690 Unſere Schwachen.

nungen mit verdorbener Luft befördern das Zuſtandekommen von Schwach-
ſinn. Es8 dürfen dann nur mehrere dieſer Urſachen zuſammentreffen, dann
iſt's faſt nicht anders möglich, als daß ein ſ Eine merkwürbige Urſache des Schwachſiuns, die den Gelehrten ſchon
viel Kopſzerbrechens gemacht hat, iſt der Kretinis8musS, eine geiſtige und
körperliche Entartung des Menſchen. Sie ſoll von der Erkrankung und
Veränderung der Schilddrüſe herrühren, in gewiſſen Gegenden beſonders
häufig vorkommen, mit dem dortigen Trinkwaſſer und den eigenartig feuchten
Bodenverhältniſſen in Verbindung ſtehen.
Gegen alle die aufgezählten Urſachen können wir leider nichts thun,
als da und dort ein Wort der Belehrung und der Warnung anbringen, im
übrigen aber die ſchulpflichtigen Kinder nehmen, wie ſie kommen, ob normal
oder ſ Freilich wollen es beim Schuleintritt die Mütter ſelten zugeben, daß
ſie ein Schwachbegabtes bringen. Meiſtens iſt vorher ein ſolches mit
allerlei Mängeln belaſtetes Kind entweder vernachläſſigt worden und dann
hat die Mutter die Ausrede, es hätte zu wenig Umgang gehabt, und ſie
hätte keine Zeit, ſich mit den Kleinen abzugeben, oder es wird verhätſchelt
und nervös geſteigert, für das geſunde Wachstum des Kindes eines ſo
ſchlimm wie das andere. Hat dann das Kind vielleiht hie und da noch
einen drolligen Einfall und giebt ihn in naiver Weiſe preis, ſv iſt es in
den Augen der Eltern erſt auch recht geſcheid, und da die Mutterliebe alles
glaubt und alles hofft, ſo kann ſie es nicht begreifen, wenn der Liebling
in der Schule zurückbleibt,
Auch die Schule merkt nicht bei allen Schwachen gleich ſc Mängel im Nerven- und Denkapparat. Der eine und der andere kommt
noc ſchwachen Geiſtesſ erwedt gute Hoffnungen. Doch auf einmal hapert's, es geht langſamer,
er kann nicht mehr Schritt halten, das Kind bleibt zurüc, und jekt iſt die
Not da. Zwar bei den meiſten Schwachen brau man ſie als ſolche erkennt. Manchem ſieht man die Dummheit auf den
erſten Bli>d an oder hört ſie aus dem erſten Wort heraus, wenn man
überhaupt ein Wort herauslo>en kann. Es giebt eben verſchiedene Schwache.
Je nach dem Grade ves Mangels an Intelligenz unterſcheidet man drei
Abſtufungen:
1. Blödſinn oder Jdiotismus,
2. Schwachſinn im engern Sinn oder Jmbecillität,
3. Shwachbefähigung (Schwachſinn im geringeren Grade) oder
Debilität. i
Zwiſchen dieſen Formen kommen ſelbſtverſtändlich die mannigfachſten Über-
gänge vor.
1. Der Jdiot oder Blödſinnige ſteht auf der niedrigſten Stuſe
geiſtiger Entwilung. Sein Denkvermögen iſt ganz unbedeutend; ſeine
Sprache beſteht höchſtens in nnartikulierten Lauten. Affekte und Hand=-
lungen gehen triebartig und unbewußt vor ſich. Der Blödſinnige iſt
bildungsunfähig. Er iſt und bleibt eine Laſt für ſeine Anverwandten und
Mitmenſchen und gehört notwendig in Anſtaltsverpflegung.

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