Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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Reichsftädte unter dem Schuge Polens, weil die norbis 
{hen Seemädte, und befonders Rußland, fi ihrer ans 
nahmen. Zriebrih ber Große dehnte aber fein Gebiet 
bis an die Mauern Danzies aus und erflärte fh zum 
Herrn des Hafens, weil biefer auf feinem Gebiete läge. 
Das Klofter Dliva, hieß es, hat wol fünnen den Oebraud 
des linken Weihfelarmes an Danzig abtreten; aber die 
landesherrlibe Dberberrfchaft Eonnte es nicht vergeben. 
Nunmehr fing Danzig zu finfen au; denn alle freie Zu: 
gänge waren verfperrt, der Handel wurbe Durch brüden- 
de Abgaben im Hafen erfihwert und Elbingen, die Tönigs 
lihe Nachbarin Danzigs, fing an, fih zu heben. Wir: 
de Danzig niht im Jahre 1793 unter preußifhe Ober: 
gewalt gefommen feyn — e8 wäre von feiner Höhe in dag 
drücdendfle Elend verfunfen. Dod von dieferzeit an flieg 
es zu feinen vorigen Wohlftand zurud. 
(Der Befchluß folgt.‘ 
 
Der folge Pfi. 
Der gelehrtte Pfi zu Pefing hatte bie Meinung, dap 
unter allen, burd Wiffenfhaft berühmten, Männern in 
ganz China er — der vorzüglichie Tey. 
Er betrachtete die andern Menfen, »beionderg die 
Korfahren, als tief unter fih, actete die Undern für 
icts, ih — für Allee, 
„Wer in allen fonnebefgienenen Ländern gleidhet 
mir 2’ — fo redete er eines Tages den Tang:bi an, eis 
nen Eenntnifreihen, aber fehr befheidenen Greid, der 
ihn, feiner Meinung nah, nicht laut und bach genug 
gepriefen hatte. 
„Wer dir gleichet?' antwortete Tang-hi. „Diefes 
Kind hier!” und zugleich bob er- feinen Enkel, einen zar: 
ten Knaben, in die Höhe und flünte deilen Fuße auf fei- 
ne Scıuliern. 
„Selehrter PR! eben fo fichent du auf den Schul: 
tern der Vorfahren.‘ 
Dedeleben, Chr. Niemeyer, 
Prediger. 
 
Aus dem Finger faugen. 
Um die Vermuthung jebed möglichen Vetrnges bei 
einer Ausfage niedergufhlagen,, bedient man fi zumwei- 
len im gemeinen Spradhgebraudh der Nebendart: „Er 
oder ich kann’s Doch nicht aus bem Finger faugen!” b. 5. 
es ınuß doc wol an ber Sache wirffih Etwas feyn, fonft 
tönnte ich oder ein Underer.eg nicht wien. Aus dem Sin: 
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ger faugen heißt alfo fo viel, als: Etwas erdichten, 
MWahriheinlich Hat ein zufäßiger Umftand Gelegenheit zu 
biefer-bilblihen Nedensart gegeben. Manche Leute ba- 
ben die eben nicht Iöblihde Gewohnheit, bei ihren Arbet- 
ten bald. an der Feder, "bald am Finger zu fauen, wenn 
ihnen die Gedanfen nicht fo zufließen, wie fie wünfcen. 
Auch mande Kinder Iaffen fih die Unart, an ben Fingern 
zu Fauen oder zu faugen, zu Schulden fommen, wenn 
fie fih auf irgend einen IImftand nicht gleich befinnen Fön: 
nen, . Das Saugen hilft indeh zu Nichts, wenn ber Kopf 
Irer ift, oder wenn im Sopfe keine Gedankenvorräthe lie: 
gen. Wie aljo Keiner aus den Fingern Gedanken her: 
ausfaugen Fan, fo kann auch fhwerlih ein Menfch von 
einem Andern Etwas ausfagen, was der Befchuldigte 
weder gefagt noch gethan bat. Und bag will man mit ie: 
ner Nedensart andeuten. Kht, 
 
Auflöfung de8 räthfelhaften Bildes im 60. Stüd. 
. Mein Name ift Mai; man mag ihn nun von ber 
Göttin Maja oder von der Maieftät herleiten, welde die 
Matur, fo lange ich herrfhe, überal zeigt. Die Blu: 
men meiner Krone, bie Farbe .meined Gewandes und 
ber grüne Zweig deuten bin auf den verjüngten Schmud 
ber Natur. Das Seien ber Zwillinge war den Griechen 
Eaftor und Polur und follte die verdoppelte Kraft ber 
Sonne in diefem Monat anzeigen. Die Drientalen’ fegen 
fiatt Gaftor und Pollur zwei iunge Ziegen, weil biefes 
schier gewöhnlich vfter zwei, ald ein Junges wirft, Auh 
darin liegt eine Anfpielung auf die Fruchtbarkeit ber Er: 
de, mwelke den Einfluß ber, durch bie-gange Natnr ver: 
breiteten, Soanenwarme in diefem Monat von Neuem 
empfindet. Darauf deuten aud die übrigen, ben Gr: 
nins umgebenden, Epmbole hin. 
DAR 
 
Charade. 
Tod und Verderben verbreitet die Erfie, 
E8 gräbt fie der Bergmann im finfteren Schadt; 
Gefchleudert vom Feinde, zerreißt fie die Fäden 
Des Lebend mit furchtbar töttender Macht, 
Die Zwette zu finden, mußt du nach Meifen, 
Nach Wurzen, nach Zeiz und nach Merfeburg reifen: 
Und wiuft du, wie viele Reilende pflegen, 
Was Schönes du findek, vor Augen ung legen, 
So Ffannit du, wie did Erfahrung wird Ichren, 
Dazu wol dad Sanye nicht füglich enibehren. 
©G,..t.
	        

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