Full text: Pädagogische Revue - 33.1853 (Januar - Juni der 1. Abt.) (14)

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eine kleine Anſicht von dem Buch zu geben, ſei erwähnt, daß es folgen- 
dermaßen abtheilt ; Einleitung, S. 4 = 14; erſter Abſchnitt bis 1775, 
S. 14 -- 170, worin auftreten Derones, Gret<hen, Annette (Käthchen), 
Friederike Oeſer, Emilie, Friederike (in Seſenheim), Charlotte (in Webk- 
lar), Maximiliäne (in Frankfurt), die Titulargattin und Lili (in Frank- 
furt), Auguſte Stollberg. Zweiter Abſchnitt bis 1806, S. 170--- 363, 
worin auftreten Frau v. Stein (Lida), daun in Italien die neapolitaniſche 
Prinzeſſin , die Römerin und die Mailänderin, Chriſtiane Vulpius. Da- 
bei iſt den römiſchen Elegieen, die alle mitgetheilt ſind, ein rechtfertigen- 
ver Abſchnitt gewidmet. Dritter Abſchnitt 1806-- 1832, S. 363--454. 
Es treten auf Bettina und die Unbekannte in Marienbad. 
Dor Gang in der Darſtellung iſt ſo, daß der Herr Verf. erſt das 
Lebensverhältniß Woethe's, dann die Bekanntſchaftsanfnüpfung, dann die 
Herzensſtimmung, dann die Gedichte und dann die Einzelerklärung der 
Gedichte ſelbſt bis in einzelne Worte hinein gibt (hier werden ihm Vor- 
würfe werden , daß er den Standpunct, den dom nur die Arbeit in der 
Leſewelt veanſpruchen kann, in dieſen Erklärungen öfters verfehlt hat und 
in philologiſche Minutien eingeht) und zum Schluſſe die Componiſten 
derſelben nennt, welches eine danfenswerthe Gabe itt. 
Auf das Einzelne kann in der Pädagogiſchen Revue nicht weiter ein- 
gegangen werden, denn der Herr Verf. hat aus dem Kreiſe der Dich- 
tungen den heraus gegriffen, den wohl ſchwerlich ein Lehrer mit ſeinen 
Schülern behandeln kann, und ein Werk ausgearbeitet, das die Lehrer 
ihren Schülern wohl nicht als Lehrer empfehlen oder nahe legen werden. 
Ob für die Verehrung Goethe's damit eine große That gethan ſein wird? 
Das Liebesregiſter, welches der Herr Verf. dur) Vermuthungen noh 
ſogar vermehrt hat, und der Inhalt mancher Gedichte und namentlich 
der römiſchen Elegieen dürfte doc) manchem, troß der vom Verf. ge- 
rühmten Keuſc< heit, welche dieſe Elegieen predigen ſollen, die Augen 
über Goethe anders öffnen , als ſeine Verehrer ſol<es wünſchen mögen. 
Man braucht keine Prüderie oder Moroſität zu beſiken, um überhaupt von 
Goethe auf dieſem Gebiete unangenehm berührt zu werden, und dieß wird 
eine um ſo unangenehmere Berührung, je mehr eine ſolMe Zuſammen- 
ſtellung das Bild verſtärkt. Wir wünſchen, daß der Herr Verf. ſic< nicht 
unangenehm überraſcht fühlen möge, wenn man feine Arbeit troß der Ver> 
herrlichung Goethe's als die Fundgrube benußen wird, um daraus be- 
quem die Belege für die Anklagen gegen Goethe zu finden, die dem Herrn 
Verf. nicht unbekannt ſind. Der Troſt wird ihm zwar dann bleiben, daß 
alle gewonnen haben durc< ſeine Arbeit, Freunde und Gegner Goethe's z 
do<h das wird unangenehm bleiben, daß alle Entſchuldigungen und Be- 
ſc<önigungen und Deutungen und Verklärungen ſeitens der Verehrer 
nichts helfen, wo ſo laut und unverholen die Thatſachen reden,
	        

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