Volltext: Mitteilungen der Gesellschaft für Deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte, Berlin. Beihefte 18 - 1909 (7)

| II. Abgehnitt, | 
Die pädagogische WirkSamkeit Sailers, 
1. Sailer als Pädagog in Seinem persönlichen Wirken. 
Saller war in erster Linie Theologe. Er vertrat als akademischer 
Lehrer zwei theologische Hauptdisziplinen und bewegte sich auch als 
Schriftsteller vorwiegend auf theologischem Gebiete. Aber er war zu- 
gleich Pädagog und entfaltete auch als Solcher persönlich und literarisch 
eine 80 reiche Wirksamkeit, daß ihm in der Gegschichte der Pädagogik 
nicht minder ein Ehrenplatz gebührt als in Jener der Theologie. Diege 
Wirksamkeit beginnt bereits in Ingolstadt.: Bis zu dem Jahre, in welchem 
Sailer Pädagogik als Lehrfach übertragen wurde, besteht gie im wesgent- 
lichen darin, daß er in Wort und Schrift Erziehung und Schule zu fördern 
Suchte und in mannigfacher Weise Sein großes Interesse für die Sache 
kund gab, ohne Jedoch systematisch auf diesem Gebiete zu arbeiten. 
Eine der ersten Schriften, die er als Repetitor publieus in Ingolstadt 
veröffentlichte, handelt von der FErziehungspflicht der Eltern und verrät in 
Ihrer umfasgenden Anlage und Durchführung deutlich Seinen Beruf zum 
Pädagogen. Er hat sich dieses Thema gewählt, obwohl die Erziehung 
damals nicht im Kreise geines beruflichen Interesses lag. 
In Dillingen mußte ich wailer im Rahmen Seines theologischen Lehr- 
amtes mit pädagogischen Fragen beschäftigen. Er war nämlich hier wie 
Später in Landshut Lehrer der Pastoraltheologie und hatte die Aufgabe, 
Seine Schüler auf die praktische Seelsorge vorzubereiten. Dazu gehörte 
auch, daß er sie in die Kindergseelsorge und in die Kunst der Katechese 
einführte und sie zugleich mit den notwendigen Kenntnissen zur Hebung 
des Schulwesens ausrüstete, das in Jener Zeit zum weitaus größten Teil 
der Fürgorge des Klerus überlassen war. In welcher Weise er dies getan 
hat, ersehen wir aus Seinen Vorlesungen über Pastoraltheologie, worin er 
eine ausführliche „Anleitung für den angehenden Katecheten“ !) und „für 
den Aufseher und Förderer der Schulanstalten* ?) gibt. Allerdings lassen 
Jene Abschnitte der Pastoraltheologie nur den allgemeinen Inhalt dieser 
Vorlegungen erkennen, nicht aber den HKindruck, den das lebendige Lehr- 
wort Sailers dank geiner außerordentlichen Pergönlichkeit machte und die 
Förderung, die durch Seine begeisterten Hörer dem Volkschulwesen zu 
teil wurde. | 
Briefe aus den Jahren 1785 und 17865) zeigen, daß er persönlich an 
1) 5. W. 17. Bd. S. 177-255. Vgl. unten „Sailer als Methodiker.“ 
2?) 8. W. 17. Bd. S8. 256--272. Vgl. unten „Sailers Stellung zur Volks- 
Schule.“ 
38) Saileriana Robe.
	        

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