Full text: Die Lehrerin in Schule und Haus - 18.1901/1902 (18)

Landesverein Preußiſcher Volksſ<hullehrerinnen. 139 
 
Ansſchüſſe bethätigen, zeugen die mannigſachen Veranſtaltungen, die die 
Ort8gruppen und Ausſchüſſe ſowohl zur Förderung und Vertiefung der 
Allgemeinbildung und zu beruflicher Fortbildung, ſowie auf ſozialem Gebiete 
und zur Förderung der Wohlfahrt der Mitglieder getroffen haben. Dem 
erſten Zwe>, insbeſondere der fachlichen Weiterbildung, dienten Vorträge 
über Erziehung8- und Unterrvicht8fragen, die mit Themen allgemeineren 
Inhalt3 abwechſelten, Lehrproben und die Lettüre von Fachſchriſten. Auf 
ſozialem Gebiete ging in allen Gruppen die theoretiſche Beteiligung mit 
der praktiſchen Bethätigung Hand in Hand, ein Beweis dafür, daß die 
Volksſchullehrerinnen nicht nur idealen Forderungen, ſondern auch praktiſchen 
Bedürfniſſen Rechnung zu tragen wiſſen. Dem dritten Arbeitsgebiet, den 
Wohlfahrts8beſtrebungen, galt, abgeſehen von den Sonderveranſtaltungen der 
Gruppen, die Wirkſamkeit der 4 Ausſchüſſe des Landesvereins, des Aus- 
ſchuſſes a) für ſoziale Hilfs8arbeit: Frl. K. Stelter- Danzig, b) für 
NRec<htsſ<ut: Frl. Clara Liſchnews8ka-Spandau, ce) für Statiſtik: Frl. 
Maria Liſchnewska - Spandau, 4) für Propaganda: Frl. Tinzmann- 
Striegau. 
1. Die fachliche Fortbildung der Lehrerinnen. 
Nicht unr in mittleren und kleineren Ort8gruppen treten bei den 
Vorträgen pädagogiſche, methodiſche und fachwiſſenſchaftliche Themata in 
den Vordergrund, ſondern auch die größeren Vereine = wir nennen nur 
Charlottenburg und Dortmund -- weiſen eine beſondere Fülle von 
Vorträgen und Referaten fachlichen Inhalts auf. In dieſer Thatjache 
liegt unſern Erachtens ein ganz beſonder3 exfreulicher Fortſchritt. Einen 
gleichen weiſt die Vereinsarbeit auch in Bezug auf die Diskuſſionen auf, 
an denen ſich laut Bericht eine ſtets wachſende Anzahl von Mitgliedern 
beteiligt. Wie rege das Fortbildungsſtreben allerorten unter den Kolleginnen 
iſt, mögen einige Einzelheiten aus dieſem Zweige der Vereinsthätigkeit zeigen. 
Die Ortsgruppe Waldenburg warf die Frage auf: „Welche Geſichts- 
punkte ſind bei dex Augarbeitung eines Lehrplanes für eine Schule be- 
ſonders zu berückſichtigen?“ Charlottenburg behandelie das Thema: 
„Wie müſſen die verſchiedener Unterrichtsſtoſfe behandelt werden, damit ſie 
Bildungsſtoffe werden?" Düſſeldorf lieferte einen Vortrag über den 
„darſtellenden Unterricht.“ In Berlin U, wo der Vortrag: „Dex Moral- 
unterricht in der franzöſiſchen Volksſ<hule großes Intereſſe erregte, wurde 
ein pädagogiſcher Ausſchuß gegründet, der neben andern Arbeiten die Be- 
arbeitung dex pädagogiſchen Verbandsihemen des Lande3vereins ſich zur 
regelmäßigen Aufgabe geſtellt hat. 
Eine große Anzahl von Orts8gruppen beſchäftigte fich eingehend mit 
beſtimmten Unterrichtsfächern, ſo Eſſen: „Über den deutſchen Sprach- 
unterricht“, Bo<hum: „Die Pflege der lautreinen Ausſprache in der 
Volksſchule“, Saarbrü>en: „Wie wird der Unterricht in der Heimat- 
kunde ſeiner ethiſchen und ſozialen Bedeutung gerecht?“ Düſſeldorf: 
„Zom Unterricht in den Realien“, Dortmund: „Der naturkundliche 
Unterricht in der Mädchenoberklaſſe.“ Jm Anſchluß an den leßtgenannten 
Vortrag beſchloß der Dortmunder Verein, für den naturkundlichen Unterricht 
einen Lehrplan auszuarbeiten, der die Bedürfniſſe des praktiſchen Lebens 
berüdſichtigen und zugleich die Grundlage für eine etwaige Angliederung des 
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