Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

 
 
Florian oder bie Freunde. 
Sean Pierre Elarie de Florian, gleich lie- 
benewirdig ald Menih und als Dichter, wurde 1755 
im Schloffe Florian, gelegen in Languedof, geboren. 
Schon den Knaben fhmädte eine himmlifhe Her: 
jendgite, 
Der Vater, gleikfald ein vortreffiiher Mann, 
pflegte ihm, fo bald er den Gebrauch des Geldes fennen 
gelernt hatte, wöcentlih ein bejtimmted Tarpengeld zu 
geben. So aufmerkfam er aud von dem DBater beobad- 
tet wurde, Eonnte diefer Dennoch nie entdeden, wozu der 
junge Slorian ben großern Theil feines Tafcbengeldes ver: 
wendete. Und verwendete wurde doh die ganze Summe; 
denn die Kaffe war mit dem Ende einer jeden Woche au 
jedes Mal leer. Der Vater befhloß, feine Aufmerkfam: 
teit zu verboppeln, und ale daher der Sohn eincd Tages 
ftil in den Park fhlüpfte, Ihhlih ber Water nad. Er jah 
endlih den Sohn in eine armfelige Hätte am Rande dee 
Parks gehen, folgte ibm au bier auf den Fuße und — 
weih ein entzädender Anblit! — hatte nun die Erllä- 
tung ber fo firengen Sparfamteit des vortreffliben Kua- 
ben gefunden. Einem arınen, Erdnkelnden Greife, dem 
Bewohner der Hütte, linderte er dur feine Gefcenfe 
ben fhweren Drud der Trübfale. Mit welgen Empfin: 
dungen faloß der Bater den Suaben in feine Arme! — 
Sn der Kolge der Tahre nahm der Herzog von 
Denthievre den liebenswärdigen Florian an feinen Hof. 
Diefes und daß Florian in eines feiner fhonen 
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5+ April 1808, 
Berke, namlich in der Gefhihte des Numa, einige Ver- 
fe auf die ungludlihe Königin Maria Antoinette von 
Frankreich gelegt batte, mußte unter der Toprannei des 
würhenden Nobespierre einen Torwend abgeben, den lie- 
bengmürdigen Dieter ın das Gefangnuif zu werfen und 
aufden Zod anzuflagen, 
Hier zeigte es fi, daß ber wahrhaft gute Dienfd 
auch wahrhaft gute Freunde hat. 
Zwei vortreffihe Männer, Boiffy P’Anglas 
und Mercier, traten mit eigener Lebenegefahr für 
ihren Freund Florian auf und vertheidigten ihn vor den 
biutdürftigen, babjüchtigen, ungerehten Richtern, 
als Mercier auftrat, fragte einer der Blut: 
rihter: ,,Was bewegt Eie do, fo eifrig für eiten 
Feind der öffentlihen Wohlfahrt und ehemaligen Edelmann 
gu reden 2’ 
„Mein eigned Herz bewegt mich! antwortete 
Mercier mit edler Würde. „Ich trete bier im Namen 
der Miffenfchaften und der Künfte auf, um den Freund 
und Befhüger derfelben zurädgufodern; im Namen der 
Meniheit und der unterdrüdten Tugend trete ih auf, 
um Gerechtigkeit zu verlangen. SIft Slorian wirklich ein 
Shuldiger, Fann man ihn wirklich einer Verrätherei ge- 
gen fein Vaterland überführen — wohl! fo belege man 
ihn mit ber Strafe , ggaelde er alödann verfchuldet hat: 
aber — Faun im Gegentheil feine Unihuld erwiefen, Eün- 
nen, fatt der angeihuldigten Verbregen,, vielmebr nur 
Tugenden an ihm entdedt: werden, dann, Bürger, ver 
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