Full text: Mitteilungen der Gesellschaft für Deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte, Berlin. Beihefte 18 - 1909 (7)

 
Radlmaier: J. M. Sailer als Pädagog. 37 
Begleitbrief (1786)') darüber: „Aus dem Vaterunzer für Kinder ward ein 
Büchlein auf gechs Bogen. Ich wollte klar werden und dem Mechanischen 
entgegenarbeiten, und da ging es mir wie allen Kinderschriftstellern -- 
ich gab wenig Begriffe und leitete Sie aus dem Vorrate der Kinderbegriffe 
heraus und konnte nicht kürzer Sein . . . Ich gab mir alle Mühe den Keim 
des Selbstdenkens in den Kindern zu wecken.“ 
Die Sieben heiligen Sakramente,?) 
mit Kupfern im Schulfond zu München erschienen, Sind besonders wegen 
der eingeschlagenen Methode und der weitgehenden Berücksichtigung der 
Liturgie von Interesse. Sailer entspricht hier gelbst der Forderung, welche 
er in der Pastoraltheologie*) an den Katecheten stellt, nämlich zuerst „die 
Religion als Geschichte darzulegen“. Er geht niemals vom Begriffe aus, 
Sondern Sucht genetisch. den Begriff zu gewinnen; 80 nimmt er beispiels- 
weise beim Altarsgakrament*) ein Bild, welches das Abendmahl darstellt, 
zum Ausgangspunkt. Aus der Bäingetzung des Abendmahls ergibt sich 
dann von Selbst der Begriff. Das Schriftchen ist als Lesebuch für die 
reifere Jugend und auch für Erwachsene gedacht und bietet wie das „Gebet 
unseres Herrn“ wertvolle Gesichtspunkte für die Katechese. 
Die Sprüche der Weigsen?) 
wenden sich an die studierende Jugend des Gymnagsiums. Die Idee Sailers 
iSt die Schüler in Sach- und Sprachkenntnissen zugleich zu üben. Sie 
Sollen daraus die Kigenschaften der lateiniSchen Sprache besser Kennen 
lernen, 80 besonders ihre nachdrucksvolle Kürze; Sie Sollen aber zugleich 
zum Nachdenken über die Wahrheit, die in der Schale liegt, gereizt und 
im Nachdenken geübt werden; deshalb Sind die Jlateinischen Sprüche bald 
übersetzt, bald erläutert, bald angewandt, bald näher bestimmt. 8o Sollte 
das Latein Nahrung für den Verstand und das Deutsche Nahrung für Herz 
und Verstand gein.*) Bemerkenswert ist, daß ein großer Teil der „Sprüche“ 
(unter B und C) von Ludovicus Vives Stammt und dessen Satellitium Sowie 
Seiner Introd uctio ad veram gapientiam entnommen 1st. 
3. Die Sailersche Priesterschule. 
Die vornehmste Frucht der reichen Wirksamkeit Sailers war Seine 
Priesterschule. Ks war dies „keine gelehrte Schule“, die er gestiftet, Sondern 
„eine zahlreiche Schar treuer, von Seinem milden und frommen Geiste an- 
gewehter Schüler aus Nord und Süd, die er gebildet, und der wohltätige 
Einfluß, den er durch diese Männer sowie durch geine warmen, mit edlen 
religiögen und Sittlichen Gedanken erfüllten Schriften weithin geübt, ist 
auch jetzt noch nicht erloschen“. 80 urteilte Döllinger in Seiner PFestrede 
 
In Saileriana Rg3bg. 
&. W. 37. Bd. 8. 259--294. 
+ 
) 
) 
3) 8.W. 17 Bd. S. 180. 
4) Vbhenda S. 271. 
59) KrSchienen 1794 bei Brönner, Dillingen. -- In S. W, 40 Bd. 8. 253-314, 
6) Vgl. Vorrede 8. W. 40. Bd. 8. 257 f.
	        

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