Full text: Die Lehrerin in Schule und Haus - 11.18994/1895 (11)

144 Ein Beſuch in der Volksſchule der Londoner Vorſtadt KK... 
 
finden, ſei es dringend nötig, daß die Volksſchullehrerin in jeder Hinſicht 
vollſtändig für ihren Beruf vorgebildet ſei, wenn anders unſere Forderung 
vermehrter Anſtellung von Lehrerinnen in kleinen Städten und auf dem 
Lande Erfolg haben ſoll und die betreffenden Lehrerinnen ihre Stellung 
ganz ansfüllen wollen. 
Der Einführung des hauswirtſchaftlichen Unterxicht8 in die Seminare 
ſtimmte die Majorität zu, ſpäteren eingehenden Beratungen die Entſcheidung 
über die Arf der Einführung, ob obligatoriſch oder fakultativ, zuweiſend, 
und ſo wurde die Faſſung der 5. Theſe mit Einfügung der beantragten 
Anderungen angenommen. 
Bei Beſprechung der 6. Theſe wird auf die ungenügende Zahl der 
ſtaatlichen Lehrerinnenſeminare hingewieſen ; allſeitig wird dieſer Mangel im 
Intereſſe der Lehrerinnen, wie der Volksſchule beklagt und die Verpflichtung 
des Vereins, auf Vermehrung der ſtaatlichen Lehrerinnenſeminare hinzu- 
wirken, anerkannt. Die 6. Theſe erhält den Zuſaß: „Auf eine Vermehrung 
der ſtaatlichen Lehrerinnenſeminare hinzuwirken, iſt Aufgabe des Vereins.“ 
Theſe 7 und 8 werden nach längerer Beſprechung und nachdem alle 
beantragten Anderungen abgelehnt wurden, angenommen. Das Wort „ges- 
drücdte Lage“ in der 8, Theſe wurde, als in ſeiner Allgemeinheit zu 
weitgehend, beanſtandet. Doch nachdem JUluſtrationen dieſes Wortes durch 
Mitteilungen über die ganz ungenügende Beſoldung vieler angeſtellter 
Lehrerinnen in kleinen Städten und auf dem Lande, beſonders im Oſten, 
gegeben wurden, ſchwieg der Widerſpruch. 
Auf Antrag der Referentin wurde die Beratung der 3 letzten Theſen 
vertagt. Die Vorſißende ſchloß die 1. Hauptverſammlung um 1 Uhr, nach- 
dem ſie zwei weitere Telegramme, die aus Danzig und Rawitſch eingegangen 
waren, verleſen hatte. (Fortſczung folgt.) 
.* 
4-04 
. 
Ein Beſuch in der Volksſchule der Londoner Vorſtadt K ,.. 
Vortrag, gehalten im Zerbſter Lehrerinnenverein 
von 
4. Müller. 
„Wenn einer eine Reiſe thut, ſo kann er was erzählen,“ und wenn 
ich Ihnen von all dem Neuen berichten wollte, was ic während meines 
zweimonatlichen Aufenthaltes in London geſehen, und wodurch ich An- 
regung gefunden habe, ſo würde die Stunde, die wir monatlich unjerem 
Vereine widmen, und in der auch noch geſchäftliche Sachen erledigt werden 
ſollen, kaum ausreichen. „Wer die Wahl hat, hat die Qual,“ ſo ging's 
mir auch, als ich aus dem reichen Stoff etwas zum heutigen Vortrage 
ausſuchen wollte. Schon ſchwankte ich, ob ich Jhnen etwa von einem 
intereſſanten meeting der Salvation Army, dem ich beiwohnte, erzählen 
jollte ; do< bei uns Lehrerinnen nimmt nun einmal die Schule das Haupt- 
intereſſe in Anſpruch, und da ich in der Fremde das Handwerk grüßen 
durfte und vom Kollegen und von der Kollegin in K. . gar freundlich 
empfangen und zum Beſuche der Schule eingeladen wurde, ſo will ich 
Ihnen heute berichten, was ich dort geſehen und gelernt habe. 
Die Parish School von I. . iſt eine königliche Schule, in der die 

	        

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