodische Anleitung zum Verfertigen lateinischer Versgse für
Schulen und zum Selbstunterricht, Von Dr, Bernh. Thiersch, Director
des Gymn. zu Dortmund. Esgen, bei Bädeker 1844, S, Vill, u. 101. 8.
Der Hr. Verf. gebet mit Recht von dem Grundsatze aus,
dass Alles blos theoretische Wissen todt ist, ohne praktische
Anwendung. Allerdings ist der Gymnasial-Unterricht, welcher
ehedem bei manchem Mechanischen doch lebendig productiv
war. .und dadurch geistbildend, in neueren Zeiten, trotz des
Speculativen Elementes, welches man um der höheren Wissen-
Schaſftlichkeit willen hervorheben zu müssen glaubt, gar zu theore-
tisch geworden und dadurch eben blos receptiv geblieben. All-
zu zeilige und allzu viel grammatische Theorie hat oft kein Yer-
Ständniss, nur das Nachsprechen unbegriffener Abstractionen,
hervorgerufen. Ehedem war Alles, was. getrieben wurde, auf
Anwendung berechnet, und in jeder Classe wusste jeder Schüler,
wo, wann und wozu er das Gelernte, 8chon in der Schule, wie-
der brauchen konnte, durfte und musste, zunächst bei den mannig-
falligen selbständigen Schriftlichen Productionen, und wären es
auch blosse Imitationen gewesen. Was haben die Künstler aller
Zeiten in ihrer Jugend Anderes gethan, als gute Muster copirt?
-- Die lateinischen VerSübungen Sind aber, wie auch das Latein-
Schreiben und Lateinsprechen, 80gar von philologischen Schul-
männern in jetziger Zeit ſfast für Ueberfluss erklärt worden.
Man wird des vermeintlichen Ballastes 80 viel aus dem Schiff
lein der Gymnasien werfen, bis es allen Winden und Wellen
zum Untergange preisgegeben ist. Der Preussische Staat Sucht
das Erprobte festzuhalten und die classische Bildung zu stürlzen,
. auch das rereptive Element, das sich allzu festgesetzt halte, mit
dem productiven zu verschmelzen; aber die Jateinischen Yers-
übungen haben daselbst die frühere Gellung noch nicht wieder
gewinnen können. * Wie die Kunst nur durch der Künstler Schutd
* Der Hr, Verf, bestätiget diess mit folgender Anmerkung S. IV:!:
„Nach brieflicher Nachricht fanden zie 1843 in einer gro8gen Provinz nur
an einem einzigen Gymnagium statt. Wo gie vorkommen, werden ie meist
von dem Director oder darch einen Lehrer auf eigene Hand verangtaltet.
Sollten zie aber wohl, als ein 80 wichtiger interesganter und bildender
Unterrichtszweig, nicht verdienen, auch Gegenstand gegetzlicher Anordnung
zu werden?“ Folglich war es gar nicht ungegründet, was Friedemann
in der Vorr, zu Aueg. IV, des Grad. ad Parn, Vol, I. p. X. segte: „Coepit