Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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von 35 Jahren, warb er zum Bilhof von Viviers ers 
wählt. Bald darauf erhob ihn der Pabft zu der Wurde 
eines Cardinale von Dftie. AI felher wohnte er ber 
großen, berühmten Kirhenverfammlung zu Coftanz bei, 
Hier leuctete er vor alen Andern dura) feine Selehrfam- 
feit und Rechtfüaffenheit hervor. Er nahm ih bes ats 
wen, verfolgten Johann Huf mit Ernft und Nahdrud 
an und vertheidigte ihn lebhaft gegen die Anklagen der 
Kerleumdung und Verfegerung. Als aber bdiefer freihers 
zige Zeuge der Wahrheit doch zulent als ein Opfer der 
blinden Neligionswurh und ber päbfilihen Nänfe fiel, 
gab er feinen Unmillen darüber laut und öffentlich zu et= 
tennen. Keiner wagte es, ihn deshalb anzugreifen ; denn 
er fand wegen feiner Nedlichfeit bei'm Wolle in zu gros 
fem Anfeben. 
Sm Jahre 1423 ward er Fürfibifhof zu Genf 
und erwarb fib aud hier durch feine edelmüthigen Gefin- 
nungen die allgemeine Achtung und Liebe. Der Herzog 
Amadeus, der in Genf nach der höchften Gewalt firebs 
te, fuchte ihn zu Verträgen zu bewegen, bie für ihn und 
feine Verwandten höchft vortheilhaft, für feinen Stuhl 
und fein Fürftenthum aber fehr nachtheilig gewefen feyn 
würden. Johann wies ihn jedod fehr nahdradlic zurüd., 
— Er fand au noch ben Edufter am Leben, bem er 
einft ald armer Knabe ein Paar Schuhe nicht bezahlen 
Fonzte. Diefen Mann feste er über fein ganzes Hauses 
fen, behandelte ihn mit ausgezeichneter Herablaffung und 
bedachte ihn in feinem Tejtamente fehr anfehalid. 
Pur drei Jahre lang bekleidete Johann die Würde 
eines Zürftbiichofs zu Genf; denn er farb fchon im Jahre 
1426. Er hatte bort eine Kapelle geftiftet, in welder 
er, feinem Willen gemäß, begraben ward. Jeßt ift bie 
Sapelle ein Hörfaal ber Alademie. In der Gewalt folgte 
ibm Kranz, der Sohn feiner Echwefter, den er ebens 
falls aus dem Stande der Niedrigkeit erhoben und in ben 
Wiffenfpaften hatte unterrichten lafen. Gleichzeitige 
Shriftfteler ertheilen aud diefem Manne ein großes Lob, 
Er befieidete das fürftbifchöflihe Amt länger, als fein Onts 
tel, nämlich bie zum Jahre 1444. 
Die Tugend muß fih, duch folhe Veifpiele ers 
muntert, aus den Feffeln drudender Berhältniffe zu reis 
fen iuben, ihre Tage nicht in üppiger Trägheit langfam 
verzehren, fondern, worin ed auch fey, nad dem fhon- 
fien, ebeifien Kranz in einem beftimmten vollendeten Cha- 
rafter fiieben. Das, was in Allem das Höcfte war, 
muß ihren Augen al6 sähmlihed Mufler der Nahahmung 
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sorleuhten, — MWber es find nicht immer babe Chren- 
ftellen, nicht ein vornehmer Rang in der bürgerlichen Ges 
fenipaft, wicht erworbene Macht und Neihthum, welde 
den Werth und die Größe ded Menihen beftimmen, fon: 
bern die innere Güte bes Herzend, der Adel der Seele, 
ein reines, fledenlofes Gemäth, ein dur Kunft und 
Wiffenfhaft gebilbeter Geift. 
E38, Spiefer, 
 
Auflöfung des Näthfeld im 37. Stüd. 
Die Bienenkönigim, 
Ale Bienen in einem Staate find aud den 30 bie 
40,000 Eiern, welde die Königin den ganzen Sommer 
über legt, entftanden. Die Drohnen, deren man in eis 
nem Schwarme bi 1600 rednet, die Männer der Ko: 
nigin, werden im Auguft, wenn die Brutzeit vorbei ift, 
getödtet. Man nennt diefes die Drobnenfhladt. Dft fal- 
len zwei bie drei Arbeitsbienen über eine Drobne her und 
erftehen fie durch die Ringe des Hinterleibed, Die Ord: 
nung, mit der bie irbeitsbienen ihre Gefchäfte verrichten, 
ift bemundernsmürdig. Einige forgen für bas Füttern 
der, ans den Eiern gefommenen, Maden oder Larven, 
bis fie zum Verpuppen alt genug find, da dann ihre Pie 
gerinnen die Zelle mit einem Wadhsbedel verfaließen, den 
die audlommende Biene durhfrißt und fi ihren Pfleges 
müttern barftellt, die fie leden und fireiheln. Na eini: 
gen Stunden tritt fie bie ihr beftinimte Arbeit an. Dar 
auf wird bie Zelle wieder gereinigt. Co gehört das We: 
fhaffen des Unratbs aus dem Stode, bad Walferholen, 
Wachs: und Honigfaft-Sammeln, dad Weden des Echwar: 
mes und Beobachten des Wetters, ob der Schwaru aus: 
fliegen oder fih inne halten fol, Alles zu bem Gefchaft 
der gefchlechtelofen Arbeitebienen, bie noch überdieß zum 
Dienfte ber Königin, zehn bis zwölf an ber Zahl, bei’m 
Eierlegen,, auch fonft zur Begleitung da feyn mälfen, 
Suttinger. 
 
Charade aug zwei Spyiben. 
Die erfie Syibe wählt auf Auen, 
Gern frißt fie meine zweite auf. 
Ein Thier, berühmt durch fchnelien Lauf, 
ft diefe; gern magft du ed fchauen. 
Das Ganze muficirt, ja fingt, 
Doh immer hält es fich verfiedt, 
Dat Ftügel und tt ein Infekt, 
E9 Alegt, e8 Friechet und es fpringt. 
ED Schw 

	        

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