Full text: Mitteilungen der Gesellschaft für Deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte, Berlin - 20.1910 (20)

 
Mitteilungen. ' - | 287 
mittelbar auf die Gründung der Univergität beziehen Sich zwei hübsche 
Faksimiledrucke, die die Gefeierte ihren Gästen überreichte: das Vor- 
legungsverzeichnis des ersten Semesters und die Schöne Cantate, die 
Clemens Brentano „Universitati Litterariage auf den 15. Oktober 1810* 
zueigneve; mittelbar auch die Neudrucke, die der Privatdozent Dr. Kduard 
Spranger unter dem "Pitel „Fichte, Schleiermacher, Steffens über 
das Wegen der Univergität“ als Bd. 120 der Philogophischen Bibliothek 
(Leipzig, A. Dürr) herausgab. HKndlich ist der Univergität zu ihrem 
Jubiläum ein allgemein univergitätsgeschichtliches Werk gewidmet worden: 
Dr. Friedrich Schulze und Dr. Paul Szymank, Das deutsche 
Studententum von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart(Leipzig, 
R. Voigtländer). -- Was an PFestartikeln u. dgl. wertvoll ist, wird s. 2. 
der Historisch-pädagogische Literaturbericht verzeichnen. 
Im Berliner Künstlerhaus ist während der zweiten Hälfte des Oktobers 
und in der ersten Novemberwoche eine Ausstellung gezeigt worden, 
die ihrem Namen nach auf ungere gespannteste Aufmerksamkeit ein An- 
recht hatte: „Das Kind in den letzten Jahrhunderten“. Aber bei 
näherem Zugehen zeigte Sich: ein glücklicher Gedanke ist hier Schmählich 
vertan worden. Das Allermeiste der ausgestellten Bilder, Plastiken, Lehr- 
und Bilderbücher und Spielsachen gehörte in die neue und neueste Zeit, 
und hinter das Jahr 1800 führten nur: 80 ganz vereinzelte Gegenstände 
zurück, daß jene Bezeichnung „Das Kind in den letzten Jahrhunderten“ 
als eine dreiste Irreführung bezeichnet werden muß. Bine stattliche An- 
zahl von: Kinderbildern aus Privatbesitz, allerhand Hübsches dabei, aber 
fast nichts, was in das Leben des Kindes irgendeinen Kinblick gewährte; 
hervorragende Pergönlichkeiten als Kinder -- Kaiser Wüälhelm: recht! 
Gerhart Hauptmann: Schön! aber der „Dichter“ Julius Wolff? und Lndwig 
Pietsch ? und -- der Zeitungsverleger Rudolf Mosse und Frau Gemahlin in 
kleinen Photographien ?? Die Berühmtheiten also von Berlin W. „Lehbr- 
und Bilderbücher“ heißt die zweite Abteilung, unter etwa 200 Nummern 
was für Lehrbücher? eine PVibel v. J. 1830, ein „Lesebuch“ v. J. 1798 
(das vielleicht gar kein Lehrbuch ist) und der J. B. Homannsche Atlas 
aus dem Anfang des 18. Jh., der mit Kind und Schule etwa 80 viel zu 
tun hat wie die Ausstellungsleiter mit Wissenschaft. Endlich „Das Kind 
im Spielzeug“, darunter dem Katalog nach ein paar nette Sachen, auch 
nicht zu jungen Datums -- leider aber fast ausnahmslos nicht auſfzu- 
finden, denn: die Anordnung und im Zusammenhang damit der Katalog 
(50 Pt.) waren für jede ernsthafte Betrachtung unbrauchbar. Kin wügstes, des 
historiSierenden Namens der Anusstellung förmlich 8pottendes unhistorisches 
Durcheinander. Und wäre die Anlage des Katalogs wenigstens 80 ge- 
wesen, daß der Begucher der Ausstellung, der in ihr nicht historische 
Dokumente guchte, Sondern malerische Leistungen, die Bilder der einzelnen
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.