Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

 
zgeitune für die Tugend. 
7 April 1808, 
Donnerstag — 42. 
 
Kindbesliebe *. 
(Zimmer auf dem Schloffe in Wittenberg. ) 
Sibylle, Kurfürftin, lieft in einem Erbauungsbude. 
Wilhelm, ihr Sohn, beihäftigt fih mit der Wahl ei: 
nes Schwerteg; verfucht eins zu fchwingen, 
Wilhelm. 
N , viel zu fhwer für meinen Sugendarm! 
Das fodert eined Miefen Kraft, um nicht 
im Zuge auf das eigne Haupt zu fallen. 
Wie wollt?’ ich freuen mich, hatt’ ich die Kraft, 
bih, alten Würger, rähend hoch zu fhwingen; 
bein Fall wär’ fihrer Xob unb wer bich führt”, 
dem dürfte nie um Zreibeit bange feyn 
und feinen Ruhın; du fhüßeft ihn gewiß. 
ent weg mit dir; bald fuchen wir ung wieder, 
Wenn Kraft und Laft fi wiberfpreden, Ift 
des Hebels Bruch gewiß und wer ihn führt, 
den Fann die Kaft verdoppelt fchnell erfchlagen. 
(Ein zweites verfuchend.) 
Mir federleiht! Du magft für Knaben gut 
und fchön im ingendlichen Scherze fepn, 
Zu rigen nur liegft du in meiner Hand, 
und das will Wilhelm nicht — er heiihet Tob 
in wilder Feinde Neihen zu verbreiten. _ 
Vermöcteft bu das Haupt zu fpalten und 
) Aus: Sriedrih der Großmüthige, Aufzug 3 
At r. Versi, Jahrg. 1806. &t, 144 u.f. 
vom Herzen ihnellen Streihe gu Tonbern e3? 
Zum Spiele gut, nicht für des Waters Sache, 
Drum ruh’, big einft ein Jüngerer dich wäßlt. 
(Ein drittes veriuchend, freudig.) 
Gefunden endlih dDih, den theuern Schap! 
Du follft mein liebfled Spiel, mein Alles fepnl 
Geihärft bift bu zum Etreite, alter Stel, 
und manches Helden Blut enttropfte einfk 
vieleicht der Sieg gewohnten Spige oft. 
Des Siege gewohnt, fol auch in meiner Hand 
dein Bligen mir den fhönflen Sieg erfämpfen, 
Ro find die Feinde? Hin in ihre Neih’n ! 
An deiner Seite, Vater, ftreite ich, 
um fhnell mit iugendliher Kraft ben Streich, 
ber beinem theuren Leben droht, entkiäften 
und biut’gen Tod in feines Führers Bruft 
zus Nagefühnung fenten, daß er ftürzt! 
Sibylle (genör). 
Was mahft du, Sohn? Du bift erhigt und fprichft 
wie traumend nur mit leeren Zuftgebilben. 
Wil belm (gemößigt), 
Daß fie ed wären, gute Mutter! 
Sibylle 
Siehft 
Du wa? 
Wilhelm. 
Mit Leibedaugen nicht, doch viel 
feh? ich im Beilte, was die Ahnung zeigt. 
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