Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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Verachte, Sprach Ke, flet3 den Schmud gezierter Doden, 
die Häaglichkeit erfand deg Puped Glanz. 
Berinamthetit it des Mädchens faünfie Echminfe: 
Drum hülte deiner NReire Schein 
tn einen Dichten Echleter ein, 
der nie dem Lüftern Auge winke, 
Der kiebe Heiligthum fey rein; 
e8 muß den edlen Trieben Lodern 
und — immer Ehrfurcht abzufodern — 
auch Immer — unduradiinglich Teyn. 
Die Driste bracht’ ihr cine Schaale 
mit füree Miih zu ihrem frühen Maße, 
kag nie — fo fprac die Biert' — ein Wort vol arroganter Die 
aus deinem Munde gefn; 
net miuder bafaye je nach affektirtem WWiße. 
Sprih werig — aber fchon. 
rag !inen Spott mit Männern zwar fcharmügeln; 
torh darf er nicht verwunden — flatt zu Eügeln. 
Schön it ein Möddenwort, dag Munterfeit beieelt, 
wenn — Weisheit die Gedanken wählt. 
Die Zünfte wedt ihre Herz zu edien Trieben, 
entfernt die Heuchsiei aus Ihrer fhönen Bruft 
und warnt fie vor der Mädchentuft, 
tofettenhaft aus Dioßem Etolz zu lieben, 
Wohl mir, wenn du einft glüdiih bi! 
Drum, meine Liebe, drum erwähle 
dir eined edlen Gatten Seele, 
fo edel, als die deine ift. 
D Eenne nie das fchimpfliche Vergnügen, 
aus biogem Uebermuth viet Herzen zu befiegen. 
(Die Sechste rief : DO wie groß Fit der Unterichted awiichen Liebe 
und — Ftreundfchaft!) 
D lege fie auf Ved Berfiandes Waage, 
und wäge ernft dad Gtüf, Tas jede dir verleiht. 
Die Liebe it ein Spielwerk Eurzer Tage, 
Treundihaft — ift far Die Ewigkeit, 
(Die drei folgenden Boven fprahen von den Prichten des 
MWohlihung.) 
Sie fagten ihr, die guten Horen: 
Kaum ift Die junge Welt geboren, 
fo giebt es Schon des Elend8 taufendfatt., 
D zeige, bei der Armuth Leiden, . 
daß aud) das Unglüd Freunde hat. 
Der Sreuden fhönne find der Menfchenliebe Sreuten, 
Empfind’ au du es einit, wie frob, 
wie göttlich froh es macht, wenn wir ein Leid verfügen 
und unter'm niedern Dach von Stroß 
in Jammerwunden Bulfam gießen. 
Das Mädchen dünft den Männern nie fo fchon, 
als wenn fie e8 dem fremden Kummer wehren, 
und unter felbft geweinten Zähren 
der Menfchheit Zähren trodnen fehn. 
(Huc die Pflichten der Eünftigen Verbindung Liegen fie nicht uns 
berührt.) 
Wenn cinit dein Mund das Wort der Treue fprach, 
dann fey Ddir’3 Pflicht, den Gatten fanft zu Ffofen; 
dann fireu' ihm eıne Hand voY XRofen 
auf seden Zebensiag. 
Durch Bitten herriht dag Weib und nübt die Heinfte Gunfkt 
den Siolzen fefler anzubinden, 
Mıhr er ih finfirer Eaune fhuld: 
befämpfe fie mit einem fanften Kächein, 
Nelampfe den Berdaht Durch Tugend und Geduld, 
und fuce feloit den Zorn durch Ruhe Eühl zu fächeln. 
Tad Weid wird Königin dur Nachficht, Lieb’ und Huld, 
(„Und Baft Du ‚ feste die eine Hore mit einem zärtlichen Bd 
und freudeglänzendem Auge Kinzu:) 
Und har du eink das Iihönte Gtüd auf Erden 
und füfleit beineg Liebe Sohn; 
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fo fey er die nicht Bürde, fordern Lohn: 
das Weib wird grogß duch Mutterwerden *, 
Eri’ ihn an deiner treuen Bruit, 
und diefem heiligen Gefchäfte 
weih’ deiner fehönften Taae Kräfte. 
Ein edles Weib, Die ihrer Price bewußt, 
fih von Derfeiben Nichts Iügt Tcheiden, 
empfindet auch die feligiien Der Sreuten. 
(Auf diefe Weife bildeten diefe edlen Erzieherinnen Im Etiffen 
den Beritand und das Herz ihrer Jungen Schülerin big zu 
Dem Augenbiice, in welchen fih die Blüthe Des menichlichen 
Selftes, Die RNeligiviirät, feibfi entwickelte, dann führte 
die Dore des Dpfers Ihre Zogkiugin feteripit in ven 
Tempet.) 
Dann eilte fie, Den Rlumenfranz im Paare, 
mit fanft gefenftem Aug’ zum heiligen Alrare, 
Der Weifraud fileg in Wolfen hHimmelwärte. 
und mit ihm flog des fihönften Mädiyens Herz. 
(Die folgende HDore führte fie dann in eine Myrihenfaube, wa 
fe ein ländlikfrugales Mai aufgetragen fand.) 
Und diefe Lieblichen Seite 
verfchönten die Scherje der Galle 
und die Zufriedengelt, 
SDier fand des Schwelgerd Gaum Fein Futter 
für feine Lederheit: 
bier berrichte Mäpigkeit, 
die Tochter der Vernunft und — ter Gefundhelt Mutter. 
(Sodann traten die Horen der Arbeit und des Spazier: 
gangesg ein. Und wenn dann die junge Aphrodite mis 
ipren Geiplelinnen fpazleren gieng:) 
Sah’ fie das froße Aug’ in ihrer Lieben Nteih'n 
auf Blumenau’n Iuftwandelnd ziehen; 
fd wurde fie umglänzt von Phobus milderm Schein, 
und in den Nactigaltenhain 
umbüüt von fußen Melodieen, 
und wenn die Gottliche fih eine Blume bradh, 
f9 wuchien zwei an ihrer Erelle nach. 
(Während Erpris tanzte, wurde Ihr bieweilen zugerufen :) 
Kind! folge der Natur in jedem Schrist und Mienen 
und affettire Meige nie. 
Se mehr Dan glaubfi, zu hBafdhen fie, 
um defto mehr entfernft du dich von ihnen. 
(Zuwelten, wenn tie Göttin zum Audruhen fi niederfekte, 
fam eine ihrer Erzieherinnen, fegte fih zu thr, machte fie 
aufmerfiam, welder allgemeine Srohfinn die VBerfamnmiung 
beieele, Lüpte fie und fprah, indem ein Thräne ihr im 
Auge glänzte:) 
Sühlt einft den Serz in des Dlymps Palsfien 
der Gottergröge Pein, 
cerfinft in düfire Phantafei’n 
und fehner ih nach unfern filllen Selten; 
ach! fomme dann zurüd in diefen Dain:! 
Syier bleibet dir ein fanfted Gtüd befchieden; 
bier trifft du einen Bach und einen Blumerrand 
und — ıvas am Kofe des Kroniden (Jupiterg) 
dein armed Herz gewiß nicht fand — 
bier **) findet du — die Unfhuld und den Frieden. 
Auf Dieied Konzert und Tanz folgte ein Eleineg Abendmahl und 
dann führte fiedie Iebıe Dore des Tages in eine, mit 
Blumen und Laubwerk tapezirte, Grotte, wo Morpheud 
(der Gott des Schlafes) fanfı ihre Augentieder fhiop, *°) 
“, Die Dore erklärte, dag dDieh alle Prichten der phyfifchen und 
moralifchen Erziehung der Kleinen in fich fchlöffe, 
*, Sm häuslichen Zirket, 
“.) Möchten Doch die guien Poren bald recht viele fotcher Mäd: 
chenerziehungsinititute, zum Btüf der ganzen Men: 
heit, auf der Erde einrichten ! 
(Der Beichluß im nächften Stüde,) 

	        

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