Full text: Mitteilungen der Gesellschaft für Deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte, Berlin - 20.1910 (20)

 
49 Tetzner: Die Schulbildg. d. Philipponen z. Z. ihrer Binwanderg. 1. Ostpreußen. 
in Seiner nicht, genug zu preisenden „Storia della Letteratura Italiana“ 
(Tom. II. P.1. Cap. 17 ff. VWirenze 1806, 8. 173ff.) geliefert hat. Giesebrechts 
Anuffassung hat Anklang gefunden (vgl. z. B. Köpke, Kleine Schriften. 
Berlin 1872, S. 752. Gaspary, Geschichte der italien. Litteratur Bd. 1. 
Straßburg 1885, S. 6), ist aber doch nicht unwidersprochen geblieben, wie 
Schon das Beispiel Ozanams zeigt, auf dessen inhaltreiche, nur in Kinzel- 
heiten veraltete Arbeit „Des Icoles et de V'instruction publique en Italie 
aux temps barbares“ (Oeuvres completes Bd. 2, S. 355 ff.) die Leger unserer 
Zeitschrift nachdrücklich aufmerk8am gemacht Seien. Wie Sich Salvioli 
(„TVistruzione pubblica in Italia nei Sec. VIII, IX e X*“. FVirenze 1898) 
zu der Frage Stellt, kann ich nicht angeben, da mir Sein Buch bisher 
leider unzugänglich gewesen ist. 
Auf jeden Vall bleibt es von Bedeutung, daß ein deutscher Kaiser 
es Sich angelegen Sein ließ, dem fortSchreitenden Verfall der italienischen 
Bildung Kinhalt zu tun. Gleichwohl Scheint mir die begeisterte Lobrede, 
die Rößler dem Kaiser aus diesem Grunde Spendet, nicht recht am Platze. 
Ks läßt Sich Sonst kaum belegen, daß Lothar an der Wörderung der Schulen 
in Deutschland oder in Italien irgendwelchen Anteil nahm. "Trotz Seinem 
Interesse für die theologische Literatur, trotz Seinen ſfreundschaſtlichen 
Beziehungen zu Hrabanus Maurus (vgl. Dümmler, Geschichte des ost- 
fränkiSchen Reichs Bd. 1?. Leipzig 1887, S. 396), blieb jenes Schnuledikt 
eine vereinzelte Regung. 
Die Schulbildung der Philipponen 
zur Zeit ihrer Einwanderung in Ostpreußen. 
Von Prof. Dr. F. Tetzner in Leipzig (nach M. Gerß). 
Am 23. Oktober 1908 Sind es 100 Jahre gewesen, daß Martin Gerß, dem 
wir die ausführlichsten Aufzeichnungen über die Philipponen verdanken, 
das Licht der Welt erblickte. Gerß hat als Lehrer zu Nikolaiken und 
Sehesten, Später als Rektor zu Groß-Stürlack geine ganze freie Zeit der 
ErforSchung der Philipponen gewidmet, hat auch im amtlichen Auftrag 
das Bildungswesen studiert und darüber berichtet. Man hatte in Ausz- 
Sicht genommen, nachdem ihn die Philipponen Schon einmal zum StaryKk 
wählen wollten, ihn vielleicht zum Inspektor ihrer Schulen zu machen, 
da er ihrer Sprache und Glaubensbetätigung kundig war und anch äußer- 
lich den wichtigsten Anforderungen genügte. Man hat Später davon ab- 
gesehen, einen besonderen Inspektor zu ernennen, beauftragte erst den 
benachbarten evangelischen Lehrer in Ukta mit einer beschränkten Aufsicht 
und hat Schließlich in den raskolnikischen Gemeinden mit Freuden deutsche 
Lehrer angenommen. Über das Bildungswesen der Philipponen berichtet,
	        

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