Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

 
 
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Zeitung für die Tusend. 
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Eine herumzichende Zigeunerfamilie. 
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Saon aus dem bisher Befagten ergiebt fin, daß bie 
Zigeuner duperfi faul find und einen übermäßigen Hang 
zur Gemädlichkeit haben. Eie dulden lieber Hunger und 
Blöße, ehe fie fin zur Arbeit entichließen. Sie wählen 
gemeiniglih Gewerbe, bie fi leicht verrichten laifen und 
viele müßige Stunden verftatten. Die gemeinfte Nah: 
Tungsart ber Zigeuner tft Schlofferz und Zchmiedeatbeit, 
Dieles Handwerk war von jeher unter ihnen üblid. Die 
dazu nöthigen Werkzeuge, als einen fteinernen Ambog, 
ein Paar Handbälge, eine Sange, einen Hammer, Schtaus 
beftod und Zelle, führen fie überall mic fih herum. Koh: 
ien brennen fie fih an jedem Orte, wo fie Arbeit finden, 
feld. Diefe nehmen fie aber nur vor, wenn fie der Hun- 
ger zwingt, und dann find fie fehr hurtige Arbeiter. Ei: 
ne andere Nahrungsart der Zigeuner ift Handel und Taufch 
mit Pferden, wobei fie aber die gröbften und granfamjien 
Berrügereien fpielen. Einige von ihnen find au Zims 
merleute und verfertigen Drehslerarbeiten. Andere find 
Korb: und Siebmader und Schuhflider. Dem Aderbau 
find fie abgeneigt. Doc treiben Ginige in der Moldau 
und Wallaei, in Kleinafien, in Ungarn und Eiebenbür: 
gen diefes Geihäft; aber in Spanien und in den übrigen 
eutopdifchen Ländern giebt e# vieleicht nicht Einen, ber 
ie eine Furche gemacht hätte. Chebem verfaben fie auch 
gern und häufig Henkers- und Scharfrichterdienfte und 
waren befonders zur Zeit ber Tortur in den granfamften 
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19. April 1808. 
 
Martern fehr erfinderiih. Im Drient nähren fih aud 
viele Zigeuner durch das Herumziehen mit Bären und Af: 
fen, beren Tanz fie dur ihren Gefang leiten. Im 
Winter ernähren die Weiber ibre Männer dur Trödeln 
mit alten Kleidern, durch Verfertigung und Verfauf der 
Beien und dur Marten der Hunde, Daß auch Zauzen 
und Wahrfagerei überhaupt, befondere aber aus den Li: 
nien ber Hand, zu ihren Nahruugssweigen gehören, Ift 
fhon erwähnt worden. Die Zigeumerinnen wollen auch 
begaubertes Dich entzaubern, verborgene Diebftäble ent: 
deden und Urzgeneinittel von Wunderkraft und ficherer 
Wirkung befigen. Andere Verrihtungen, an denen Män- 
ner und Weiber des Zigeunervolfe Untheil nehmen, find 
Saftwirthiaft in Spanien, Mufit in Ungern und in ber 
Türfei vorzaglie, Golbwäfcerei in Siebenbürgen, im Ba: 
nat, in der Molden end Walladei *). Weberdieß trieben 
fie auch von jcher bier und da Echleihhandel. In ber 
Mufif hatten es Einige fehr weit gebraht. Miele waren 
in deu Karelen gräßiger Perfonen angeftelt und wurden 
ais Dirtuofen bewundert, Ein gewiffer Barna Mi: 
hbaly war ein fo großer Miolinfpieler, da ihn der Kar: 
dinal, Graf Emerih von Ciafy, ber felbft großer Dru- 
iiffenner war, in Xebendgröße von dem gefcidteften 
Sünftler malen und dem Bilde die Unterfcprift geben ließ: 
Magyar Orpheus. Quc vierzehnjährige Zigeunermäbdchen 
waren oft fo große Wiolinfpielerinnen, daß fie von den 
"\ ieber die Goldwäfcherel follen die jungen Kefer nüchfttene 
einen befondern Auffgs In diefen Blättern erhalten. 
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