Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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an dem Altare ber Eumeniden gefhworen hatte, bie Wahr> 
heit zu fagen. Ihr Tempel diente den Berbredern zu ei: 
ner Sreiftatt; allein oft fkürzten fich diefe in eine viel er: 
foredlihere Strafe, als die, der fie entgehen wollten. 
Kaum hatte der Schuldige mit dem Fuße die Schwelle des 
Tempels der Zurien berührt, fo befiel plöglich ein fürd:- 
terliber Wahnfinn feinen Geift und trieb ihn in einem Au- 
genblide von der Naferei zur Verzweiflung und von der 
Nerzweiflung zum Tode. Auch fah man nur mit Zittern 
den Tempel diefer furdtbaren Gottheiten an und fprad 
miteben den Empfindungen ihren Itamen aus. Doc fucte 
man burch Gebet und Opfer, wie der Muttermörder Dre: 
fted, fie zu verfühnen. Aug diefer Darftelung werden Sie 
feibfi eriehen, daß diefe zugleich furchtbaren und wohlrhäs 
tigen Wefen nichte anders find, als Perfonifitate des büs 
fen Sewiffend, ale finnlibe Darftelung der unaufbörliden 
Dualen defielben. Der Dieter finnbilderte, der Philofoph 
moralifirte und der Priefter — mußte fi, fo gut ed geben 
wollte, Beiden nachbequemen, Der geheime Sinn, den 
man den Mythen unterlegte, ward zulebt allein noch ge: 
ehrt. Das Bild war no das nämliche; der fi ausivre- 
chende Geift, den nur die Weifen Fannten, war ein andes 
zer. Das Bild blieb dad Sdol des Pobele. 
Das 7te Gebilde verfinnlicht ung den LZupercns, 
den Yan der Lateiner, Las Haupt der fämtlihen Feld- 
und Walddämonen., Das ganze Gefhlent ber Saturn 
und Faunen wurde auf einmal unter diefer Gottergeftalt 
begriffin, im welcher fi diefe Dichtung wieder verein: 
zelte. Die Abflammung, Bildung und Benennung die- 
fe8 dichterifhen Wefend, welhes ohne Zweifel urfprüng- 
li eine alte arkadifhe Hirtengottheit war, ift, wie Alles, 
was Gegenftand der regen Phantafie ward, fehr verändert 
worden. Doc entfernt fi die Bildung von der Bildung 
der Satprn eben nicht: fo fehr, ausgenommen, Baf Pan 
einen Mantel oder eine Bodshaut nm die Schultern, ef- 
nen gefrummten Schäferftab und eine fiebenröhrige Zlöte 
in der rebten Hand trägt. Das Syinbol, die Menfchen- 
finder fäaugende Wölfin, fol ohne Zweifel, wie fhon der 
Name Lupercug (Iupos, Wolfe, und arceo, ich halte 
ab,) fagt, den mwohltbätigen Wölfebandiger, der die Wölfe 
von den Schäfereien abhielt, oder den Umftand, daß fein 
Tempel gerade an dem Orte erbaut war, mov eine Lupa, 
d.5. Weolfin, den Romulus gefäugt habe, andeuten. Die 
Mythe läbt dieien Gott darin fein Vergnügen finden, daß 
er die, ben Feldfrüäcten und Wiehheerden fhädliben, Thies 
te jagt und die in den Ebenen werdenden zahlteimgen Heet: 
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den befchüßt und die Gebirge mit Wohlgefallen durdirrt. 
Die Täler und Fluren ertönen weit umber von dem viels 
fahen Wiederhalle der fiebenröhrigen Flöte, die er einft 
erfand, Darum fagt die Dichtung, er babe die böotifche 
Nompbe Echo geliebt, Auch felbft die Erfindung diefer 
Pfeife ift in ein fehr weitläuftiges romantifches Mährden 
von der Appig fpielenden Phantafie der Dichter eingefleidet 
worden. Gtatt der trodnen, einfahen Erzählung, baß 
Pan aus dem Sıilfrobre des Fluffes Ladon, in welden 
der Wind gerade durch Zufall in, einige abgebrochene Rabr: 
ftüde blieg und einige Klagetone bervorbradte, veranlaft 
worden fey, eine Art von ungleicher, fiebenftimmiger Schd- 
ferflöte (Sprinr) aus fieben, mit Wachs verbundenen, 
Ronrftüden zufammenzufegen, mußte nun die Sprinz zu 
einer fchönen Viympbe und zu einer Xomter des FZlufgot- 
tes Ladon werden, welhe Pan bei dem Anblide zuneis 
gungevol verfolgen mußte. Pan, als ein alter Werehrer 
diefer Nympbe, glaubte oft ihre Stimme zu bören; durd) 
ihre Elagenden Antworten angezogen, fucht er fie Tag und 
Naht in den Wäldern. Endliay aber ward er bes Tudeng 
diejet idealiihen Iiympbe überdrüßig und lebte in der Fol: 
ge in Frieden. Was heiht das anders, als: er vervoll: 
kommnete feine Sprins, biß er im Alter, unfähig dazu, 
die Neigung zu diefem mufifaliiben Hirteninikrumente von 
felbft verlor. — Diefem, auf dem Lande. befonderd 
von. den Schäfer, bochgeehrten, halb mwoblthätig halb 
gefürchteten Gotte, deffin inblie fie felbft, ıhm opfernd, 
fheneten, wurde die Macht beigelegt, ploglihe Schreden 
zu verbreiten; zumal da feine Verebrer, bet verfhiedenen 
plögligen Schreden, bie fih ihrer Feinde bemäntigten, 
ihn für den Urheber derfelben abfihtli ausgaben. Dieß 
gab denn au ohne Zweifel bie Veranlaffung, dag man 
einen plöplihen, oft blinden Lärm oder ein ungegrunde: 
tes Schreden, Deffen Urfahe man nicht Tanne, ein pas 
nifhes Schreden nannte. — Von feinem Geburts; 
orte, dem Berge Lycaus, bieß er der Lucdifhe Bott, 
Auch ebrten ihn die Romer unter dem Namen Zaunus, 
Selbft ihr befonderer Waldgott Silvanue fheint nur 
eine Abart des griehifhen Pan und vielleiht nur durch 
den Fichtenfranz von jenem verfeieden zu feyn. — Cine 
fpätere feinere Umdentung — vorzünlic feiner Prieiter, 
gZuperci, die bei feinen Seiten, Lupertalien von 
den Mömern genannt, fehr thätig waren — macht unfere 
rohe, finnlige Satyınatur zum allgemeinen Vas 
turgott, wozu Diefen Prieftern felbit ver Kame Pa N, 
Dasgrope Ali, krefflihe Dienjte leifiete. Dann uber:
	        

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