Full text: Pädagogische Revue - 27.1851 (Januar - Juni der 1. Abt.) (12)

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dveßhalb nicht aufgenommen hat, nicht als ſole gelten laſſen, und: ebenſo 
möchte umgekehrt in manchen Fällen mit dem Verf. zu rechten ſein. 
Die Beſeitigung ſämmtlicher verwickelten Verſuche und complicirten 
Apparate als Forderung für die Volksſhule zu ſtellen und die Mög- 
li<keit ver Dur<führung dieſer Forderung nachgewieſen zu haben, 
erſcheint uns als das Hauptverdienſt der ganzen Scrift. «Nur zu oft 
hört man Klage über Mangel an Apparaten für den phyſikaliſchen 
"Unterricht 3 es Pollte aber hier jedem Lehrer gerade Gewiſſensſache ſein, 
ja er müßte ein förmliches Studium daraus machen, ohne koſtbare 
Apparate do< das Erforderliche mögli< zu machen und zu leiſten. Ein 
mit geringen Hülfsmitteln angeſtellter Verſuch , ſo daß der Schüler ihn 
ohne große Anſtrengung und Koſten ſelbſt nachmachen kann, hat für 
den Schüler etwas Ermuthigendes, für den Gegenſtand .Theilnahme 
Erweckendes und iſt weit belehrender, als wenn derſelbe Verſuch mit 
einem von dem Medanikus zierlich angefertigten, vielleicht koſtbaren 
Inſtrumente angeſtellt wird. Der Herr Verf. hat ſich bemüht, dieſer 
Forderung vollſtändig Genüge zu leiſten, und Ref. hat gerade dieſen 
Theil der Schrift mit um ß größerem Intereſſe geleſen, als er ſelbſt 
dieß Princip befolgt, ungeachtet ihm ein nicht unbedeutender Apparat 
zu Gebote ſteht. Als Beleg für das Intereſſe, welches Ref. an der 
Schrift genommen, ſei hier noM bemerkt, daß er im Verſu<h 15 db. 
die Waſſermenge , welche denſelben Raum einnimmt. wie das Medicin- 
fläſ<<hen, gewöhnlich dadurch beſtimmt, daß er dieſelbe durh Scrot- 
körner beſchwert, durc) den Kork einen Faden zieht und nun die über- 
gelaufene Waſſermenge wiegt, welſße man beim Eintau<hen des Fläſch- 
'<hens in ein bis zum Ueberlaufen gefülltes Bierglas hält.. Dieß einfache 
Verfahren giebt ein genaueres Reſultat als die hier vorgeſchlagene Methode. 
' Ob die lezten Verſuche (60 bis 65) in die Volksſchule mit Recht 
aufzunehmen ſeien, ſcheint dem Verf. ſelbſt bedenklich geweſen zu ſein; 
wenigſtens ſpricht die Anmerkung am Scluſſe des Verſuches 59 von 
einem zweiten phyſikaliſchen Curſus, in welchen die lezten Verſuche 
gehören ſollen. Uns iſt nicht rec<t klar geworden, wie es mit dem 
zweiten phyſikaliſchen Curſus gehalten ſein ſoll, und müſſen überdieß 
bezweifeln , ob die Schüler durch die gegebene Darſtellung eine klare 
Vorſtellung gewinnen möchten. | 
Scließlih wiederholen wir no<hmals unſere Empfehlung und 
wünſchen, daß dieſe Shrift bei den Lehrern der Volksſ<ule rechte 
Beherzigung finden möge. Doh glauben wir no<h hervorheben zu müſſen, 
. daß an andern Anſtalten , an denen eine größere Vorbildung der Schüler, 
namentlich in Hinſicht des mathematiſchen Wiſſens, vorausSgeſetzt werden 
kann, die hier dur<geführte Methode in Beziehung auf Erklärung der 
Erſcheinungen nicht gerechtfertigt ſein möchte. Ein vorbereitender -Curſus 
in der hier durchgeführten und für die Volksſchule gewiß zwe>dmäßigen 
Weiſe würde an höheren Anſtalten eine Oberflächlichkeit zur Folge 
haben , welche für die folgenden Claſſen nur ſchädlich wirken könnte... 
- Den Schülern das Buch in die Hände zu geben.=- der Partiepreis 
ſcheint die Abſicht anzudeuten ==“, würden wir nicht rathſam finden. 
„Dre H. Enmsmann. - -/ 
mmm
	        

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