Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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E8 war am 26jten September, ale meine Ael: 
tern, in Begleitung einer Verwandtin, mit mir die Nieife 
antraten. Wir wollten an diefem Tage eine Strede von 
achtzehn Poftiiunden zurüdlegen und in Würzburg über: 
nadhten; aber kaum hatten wir ein Drittel der Poftftation 
zurücdgelegt, als plöplih an unferm Wagen, feiner Neu: 
beit und anfheinender Dauer ungeachtet, die hintere ei- 
ferne Achfe brad. Da lag die ganze reifende Familie mit 
ihren Planen für diefen Tag. Zum Glüde nahm Nies 
mand Schaden. Da wir von unferm Wohnotte noch nicht 
weit entfernt waren, fo hielt es nicht Ihwer, einen an- 
bern Neifemagen herzufhaffen, umzupsden und noch an 
tiefem Zage die Reife weiter fortzufegen. Erfi den fol- 
genden Tag gegen Mittag erreichten wir Würzburg, mo 
wir und nicht lange aufhielten. Den 29jten Famen wir 
nach Alhaffenburg. In diefer Etadt hielten fi fonft ei: 
nige Sommermonate bindur& die ehemaligen Kurfürften 
von Mainz auf; jept ift fie die Nefidenzftadt des Furften 
Primas. Sie bat dadurh an Einwohnern, Verihöne- 
tung, Gewerbe und manden Anftelten merklih gemons 
nen. hre Lage am Main bat viel Neizendes; Die Ans 
lage, das Thal, gewährt den Einwohnern Bequemlid: 
feit und Vergnügen. Die Nähe und das Ecattenreihe 
diefer Anlage erhöhet und vermannichfaltiget, befonders 
bei fehr fhwiier Eommerdige, bie Unnehmligfeit für 
den Luftwanbler. Sp viel die Kürze unferes Aufenthalte 
erlaubte, genoffen wir diefe Gegend. 
Bon Ulchaffendurg nah Frankfurt führen zwei We: 
ge; ber eine über Seligenfiadt, der andere über Dettin- 
gen und Hanau. Wir fchlugen den leptern ein, der Tlei- 
nen Umreife ungeachtet, weil jener durch häufigen Negen 
und fapmweres Zuhbrewerk fehr verborben war. Mittag 
waren wir in Hanau, Die Seftungswerke, welde in dem 
legten Kriege deu Einwohnern und der Gegend vieled Un: 
semach suzogen, fah ich zum Theil fon gefcleift. on 
Hanau führt ein fehr gut angelegter Weg nah Frankfurt, 
Srankfurt ift eine fehr bevölterte Etadt; bie Zahl ber 
Einwohner wird auf 30,000 angegeben. Zu den vor 
züglichften Merkwürdigkeiten rechnet man die Domfirde 
mit vielen fehenswürdigen Gemälden, die zwei reformir- 
ten Kirchen, dad Nathhaus oder den Römer, die Börfe 
Mutbe fortzungehen und fo immer mehr die Sreude feiner 
Aeltern zu werden. Gn Dieter Vorausfegung tragen wir 
fein Bedenken, die eingerandte Arbeit eines ungenannten 
dreijehnighrigen Kerers Ddiefer Blätter mit einigen Abfürs 
zungen und bie und da nothig fcheinenden Eleinen Beräns 
derungen aufzunehmen. 
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(Brannfeld), ein ganz von Steinen mafjiv aufgeführtes 
Gebäude, in weldem fih von Zeit zu Seit die Handels: 
leute verfammeln, um ihre Handelsaugelegenheiten zu 
erdnen. Während der Meile befinden fi darin mehrere, 
mit reihen Maaren gefüllte, Buben. Die Gefdäfte, 
welche hier gemadt werden, find wichtige. — Srankfurt 
enthält Vieles, was bei ber, mehrere Jahrhunderte be: 
ftandenen und vor Kurzem aufgelöften, deutfhen Reiche: 
verfaffung fehr intereffant war und jet noch gefchichtlich 
merkwürdig ff. Die Mainbrüde, welde nah Sadfens 
haufen führt, ift wegen ihrer Feftigkeit und Länge bemer: 
Tcuswerth,. Man genießt auf derfelben, da fie eine große 
Etrede ded Mains auf: und abwärte beberrfcht, eine 
herrliche Audfit, Erft feit Kurzem wurden an der Brüde 
mzhrete prächtige Gebäude aufgeführt. Weberhaupt hut 
Stanffurt, im Innern fowol, als in feinem nahen Be: 
sirfe, merklich gewonnen; au die bereits angefangene 
Scleifung der Feftungewerke trägt zur Verfbönerung Vie: 
le bei. Unter den fehbenswärdigen Privatgebäuden ver: 
dient das deutihe Haus an der Brüde in der Morjtadt 
Eahfenhaufen, der Echweizerifhe und andere Palsite, 
der englifhe Hof, ein Bafthaus, u.a. m. Erwähnung. 
Diefe Gebäude verkünden den Neihtbum und den Ge: 
fhmad der Erbauer. Schenswerth ift der Numpfilhe 
nene Bau am Roßmarlte. In diefem befinden fih drei 
Inftitute. Das untere Stodwerk enthält eine Kefegefell- 
haft (museum), Das zweite dad Eafino, bei weldem ih 
ebenfalls ein fehr gut georonetes Lefekabinet befindet; im 
dritten Stodwerfe hält eine andere Gefellihaft ibre Ber: 
fammlungen. Die Einrigtung im Gafino zeugt von vie: 
lem Sefamade. Geber gebildete Fremde wird da leicht 
eingeführt und gut aufgenommen. An Gemälden, Nas 
furalien: und Kunftfammlungen ift in Frankfurt wahrer 
Keihthum, Mein Aufenthalt dafelbft war zu Eurz und 
meine Kenntniffe find no zu befchränkt, als dab ih es 
wagen bürfte, hierüber eine Beichreibung am Hefern. — 
An Beluftigungsplägen fehlt ed bier ebenfalls nicht. Das 
Borfihaus, Podenheim, Bornheim, Offenbad ıc. find 
Orte, wonin täglin Partieen gemacht werden. Ich ge 
noß dad Vergnügen, an verfhiedenen Tagen in Gefell- 
fhaft meiner Qeltern, einiger Anverwandten und FSteun- 
de dahin zu. fahren. -Offenbag ift ein fehr niedlicheg 
Städthen. Berriebfamkeit und Induftrie haben da ihren 
Eis und fa alenthalben fird Die Spuren des W. hiitane 
bes fihtbar, Mehrere reihe Frankfurter Hdufer befipen 
biet Fabriken Bder andere anfehnlige Gebäude, &o hat
	        

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