Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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haben, wenn nicht von ber einen Seite fein natürlicher 
Hang zu diefem Stande, von ber andern die DBelorgnis, 
in fpätern Sahren die, einem Sugendichrer höchft nöthige, 
Munterfeit und Heiterkeit des Geiftes zu verlieren, ihn 
bewogen hätten, fchon im Jahre 15035 die erledigte 
Etelle eines dritten Predizers an der evangelifhen &e: 
meine Augsburgifger Konfellion in Wien anzunehmen, 
auf der er übrigens, ald Katechet, mit der Schule im: 
merfort in Verbindung blieb, bid er auf feinen gegen: 
wärtigen Poften gelangte. Dieß gefhah bald; denn noch 
in demfelben Jahre wurde er von der gedachten Gemeine 
zu ihrem zweiten ordentlichen Prediger gewählt und im 
darauf folgenden Zahre von dem uftreihifchen Katfer zum 
Sonfiftorialratbe ernannt, ‚in weldhen Eigenfüaften er 
immeriort in Wien lebt und wirkt. Zufrieden mit feinem 
Eoidinle, lebt er in einer glüdligen Che und benupt 
mande, von amtlichen Gefhäften freie, Stunde zu 
fariftftellerifhen Arbeiten. Wiederholt getäufht von Wien: 
fhen, zu deren fittlihen Güte er viel Vertgiiten hatte, 
fcheint er etwas mißtrauifch gegen die Menfchen geworben 
zu feyn und fie nicht ftark zu fuchen. 1ebrigens ijt es 
fein, in feinen GSuriften von ihm oft aufgeftellter, 
Grundfos: die Menichheit Immerfort zu lieben, aud 
wenn man noch fo viele Einzelne einer innigen Liebe 
und Achtung unmürdig gefunden haben folte. Haug zu 
Zerfirenung ift feine Sade nidit; er liebt vielmehr das 
file, Hauslihe und einfache Leben; der Genuß, den 
aufrichtige Freundichaft und Liebe, die Natur, das Nach: 
denten und bie Literatur gewähren, geht ihm über Alles, 
Anfmunternd waren für ihn mande fchmeicelhafte Sur 
f&riften, die er bei verfhiedenen Selegenheiten von hö- 
bern Perfonen, 3. ®. von den öftreihiichen Erzherzogen 
Karlund Anton, der Königin von Baiern, den Prin- 
zeffinnen von Meiningen, dem Wiener Erzbifchofe u. a. 
erhielt. 
Auper den, vorhin größtentheils fon angegebenen, 
Büchern, deren Zahl fi auf zwanzig und etliche beläuft, 
bat Slas nicht nur Beiträge für Journale und gelebrte 
Seitungen geliefert, fonbern es werden ihm auch mehrere 
anonyme Schriften zugelchrieben, 
 
Sliük und Unsglüd, 
Ficht das Glük ann Lebengweisheit lehren! 
Reihthum führet nicht zu Bohen Ehren; 
wer nad Gold und Siber nur getrachtet, 
fiisbt jo vergchtet ] 
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Ben dad Gtüd im Freudenfhooß erzogen, 
Der hat nicht des Lebens Kaft geiwogen, 
fann mit Gegenfraft fi nimmer rüfen, 
männtih fc brüften. 
Gleich der Pranze, die, aus fremden Zonen, 
In der Wärme nur enthütit Die Kronen, 
wird er, wenn die Ealten Lüfte wehen, 
weifend vergehen. 
Wenn des Schiffes breitgefchweifie Selten 
über fanfte Meeresfpiegel gleiten, 
Dieter nicht der Schiffer auf die Kräfte, 
ruht vom Gefchäfte. 
Doh, wenn wild der Luft Gewalten fürmen, 
Beulen fih zu Riefengräbern thürmen, 
muß er Kraft und Muth zum Kampf bereiten, 
männlich dann firetten. 
Knüpfe Freuten an mit iedem Tage, 
nie behagt die-immer gleiche Lage; 
Ungtüd fliegt mit dem, was uns befdieden, 
Do erfi den Frteden! 
Ruhe Lehren drohende Gefahren! 
Dft erkauft der Menfch mit greifen Haaren, 
ch: fo fpat — nur durch gefühlte Schmerzen 
Sturfe dem Kerzen! 
Bird der Menfh mi: Borfiht um fih fchauen, 
wenn ihn nicht Gefahren rings umgrauen ? 
Las ihn auf geihüspten Pfaten wandeln, 
wird er noch bandeln ? 
Tiikt er fietd mit Srohfnn zu dem Etabe, 
der ihn führt vom keitband bi8 zum Grabe? 
Seine Stüge wird er erii vermiffen, 
ift fie entriffen! 
und tie Mannedfraft, die nicht erzittert, 
wenn ver Blig des Gtüded Bau zerfplittert, 
fann fie, wenn wir Wonne nur geniesen, 
berrlich erfprießen ? 
Die Ergebung bei des Derzend Wunden, 
und die füge Soffnung beff’cer Etunden 
fönnen nur, wenn fanfte Klagen tönen, 
Menfchen verfchönen. 
Stile Dulden und der Beige Glaube, 
und der Bd zum SDimmmel von dem Staubde, 
ach! fie werden erft, nach beiden Zähren, 
Shmuf und gewähren ! 
Denn fie flichen, wo die Freudenichaate 
Immer neu fih füut bei’m Wonnemadle, 
und wo Zage, bei des Nektars Winfen, 
unbemesft finten. 
Korı Dafm
	        

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