Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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felbft eine fabelhafte Perfon ift, fo läßt fi fchon vermus 
then, baf die Nachricht von der Etadt, die er erbauet 
haben fol, ebenfalls auf feinen fihern hiftorifhen Grün: 
den berube. Wahrfceinlicyer ift wol die Meinung Derer, 
weldbe die Erbauung diefer Stadt den Einwohnern ds$ 
benachbarten Cuma zufchreiben. Herktulanum flieg zwar 
nie zu dem Range einer Hauptfiadt empor; dennoch aber 
blieb es niat unberühmt und man weiß wenigfteng fo viel, 
daß e8 fehr reihe Cinwohner hatte, welhed auch die 
prächtigen Ueberrefte, die man aus der Tiefe feines Ora- 
bes hervorgezogen bat, binlanglich beweilen, 
Ein Gegenftand des Neides und der Eiferfucht ih: 
rer Nachbarn, ward Diefe Etadt plöplih ang der Neihe 
der Etadte Sampanieng vertilgt, fo daß nur ihr und ih 
rer unglüdlihen Schweftern Nanıe, aber fonft fein weis: 
tered Denfmal übrig blieb. Im Sabre 79 nad Ehrifti 
Geburt erfolgte namlib, nah einem mehr ale hundert, 
jährigen Schweigen des Vefung, auf einmal eine fo ge= 
waltige Eruption, die an Hrftigkeit Alles übertraf. Her- 
fulenım, Pompeit, Ctabia und vi le andere größere und 
Heinere Ortfchaften wurden mit glühbenden Lavaftrömen fo 
übergoffen, daß Feine Spur von ihrem ehemaligen Da 
fenn zurüdblieb. Man erinnerte fih nah einigen Jahr: 
hunderten nicht einmal mehr der Stellen, wo diefe Stäbd- 
te geftanden hatten. 
Ein zufälfiger Umftand brachte fie nicht nur wieder 
in’d Andenken zurüd, fondern ward auch Urfah, daß man 
felbft eine Menge foftbarer Veberbleibfel, namentlih von 
Herkfulanum, auffand. Der Prinz d’Elbenf hatte im 
Sabre 1720 den Entfhluß gefaßt, fi zu Portici, eis 
nem Luftaufenthaltsorte des Könige beider Eicilien dicht 
am Ufer des Meeres, einen Palaft zu erbauen. Da die: 
fer Palaft fi dur Pracht und Schönheit vorzäglih aus: 
zeichnen follte, fo fparte der Prinz Feine Koften. Er 
faufte zu dem Ende die feltenften Marmorplatten auf, die 
er erhalten fonnte. Ein Bauer in der Gegend lieferte zu 
diefem Swed die feltenften Stüde. Ein Uder Seld, wel: 
des ihm gehörte, gab diefelben her und der Bauer erbot 
fih, noch fhönere zu fiefern; denn er wußte, daß ihrer 
noch mehrere unter der Erde verborgen lagen. Der Prinz 
merfte wol, daß er zum Befig der verborgenen Eıäpe 
am leichteften und wohlfeilften Fommen würde, wenn er 
daB ganze Aderftüd an fih brachte. Dieb gefhah, indem 
er dem Bauer das Stüd Landes nach aller Form Neche 
tens ablaufte. Aber nun ward auch fo lange gegraben 
und nacgefpärt, bis man in größerer Tiefe nicht bloß 
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Marmorftüde, fondern auh Vafen, Etatäen unb andere 
Aunftwerke bervorzog. Schäke von Seltenheiten lohnten 
dem Prinzen den Koftenaufwand reihlib. Sept war aber 
die Kegierung von Neapel aufmerfiam und der König uns 
terzog fich felbjt denr Gefhafte. Man kam bei’m weitern 
DBerfolg der Arbeit auf Hdufer, Paläfte, Theater und 
E trafen und machte nun die Entdedung, ab man daß, 
vor mehr ald 1600 Äahren verfhüttete, Herkulanum 
wieder aufgefunden habe, Mit jedem Tage entdedte man 
neue Schäße, neue Seltenheiten. Sie wurden forgfältig 
gefammelt und zu Portici aufgeftellt. Eben diefes Porti- 
ci und Kefina verhindert aber auch dag weitere Nachgra: 
ben gar fehr; denn dicfe beiden Drte fiehen zum Theil 
über dem verfhütteten Herfulanum, und man würde fie 
ganz vernichten müflen, wenn man unter ihnen weiter 
graben wollte, Wunderbarer Weife ward jedoch das Thea: 
ter von Herfulanum unter dem Boden von Nefine ent: 
dedt. Man wollte namlich dafelbit einen Brunnen gra- 
ben und fennte Fein Waffer finden. Go grub man immer 
tiefer und fiefer und fam endlih im einer Ziefe von 8o 
Zuß auf biefes prächtige Gebäude. Bor biefem Theater 
läuft eine Etrafe gerade hin und bat an beiden Seiten 
erhöhte Bahnen für die Sußgänger. Celbft dad Pflefter 
diefer verichütteten Etadr ift ichon von Lava. 
Nabe bei Refine führt auch berWeg zu bem unter: 
trdifhen Herkulanım. Man muß, wie in ein Bergwerf, 
mit Sadeln binabfteigen, und eine kalte, feuchte Keller: 
Iuft fommt Einem bei’'m Hinabfieigen entgegen, Won 
den Wänder der Haufer und Gebäude träufelt unausge- 
fept Zeuctigfeit zur Erde herab und fammelt fih bier zu 
größern und Lleinern Pfügen. Man wandelt daher im 
heißeften und trodenften Sommer auf flüpfrigem Bo- 
dın. Deshalb Tann man der Zadeln nicht entbehren, 
Diefes Fadelliht nebft den Trümmern, zwilchen welden 
man wandelt, und ben hoben Wölbungen, unter melden 
man bisweilen bingliticht, machen indeß anf bag Gemüth 
des unter diefen Trümmern Weilenden einen tiefen Ein- 
drud, zumal wenn er die Wagen ber obern Stadt über 
der Wölbung, unter welder er fi& befindet, über fi 
binrolen hört. Ale Meifende, weldhe bie Merkwürdig: 
keiten von Herkulanun in Augenichein genommen haben, 
verfibern einfiimmig, daß fie bei dem dounerahnlihen 
Schalle von einem kalten Schauer wären ergriffen morben. 
Der Marmor, ber den Prinzen d’Elbeuf einft fo fehr 
teizte, wird bier fehr haufig, bald ale Zußboden, bald 
in andern Geftalten, gefunden. DBefonders find zum bei:
	        

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