Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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Bennen, ald wir und an unfern gefchriebenen Namen er: 
Eennen. Unter mehreren abergläubifhen Gebränden, bie 
fie mit firenger Gewilfenhaftigfeit beobachten, bereiten 
fie fi) zu dem bevorfichenden Kampfe vor, Der gelbherr 
faftet mehrere Tage lang, laßt fi während biefer Zeit 
vor Niemand feben, fpriht kein Wort und achtet forg- 
fam auf feine Zraume, denen er aber immer eine vor- 
theilhafte Auslegung zu geben wei. Freunde und Bun» 
desgenoflen fbiden fi Trinkgeigirre zu, ale eine Eile: 
dung, das Blunt der Feinde mit ihnen zu trinken. — 
Henn alle jene Vorbereitungen zu Ende find, fo färben 
fie fi das Geficht mit Kohlen und Zinnoberroth, wodurd 
fie ein fürchterlihes Unfehen befommen, halten denn 
noch eine gemeinihaftlihe Mahlzeit umd ziehen nun mit 
einem fürdterliben Subelgefeprei und unter dem wilden 
Klang einer Eriegerifchen Muiif dem Feinde entgegen. 
Um die Krieger zum Muth und zur Ausdauer in 
der Gefahr anzufenern, redet fie der Anführer gewöhn: 
ih auf folgende Art an: „Die Knochen eurer im Kriege 
gebliebenen Landsleute liegen unbededt; fie fobern und 
auf, ihre Schmach zu rächen, und es ift unfere Pflicht, 
ihnen zu geborhen. Ihre Geifter fchreien zu ung, mit 
müflen fie befänftigen. Höhere Geifter, die Water un- 
ferer Ehre, flößen uns den Entfhluß ein, die Mörder 
unferer Brüder aufzufuchen. Laßt und geben, fie zu er> 
fülagen. Sist taher niht länger unthätig, folgt dem 
Triebe eurer angebornen Tapferkeit, falbt euer Haat, 
bemalt euer Antlig, füllt eure Köcher, laßt die Wälder 
von eurem Schlachtgefange wieberhallen, tröftet die Sei: 
fter der Getößseten und gelobt ihnen Nade.” — 
a den beiden wichtigften Künften des Krieges, in 
ber Lift und Wacfamkeit, haben fie es fo weit gebracht, 
bat ihnen darin kein eutopäifcher Arieger gleiklommen 
Fonn. Durh bie ewigen Wanderungen in mwüflen, um: 
wegfamen Wäldern, durch das Uuflanern und Nadipi: 
ren des Wildes, durch beftäudige Uebungen von der früs 
heften Kindheit an, haben ihre Sinne einen unglaublich 
hohen Sead won Scharfe und Volllommenheit erlangt. 
Sie konnen dadurch alle bie Hälfsmittel entbehren, wel- 
he die gefitteten Golfer buch Nadbdenten und Studium 
erfunden haben. Eie wittern ihre Feinde Ichon in fehr 
weiter Terne dur) den Rauch ihres Zeuerd, den fie auf 
mehrere Stunden weit riehen fünnen, und da, wo kein 
enropälfches Ange auch nur das Beringfte eripähen fann, 
entbecten fie die Sußtapfen ihrer Zeinde. Sa, fie willen 
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fogar an benfelben die verfhiedenen Treiben, mit wel- 
hen fie befannt find, zu erkennen und die Seit zu bered: 
nen, wenn fie fie bier gegangen find. Alle biefe Gefchid. 
lichleiten helfen ihnen aber fehr wenig; denn ihre Keinde 
befigen diefe Sertigfeiten in eben fo hohem Grabe und 
wilfen die Epur jeder Entdedung forgfam zu vermeiden, 
Sie zünden fein Feuer an, um fih zu warmen oder Epei: 
fen zu bereiten; liegen den ganzen ag über platt auf 
dem Boden, marfchiren nur bei Nacht und zwar in fehma: 
len, bichten Sfiedern, mo die Lenten ihre und der Bor: 
bergegangenen Zußtapfen mit Blättern fehr gefchidt be- 
deden. Che fie zum Ausruben Halt machen, werden bie 
Shlaneften ald Spione audgefandt, um die Gegend ans: 
zufundfhaften und jedes Plänen, wo nur ein Feind 
verftedt liegen Tonnte, auszufpähen. uf diefe Weife 
fohleihen fie fih oft an die Wohnungen ihrer Feinde ber: 
an, und wenn die jungen, ftarfen Männer auf die Jagd 
ausgegangen find, falen fie über die Ihwaden Alten, über 
bie Weiber und Kinder ber und ermorden fie entweder, 
oder führen fie ald Gefangene mit fort. 
(Die Fortfegung Im nächiten Stüde, ) 
 
Chinefifche Uhren. 
Seit Sabrhunderten fchon bedient fih der Hof zu 
Peking mecanifher Uhren; aber die Nation hat noch ims 
mer ihre Feuer: und Wafferubren. Diejenigen 
Stundenzeiger, welde durh Waffer die Zeit unrichtig ge: 
nug anzeigen, find unfern großen Stundenglafern einiger 
maßen abulih. Die Feueruhren find mit wohlriechenber 
Afhe gemaht und haben einige Webhnlichkeit mit Lunten. 
Die öffentlihe Uhr in China und in Siam ift fo einge: 
ristet: € wird ein Glas mit Waffer angefüllt und cin 
£upfernes Beden, deffen Boden mit einer Heinen Def: 
‚nung verfehen ift, auf dad Wafler gefept. Durch biele 
Deffnung dringt das Wafler allmalig in’s Beden und fült 
es in einer beftiimmten Zeit fo weit an, bis ed zu Boden 
finft. If dieß gefchehen, fo wird von Einem, ber be: 
fonders des Trachts auf diefe Erfcheinung Achtung geben 
muß, die Stunde ausgerufen, dad Beden vom Boden 
bes Gefäßes heranfgeholt, andgeleert und von Neuem 
aufgefeht. 99 
Aufldfung bes KRaäarhfels im zı. Stüd. 
Die vier Hauptwinde,
	        

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