Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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ihnen,’ gab er zur Antwort, „Kleine Holzfpähne in den 
geib, ftedte diefe dann an und ließ ihn daran langfam 
braten. Darauf wurde diefe Marter auch an ihm voll: 
zogen; aber er lachte darüber und brachte feine Peiniger 
in fhäumende Wuth, ale er ihnen erzählte, wie feige 
und saghaft fih ihr elender Kamerad betragen babe und 
wie herzhaft und männlich er dagegen ihre Kinderfpiele 
ertrage. — Die Weiber vergeffen bei diefen Zeften ihre 
menfhlihe und weiblihe Natur fo ganz, daß fie dabei, 
wo möglih, noch ihre Männer übertreffen und Wefen 
gleihen , wogegen die Furien der Griechen Grazien find, 
Sind fie die Befiegten, fo ertragen fie auch ihr fchanerli: 
dee Schidial, trok ihren Männere, mit der größten 
Kaltblütigkeit.’‘ 
Die Race eines Amerikanerd ift fohredlih und un: 
vertilgbar. Keine Länge der Zeit Kann fie bampfen. Kei- 
ne Entfernung des Drtes ift groß genug, um den gehaf: 
ten Gegenftand vor feiner Wuth zu [hügen. Er erflimmt 
die fteilften Zelfen, Erieht durch dide, verwachfene Wal: 
der, durchzieht Wüften, bundert Meilen lang, trägt bie 
Härte der Jahreszeit, erduldet Hunger und Durft, wenn 
er nur hoffen darf, feinen Feind zu finden, ber dann 
enh, wenn er ihn in feiner Macht hat, ein traurige 
Eclachtopfer fchredliner Rache wird. — Mber eben fo 
unvertilgbar,, wie fein Haß, tft auch feine Liebe. Hat er 
Semandem feine Freundfchaft zugefhworen, fo tft er ihm 
auh bis zum Lode unverbranlih tren und opfert mit 
Steudben Gut und Blut für ihn. Wehe dem, der feinen 
Treund verlegt! Unter einer Treibe herricht jederzeit 
eine volllommene SGemeinfhaft der Güter, Set Einer 
nicht glücklich auf der agb geweien; bat er eine fchlechte 
Ernte gehabt; ift feine Härte im Winter abgebrannt, fo 
wird ihm das Alles von feinen Landsleuten binlänglich 
erfeßt. Keiner leidet unter ihnen allein. Jeder theilt 
mit feinem Nachbar feinen Bram, fuht befien Kummer 
nad allen Kräften zu mildern und theilt mit ihm, was 
er nur bat, Kommt ein Fremder in ihre Hütte, fo neh: 
men fie ibn auf's freunblidhfte auf, geben ihm die heiten 
Epeifen und forgen dafür, daß ihm nicht das geringfte 
Leid gelhehe. — Welh eine fonderbare Vereinigung von 
Barbarei und Wohlwollen, von Ha und Sreundichaft ! 
Ale adır bis zehn Tahre feiert jede Treibe ein Tod: 
tenfeft. 3u diefem Fefte werden alle Leichen, bie in die- 
fem Zeitraume brerdiyt find, ans der Gruft geholt und 
follten fie an virle Tarereifen weit beerdigt liegen, Sebe 
damılie nimmt die Sprigen in ihre Hätte und unterdeß 
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die Weiber die modernden Leichname von den Würmern 
reinigen, erzäblen fie mit wehmäthigen Worten und Ge- 
berden den zum Fefte eingeladenen Fremden bie Thaten 
der Verftorbenen unt alles Merkwürdige, was zwilcen 
ihnen vorgegangen ift. Die Alten graben alebann in der 
Nahe des Dorfes eine große Gruft, wohin der Vater den 
Sohn, die Mutter die Tochter, der Mann bie Frau 
(oder im entgegengefenten Todesfalle umgelehrt), von 
den Freunden ber Familie begleitet, in andachtiger Stille 
trägt. — Weun fie an die Zodtengruft gefommen find, 
fo fteigen fie Ale hinunter und füllen fich ein leinenes 
Tuch mit Erbe, das fie ihr ganzes Leben hindurdh mit 
frommer Ehrfurht bewahren. un werden die Leichen 
oder vielmehr noch nicht ganz verwefeten Gebeine des gan: 
zen Stammes in wohlgeordneten Reihen in die Gruft ge- 
fest. Bisher herrfhte eine feierlihe Stille, aber nun 
breden fie in fanfte, wehmüthige Klagen aus und ver: 
fallen in die tieffte Schwermuth. Was fie Liebes haben, 
und wovon fie glauben, daß es bem Tobten nur einige 
Sreube gewähren konnte, legen fie mit in die Gruft. 
Eelbfi die Fremden haben Gefchente für die Todten mit: 
gebradt, bie fie ebenfalld in die Gruft legen. Zulest 
werden fie mit neuen Pelgen bededt, über welhe man 
Baumrinde und uber diefe wieder Hol; und Erbe legt. 
Endlich rufen fie ihren Lieben noch ein Mal ihr lektes An: 
bewohl zu und fehren dann zu ihren Hütten zurüd. 
Shre Neligion ift Höhft unvolllommen und mit 
abergläubifchen Kindereien überladen. ie glauben einen 
guten und einen bufen Geift. Der gute Geift — Ares: 
ui — bilft ihnen ihre Feinde fhlagen, geht mit ihnen 
auf die Jagd, verfchafft ihnen gutes Wetter u. dgl.; der 
böfe Geift aber lebt ihren Feinden bei, verjagt ihnen dag 
Wild, maht fie Erant u, f. mw. Cie haben au ihre 
Wahrfager und Herenmeifter. Diefen erzählt der gute 
Seift im Schlafen, wie fie einem Kranken belfen und ihn 
wieder herftellen, ihren Zeind überfallen und ähnliche 
Dinge bewerfftelligen follen. Diefe Wundermänner fen: 
nen auch heilfame Kräuter und willen aus bielen einen 
fehr guten Balfam zu bereiten, der befonders bei Wun- 
den fehr wohlthätig tft, Bon ihren frübeften Vorfahren 
ber bat fi eine fehr alte Sage von ber Entfichung Ame- 
tita’d von Mund zu Mund fortgepflanzt, die mit der 
Shöpfungsgefhichte des Miofed einige Aehnlichkeit haben 
fol, — Sie glauben au die Unfterblichkeit ber Seelen. 
Die Geifter der Verfiorbenen, Tagen fie, fhweben nod 
Iange um das Orab des Körpers und freuen ih alles Def:
	        

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