Full text: Die Lehrerin in Schule und Haus - 5.1888/1889 (5)

Notizen aus dem engliſchen Anfangsunterricht, 
Vo 
Dr. U. Kadler. 
Die von berufenen Männern der Theorie wie der Praxis ſeit langer 
Zeit warm befürwortete und auch vielfac<g ſchon verjuchte Einführung der 
„neuen Methode" im fremdſprachlichen Unterrichte, zumal im neuſprach- 
lichen, hat auf der gegneriſchen Seite in Wort und Schrift eine Polemik 
heraufbeſchworen, die do< das Gute gehabt hat, im Laufe der Zeit durch 
Darlegung ruhiger Erwägungen beiden Richtungen die Extreme abzuſchneiden 
und ihnen die Erkenntnis abzunötigen, daß man vom Gegner doch auch 
manche8 lernen könne, ohne ein pater peccav1 ſtammeln zu müſſen. Viel 
zur Widerlegung der übertriebenen, aber weit verbreiteten Anſicht, als 
wollten die Herren der „neuen Methode“ aus dem Schüler ſelbſt einen 
ſattelfeſten Phonetiker machen und, gemäß ihrer zweiten Forderung, die 
Grammatik ganz über Bord werfen, haben namentlich die ſorgſamen 
Programmarbeiten von Quiehl, Rambeau und Walter beigetragen, welche 
über praktiſ<e Anwendung der neuen Methode berichten. Der heutige 
Stand der Frage, welche den neuſprachlichen Unterricht in ſeinen heiligſten 
Intereſſen berührt, läßt ſich wohl dahin feſtſtellen, daß man von beiden 
Seiten nachgegeben hat und dem Prinzip mehr oder weniger huldigt, 
„medio tutissimus 1bis“, was ja auch Schaefer in ſeiner „vermittelnden 
Methode“, freilich nach anderer Richtung hin, bereits vor geraumer Zeit 
verſochten hat. 
Auch die folgenden Zeilen ſollen 8ine 1ra eb studio nur Notizen aus 
meinem eigenen Verfahren im engliſchen Anfangs3unterricht der Realunter- 
tertia enthalten und zeigen, wieviel ich von den Forderungen der Reformer 
betreffend „Phonetik“ und „induktive Methode“ als meinem Unterricht zu- 
ſagend anſehe; eine Begründung meines Verfahrens behalte ich mir vor. 
Vorausſchien will ich die Bemerkung, daß an unſerex Anſtalt das 
„Glementarbuch der Englijc<hen Sprache zum Schul- und Privatunterricht 
von Dr. I. Schmidt" (1884. 89. 1,60 Mk.) eingeführt iſt und der 
Lehrplan des Englijchen die Durc<nahme von L. 1 bis inkl. 8 während 
des Sommerſemeſters vorſchreibt. J<h halte die Verteilung der durchzu- 
nehmenden Laute =- oder, richtiger geſagt, Buchſtabenverbindungen, denn 
Schmidt geht ja vom Buchſtaben aus -- auf die große Anzahl von Para- 
graphen, welche Schmidt dafür verwendet, für durchaus unzwec>mäßig und 
laſſe daher die erſten Stunden da8 Lehrbuch ganz beiſeite. Die Klaſſe 
umfaßt 23 Schüler von mittelmäßiger Begabung; die 4 Stunden liegen 
ſämtlich nachm. von 3--4 Uhr. 
1, Stunde, (Freitag, 26. April, nachm. 3--4 Uhr.) Nach einer 
kurzen Bemerkung über das Ziel des Unterrichts frage ich nach der Ortlich- 
keit, wo die engliſche Sprache geſprochen wird. Daran knüpfe ich die Er- 
zählung von dem Manne namens Abel, der während ſeines Aufenthalts in 
England, der Ausſprache ſeines Namens nachgebend, denſelben Ebel, 
Ibel u. ]. w. ſchreibt, ohne doch ſeinen Zwe> zu erreichen, und weiſe, in 
Analogie zum Franzöſiſchen, auf den Unterſchied hin, den wir hier in noch 
größerem Maßſtabe zwiſchen Ausſprache und Schrift finden würden. Auch
	        

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