Full text: Mitteilungen der Gesellschaft für Deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte, Berlin - 19.1909 (19)

Gesellschaits-Ängelegenheiten. 
Sitzung der Sachsengruppe. 
Die diesjährige Herbstsitzung, die Ende November in der Leipziger 
Städtischen Schule für Frauenberufe unter dem Vorgitze von Schulrat Prof. 
D. Dr. Müller abgehalten wurde, bot den zahlreich erschienenen Mitgliedern 
und Gästen zunächst die Geschichte zweier Schulen: Direktor Nächster 
Sprach über die Geschichte der von ihm geleiteten zweiten Bürgerschule 
in Leipzig, die nach dem Vorbilde der ersten Bürgerschule im Jahre 1839 
gegründet wurde, und Lehrer Weckschmidt (Bockau) über die der Schule 
zu Bockau, jenem Dorfe im Erzgebirge, das durch Seinen Arzneikräuter- 
handel in der ganzen Welt bekannt ist. Bei den Vorträgen folgte eine 
Debatte, an der sich die Herren Prof. Schwabe, Prof. Däbritz, der 
Vorgitzende und Dr. Möckel beteiligten. Sodann getzte Dr. R. Möckel 
Seinen Vortrag aus der PFrühjJahrssitzung fort. Auf Grund eines reichen 
Materials aus den Akten der Diözese Zwickau behandelte er „das Sitt- 
liche Verhalten der Schuljugend in der zweiten Hälfte des 18. Jahr- 
hunderts*. Er zeigte, wie man die Feingeiten der deutschen Sprache zu 
benutzen verstand, um eine Stufenleiter sittlicher Beurteilung zu bauen. 
Alsdann zeichnet er ein Bild von der Sittlichkeit in den Gemeinden, die 
einen allgemeinen Niedergang aufwies. Er beleuchtete den nachteiligen 
Einfluß der Spinn- und Klöppelstuben, des Hirtenlebens und der BSing- 
umgänge; er wies hin auf die Benutzung der Schulräume als Wohnstuben, 
auf das oftmals feindselige Verhältnis zwichen Schule und Gemeinde, das 
Seinen Ausdruck in der Geringschätzung der Erziehungsarbeit der Schule 
Seitens der Eltern fand, Sowie auf den unzureichenden Einfluß der Geist- 
lichen. Den Schluß des Vortrages bildete die Vorlesung einer großen 
Anzahl amtlicher Berichte, welche zeigten, daß eimnsichtsvolle Zeitgenossen 
angesichts des tiefen Sittlichen Niveaus nur mit Bangigkeit in die Zukunft 
blickten. Der Vortrag, der nicht nur für die Schulgeschichte, gsondern 
auch kulturgeschichtlich äußerst wertvoll ist, erscheint im „Praktischen 
Schulmann“ (Leipzig, Brandstetter). 
Nachdem der 1. Vorsitzende noch einige Bemerkungen über den 
Staatsminister von Wintersheim gemacht und an Stelle des am Erscheinen 
behinderten Kassierers den Kassgenbericht erstattet hatte, dankte Dr. Fritzsech 
dem bisherigen Vorstande für Seine Mühewaltung und beantragte Wieder- 
wahl der Herren des vorjährigen Vorstandes, der Sich wie folgt zusammen- 
Setzt: 1. Vorsitzender Herr Schulrat Prof. D. Dr. Müller, 2. Vorgsitzender 
Herr Geh. Hofrat Prof. Dr. Volkelt. Schriftführer Herr Prof. Dr. Schwabe.
	        

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