Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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Bier Salz, in Seftalt ungeheuerer Salzflöge bingefhichtet 
bat, das zeichnet Wielieczfa nicht aus. Wir willen jeßt, 
daß durch die große Kette der Karpathen diefe Salzflöge 
fi mehr ale hundert Meilen weit verbreiten und daß an 
mehrern Orten fhon ahnlihe Salzwerke angelegt worden 
find *). Sept zur Belchreibung meiner Reife. 
Es war gerade heute (den 2 7ften Zuni) vor einem 
Sabre, als ih von Krakau nach Wielieczfa fuhr. Mein - 
Zögling, ein Prinz von fünf und einem halben Jahre, 
war bei mir und mein Freund, der Kriegsrath Herf, be: 
gleitete mid. Der Weg von Sralau bis Wielteczka wird 
zwei Meilen gerechnet; ich fuhr einige Minuten über ei: 
ne Etunde. Man fährt am Fuße der Karpathen dur 
lahende Gegenden und hat das Weicwfeltbal links, wel: 
ches die reizenditen Ausfihten gewährt. Schon unterwegs 
begegneten und Zubrleute, welhe bearbeitete Salsfteine 
nah Krakau fuhren. Hätte ih nicht dergleichen fehon in 
Krakau gefeben, ih würde nicht gewähnt haben, baß 
diefe walzenfütmig bearbeiteten weißgrauen Maffen als, 
gediegenes Salz entbielten. Eher hätte ih fie für Gra: 
nit gehalten. Auf iedem Stüde war das Gentnergewidt 
eingehauen zu fehen, Es ifk alfo fhom nicht wahr, daß 
diefe malzenformigen, gegen die Enden etwas im Bogen 
gearbeiteten Saljftäde zerpodhs werden, fo wie fie an dag 
Tageslicht gefommen find; man verfaifft fie vielmehr in 
diefer bequemen Geftalt und brimgt fie fo bie an ben Dıt 
ihrer Beftimmung. 
Mielieczka felbft liegt am Fuße der Karpathen, wo 
fie fi fanft in das Meichlelthal verfiähen. Das Etadt: 
hen hat ganz das Anfehen jedes Bergfledens; Heine, 
reinlihe, meijtentheild aus Fachwerk gebauete Häufer 
mit Schinbeldäahern. .Seder Eigentbümer hat fih den 
Bauplak nad feiner Bequemlichkeit gewählt, um einen 
Sarten und einen Grasplap am Haufe zu haben. Daher 
ift Feine Negelmäßigfeit und Fein genauer Sufammenhang 
der Straßen entjianden. Gegen den Schloßplag zu rei: 
ben fih Häaufer der Handwerker naher an einander, Das 
alte Schloß war unter der polnifchen Regierung eine Sta- 
toftei; ijeßt wird ed von mehrern Bergbeamten bemohnt, 
Wir fuhren zu dem Scıhloffe, um dem Herrn Oberberg: 
zath von Eeeling unfere Aufwartung gu machen. Er 
empfing und auf bad gütigfte und liebreichite und ließ den 
Dberanitsafleflor und Maikfcpeider, Herrn Friedbaber von 
*, 3.2. zu Bochnia, vier Metien von Bielleczfa, wo dag 
Salz auf die namliche Art, nur in einer größern Tiefe, 
gewonnen wird. 
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Srubenthal, bitten, und in bie Salzwerfe zu führen. 
Sch dußerte gegen ihn, daß ich mit den gefpannteften Er: 
wartungen bieber gefommen wäre, und er erwiederte, 
daß ic getäufcht werden würde, wenn ich mancher Fabel, 
welche Neifende ber Welt über Wielieczka mitgetheilt hät- 
ten, Glauben beimäße. Eein Freund, der verftorbene 
Zölfner, hätte am wahreiten erzählt und zugleich wichtige 
Angaben geliefert, weil er fie von ihm felbft empfangen 
hätte. Auch hatte der Herr von Seeling Zölnere Briefe 
aufgefhlagen dort liegen. Sm Zinmer biengen mehrere 
Zeichnungen von dem Innern der Salzwerfe unter Glas; 
allein der Herr Oberbergrath verwarf fie ald unrichtig, 
Eie waren unter der Folnifchen Negierung noch gefertiget 
worden. Sch Fonnte mir auch nad diefen Zeichnungen 
feine Norftielltung vom Bergiwerfe machen. 
Der Herr Dberamtsafleffor Friedhaber von Gry: 
benthal erfhien bald. E8 war ein äußerft gefälliger Mann. 
Eo einen Führer zu Haben, ift auf der einen Seite fehr 
erwünfht, weil er eine Ueberfiht bes Ganzen bat, am 
zwedmäßigften führt und die beften Aufihläffe geben 
fanın, wenn er Darf. Auf der andern Seite muß 
man aber mehr auf feiner Hut fepn, um nicht durch zu 
viel Fragen die VBefcheidenheit zu verlegen. Bei einem 
Sührer, dem ic eine Crfenntlichfeit anbieten darf, Fann 
ih mid über diefe Befceidenheit hinwegfegen. 
Wir traten unfern Weg dur) den Eclofhof zum 
Hauptihadte an. Der Weg 303 fih fanft eine Anhöhe 
binan und betrug faum 400 Sıritt. Wir gelangten an 
ein ausgebehntes, leicht aus Holz aufgeführtes Gebäude; 
es war ein Salzmagazin. In der Mitte deffelben befin: 
det fih der Hauptihadt Danielowice. Der junge 
Zefer ftelle fih eine vieredige, weite Deffnung in bie Er: 
de, wie einen Brunnen vor, welde beinahe fünf Ellen 
breit und fat fehs Ellen lang if. Die Seiten waren 
mit Bauholz ansgezimmert,. Uber dem Echacte befand 
fib eine Welle, auf welde ein ftarfed Tau, ftärker, ald 
ein Manndarm, aufgewunden war, Diele Welle verlän: 
gerte fih weit über den Schacht binter in den Hinter: 
grund des Gebäudes, Hier war fie durdy Nädermwerk ver: 
bunden, welches zulegt mit einem liegenden Nade von 
ungeheurem Umfange endete. Zwei Pferde ferten bdiefe 
Mafchine in Bewegung und darum wird fie ein Pferde: 
göpel genannt. Durdy dieies Nädırwert wird bewirkt, 
daß fih die Welle bei’tm Hinunterlaffen nicht freiwillig 
umdrebt; denn fonft Eonnte das größefte Unglüd entite 
ben. Es kann aber der Sal fepn, daß irgend Etwas an
	        

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