Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

 
 
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25+ Sun 1808, 
 
 
 
Der Landmann und feine Söhne. 
Eine YVarabel, 
Ta einer fruchtbaren Gegend wohnte ein verftändiger 
tandmann. Er war mohlhabend durdy feinen Fleiß, geehrt 
durdy feine Cinfiyten und geliebt durch feinen frommen 
Sinn, Er hatte zwei Söhne. Georg, der dltefte, war 
ein gefchldter und fleißiger Arbeiter. Sein Körper war 
ftart und abgehärtet von Kindheit an und es trieb ihn 
feine Kraft zur Arbeit fhon im Knabenalter. Er dachte 
gern nach über fein Vieh und feine Aeder; aber von den 
Zeitungen mochte er Nichts wilfen. Der jüngfie Sohn 
bieß Auguft. Er war zart gebaut in feiner Kindheit und 
fein Ihwaher Körper bebte vor der Arbeit de6 Landman: 
ned zurüd, ls Knabe faß er am Jiebiten auf Hügeln, 
wo Banme fih traulich gufammendrängten, und mit der 
Quelle am $elfenabhange lebte er in finnreiher Verbin: 
dung; denn er lag an ihr Stunden lang und verfolgte 
mit feinem Blide den zerftdubenden Waflerftrahl und bie 
Weihen, bie fih unten im Berfen erzengten; er fabe 
die blauen Blämen fi fpiegeln und die bunten Wafler: 
nympben am Ufer umberihmwirren. Da erwacte in ihm 
ein buntles Gefühl; und es füllte fih unnennbar die 
ruft, als die Nabrigal fhing und als er einen Schmet: 
terling aus feiner Merlaroung vorn brechen fahe. Der 
Knabe Eonnte fi nicht logreißen von der Natur und er 
verfäumte faft immer bie Schule, in ber er nichts mehr 
Iernen konnte von dem fenntnifarmen Meifter. 
Da verahteten den Knaben die SLandleute und 
nannten ibn den Faulen und ben Träumer, Dod fein 
Vater veractete ihn nicht und fahe wohl, baf in dem 
Knaben mehr läse, als der Beruf, die Erbe zu burdy» 
wühlen und Samen jum Brote auszuftreuen, „Es wirb 
die Zeit fommen,’ Iprach der Water, „daß der Knabe 
auch Sarnen audftreuet und den Boden zubereitet. Uber 
der Hoden wird in dem Herzen liegen und der Same 
wird dag göttlihe Wort fepn !” 
Und der verftändige Vater ging zu dem Prediger 
und trug ibm feinen Wunfch vor, daß der AKuabe unter: 
tihtet werben möge in dem böhern Wilfen ber Menichen. 
„Srift nicht für unfere Arbeit!” fprach er. „Gott bat 
{bon feinen Körper anders geflaltet und draußen an ber 
Quelle redet Gott felbft mit ihm,” 
Und ber Prediger fprah: „Wie meinet ihr dag?’ 
Da erwiederte der verfiändige Vater: „Gott Ipricht 
ja zu und dur das Würmchen, bad zu unfern Füßen 
frümmt, aber wir hören nicht Immer bie Stimme; denn 
unfer Sinn ift niedergedrüdt durch die fhmere Arbeit und 
bad Auge hangt au bem Erbboben, den die Pilugihar 
aufreißt. Wir dürfen dem Würmlein nit nachfehen, 
fonft gehet der adernde Banl ohne Lenkung. — Do 
meinem Knaben ift ein anderer Sinn anfgefhloffen. Er 
verachtet die fehwere Arbeit und weint, wenn er Hulfe 
leiften fol in der Wirtbfbaft. Aber unterhalten fann er 
mich von allen Srafern ber Wiefe und von den bunten 
Echmetterlingen und von den Bäumen, anf welden die 
tachtigallen fingen, Neulich iprad ber Knabe zu mir: 
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