Full text: Pädagogische Revue - 14.1846 (Januar - December der 2. u. 3. Abt.) (7)

 
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6. 1. Der Schullehrer, ſtellt am lezten Tage jeden Monats , oder, auf beſondere 
Anweiſung des Bürgermeiſters, eines kürzeren Zeitraumes (8, 17), die Verſäumnißliſte 
nach dem anliegenden Schema doppelt auf, bemerkt darin, welche Entſchuldigungs- 
gründe (8. 6) ihm befannt geworden ſind, und legt dieſelbe binnen längſtens 3 Tagen 
dem Bürgermeiſter und dem Pfarrer vor, und zwar dem leßteren perſönlich, ſofern nicht 
etwa der Landrath wegen beſonderer Verhältniſſe eine ſchriftliche Einreichung geſtattet hat. 
Wenn keine Verſäumniſſe vorgekommen ſind, ſo iſt darüber dem Bürgermeiſter und dem 
Pfarrer binnen gleicher Friſt ſchriftliche Anzeige zu machen. 
6. 2. Der Pfarrer prüft, geeigneten Falles unter Zuziehung anderer Mitglieder 
des Schulvorſtandes, die Liſte und theilt ſie innerhalb 8 Tagen mit den ihm nöthig ſchei- 
nenden Bemerkungen dem Bürgermeiſter mit, 
S. 3. Nachdem dieſe Mittheilung erfolgt oder die dafür beſtimmte Friſt abgelaufen 
it, läßt der Bürgermeiſter die Väter oder Vormünder der Kinder , deren Verſäumniſſe 
nach ſeiner Ueberzeugung zufolge 8. 6 nicht entſchuldigt find, mit mindeſtens 2 Tagen 
Friſt bis ſpäteſtens zum 15. Tage des auf die Verſäumniß folgenden Monats zur Ver- 
nehmung und zur Anhörung des Urtheils auf das Bürgermeiſterei -Büreau oder auf ein 
näher gelegenes Gemeindelocal ſchriftlich vorladen. 
6. 4. Wer nicht erſcheint, wird in contumaciam verurtheilt und der Bürgermeiſter 
läßt ihm den Urtheilsauszug binnen 2 Tagen durch den Polizeidiener, den Schöffen oder 
den Feldſchüßen zuſtellen. 
S. 6, Wer erſcheint, wird mit ſeinen Entſ<huldigungsgründen mündlich vernommen:; 
dieſelben werden in der Verſäumnißliſte kurz vermerkt. Thatſachen müſſen durch mit zur 
Stelle gebrachte Zeugen oder Urkunden erwieſen und muß demnach der Vorzuladende in 
der Vorladung aufgefordert werden , die zu ſeiner Nechtfertigung dienenden Beweismittel 
zu dem Termine ſelbſt mitzubringen, unter der Verwarnung, daß auf dieſelben ſonſt keine 
Rücſicht werde genommen werden. 
Der Bürgermeiſter ſpricht, vermerkt und unterzeichnet ſogleich das Urtheil und publi- 
cirt es dem Beſchuldigten. 
S. 6. Sculverſäumniſſe können nur entſchuldigt werden : 
14) dur< ſchriftlichen Urlaub des Pfarrers. 
Wenn ein Pfarrer einem Schulkinde mehr als 3 Tage Urlaub ertheilt, ſo hat 
der Bürgermeiſter ſol<es durc< Vermittelung des Schulinſpectors dem Landrathe 
anzuzeigen und der letztere nach Befinden ſich die Genehmigung zu längeren Urlaubs- 
bewilligungen vorzubehalten. 
2) Durc< Kranfheit des Schulkindes, 
3) Für Sculkinder, die über Land zur Schule gehen müſſen, durch ein Unwetter, 
welches nah vernünftigem Ermeſſen den Schulbeſuch unmöglich macht. 
S. 7. Erkenntniſſe, welche aus andern als den im 8. 6 bezeichneten Gründen eine 
Verſäumniß für entſchuldigt erklären , bedürfen der Beſtätigung des Landraths , welcher 
dieſelbe nur aus beſonders erheblichen Billigkeitsgründen ertheilen darf. 
Die Beſtätigung wird vom Bürgermeiſter unter Erreichung eines Auszuges der 
Verſäumnißliſte nac<geſu<t. Wird dieſelbe nicht ertheilt, ſo ſpricht der Landrath die 
geſeßliche Strafe aus und theilt dem Bürgermeiſter das Erkenntniß zur Zuſtellung mit, 
S. 8. Statt der Geldſtrafe (1 Sgr. vis 1 Thlr. ) iſt für den Fall der Zahlungs- 
unfähigkeit auf Gefängnißſtrafe zu erkennen, und zwar 
1) principaliter , wenn der Straffällige aus öffentlihen Armenfonds Unterſtüßung 
empfängt ; ' 
2) ſubſidiariſch , wenn die Zahlungsunfähigkeit zweifelhaft iſt,
	        

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