Full text: Die Lehrerin in Schule und Haus - 11.18994/1895 (11)

Verhandlungen der dritten Generalverſammlung des 
Allgemeinen deutſchen Lehrerinnenvereins in Darmſtadt, 
vom 2, bis 4. Juni 1895. 
(Fortſeßung.) 
Dienstag, den 4. Juni, vormittags */59 Uhr, 
fand eine nicht öffentliche Sißzung ſtatt. Als Protokollführerinnen wurden 
erwählt: Frl. Weber (Heidelberg) und Frl. Julie Thiel (Aachen). Es 
wurden zunächſt die vorliegenden Anträge auf Statutenveränderung be- 
raten. Der erſte (vom Vorſtand geſtellte) Antrag lautete: 
„Statutenänderungen und Vorſtand38wahl werden durch die Dele- 
giertenverfammlung erledigt. Die Delegiertenverſammlung ſeßt ſich zu- 
ſammen aus den Delegierten der Vereine und ſo viel direkten Mit- 
gliedern, als dem Prozentſatz angemeſſen iſt.“ 
Der Antrag iſt aus dem Wunſche entſtanden, daß in etwaigen 
Statutenänderungen und in der Vorſtand8wahl wirklich der Wille der Ge- 
ſamtheit zum Ausdru> komme und nicht zufällige Majoritäten entſcheiden. 
Würde 3. B. eine Generalverſjammlung an einem Orte abgehalten, an dem 
ſich einer oder mehrere Vereine befinden, ſo würden die Mitglieder dieſex 
Vereine die Abgeſandten der übrigen Vereine vollſtändig majoriſieren können. 
=- Die Verſammlung war im Prinzip mit dem Antrage einveritandenz 
die Disfkuſſion drehte ſi< hauptſächlich um die Frage, ob jeder Verein 
mit einer Stimme vertreten ſein, oder ob die Kopfzahl der Vereine für die 
Anzahl der Delegierten entſcheidend ſein ſolle. Der letzteren Anſicht gegen- 
über wurde geltend gemacht, daß dann kleine Vereine, die häuſig ein ganz 
beſtimmtes Intereſſengebiet vertreten, gar nicht zur Geltung kommen könnten, 
ſo daß beiſpielweiſe die großen Lehrerinnenvereine im Auslande kleine 
Vereine m Deutſchland vielfach überſtimmen würden, ſelbſt wenn es ſich 
um Angelegenheiten handelte, in denen letztere weit beſſer orientiert ſein 
müßten. Man einigte ſich ſchließlich dahin, daß Vereinen bis zu 100 Mit- 
gliedern je eine Stimme, größeren Vereinen je zwei Stimmen zukommen 
jollen. (Es wurde feſtgeſtellt, daß die Stimmen übertragbar ſind, ſo daß 
eine Delegierte außer den Stimmen ihres eigenen Vereins eventuell auch 
noc< die Stimmen anderer Vereine vertreten kann. = Jn Bezug auf die 
Teilnahme dex direkten Mitglieder wurde ſeſtgeſeßt, daß die auf der General- 
verſammlung anweſenden direkten Mitglieder aus ihrer Mitte diejenigen zu 
wählen haben, denen ſie die ihnen zukommenden Stimmen (deren Anzahl 
der Vorſtand nach dem Prozentfaß der direkten Mitglieder vorher feſtzu- 
ſtellen hat) übertragen wollen. Zur Zeit des Antrags beträgt die Zahl 
der direkten Mitglieder etwa *?/9 ſämtlicher Vereinsmitglieder; ſie würden 
aljo auch 2/59 aller Stimmen zu beanſpruchen gehabt haben. 
Der zweite zur Beratung kommende (von Frl. Gertrud Webexr- 
Wiesbaden geſtellte) Antrag lautete auf Hinzufügung des folgenden Paxra- 
graphen zum Vereinsſtatut: 
Die Lehrerin. X1. Jahrgang. Heft 21. 41 

	        

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