Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

und mwürdige MWeife, dap alle Umftehenden nit menig 
gerührt wurden, 
Der Vrediger und Echullchrer ermiederten Erhards 
Anrede mit Herzlichfeit. Was fie bisher gethan hätten, 
forahen fie, wäre ihre Pit gewefen, bie fie au in 
Snkunft mit aller Gewifferhaftigfeit erfüden würden. € 
freue fie übrigend ungemein, daß Die Gemeine ihren gti= 
ten Willen anerfenne. Wuch dankten fie dafür, daB man 
fie, durch Grhihung ihres Gehaltes, vor drüdenden Kal: 
rungsforgen Tchügen und dadurd in den Etand feken 
wole, ihre Pichten mit um fo größerer Heiterkeit der 
Eeele zu erfüllen. — Die anweienden Gemeineglieder 
drüdten Beiden trenberzig die Hände und mwünfcten ih: 
nen alles Gute. D welch eine Freude und welh ein Slüd 
ift es, wenn zwifchen einer Gemeine und ihren Kehrern 
ein folhes Verbältuiß ber gegenfeitigen Liebe und Danf: 
barkeit Statt findet! Da ift es für den Neligiond- und 
Ssugendlehrer eine Freude, zu wirken; da gedeihet der 
Same ded Buten, ben fie augflreuen, und dag Edle, das 
fie zu begründen und zu befördern fuchen. 
Die frobe Schuljiugend überließ fih nun ganz der 
Unterhaltung und der Freude. Man fpielte, man tanzte, 
man erzählte einander, man lad aus einem unterhalten: 
ben Buche-wor, man führte Krieg, eroberte Feftungen 
und hielt Ktiegsgeriht über Deferteurg und bie Komman: 
danten der Feftungen, die fih, wie ed hieß, nit wie 
Männer von Ehre vertheidigt hatten. 
Zur Mittagsftunde erfhoflen die Trompeten. Das 
war das Zeichen, daß die Anwefenden fid 3u einem fro- 
ben Saftmahle verfammeln follten. Es wurde an fehs 
sangen Tifchen gegeffen. Jedes Echnifind befam auch ein 
Glächen Wein, Ed wurden Sefundheiten getrunfen und 
jebe derfelben von dem Schale ber Trompeten und bem 
Getöne der Panfen begleitet. Das gab befonders für bie 
Heinen Gäfte ein herrliches Spektakel. 
Ehen fo froh wurde auch der Nachmittag zugebract. 
Mehrere Echäierinnen Famen auf den Cinfall, den ge: 
liebten Lehrer zu befrängen. Die übrigen Kinder fiimm: 
ten frohlodend mit ein. Man zerftreute fih nun in dem 
Wäldhet und fuhte Maiblumen und andere Blümgen, 
fo viel man deren finden Fonnte. Mit aller Schnel: 
figfeit wurden nun GSträußer und Stränge gewunden, 
Als man damit fertig war, 3Z0g man in feierlider 
Progeffion nah dem Zelte, wo fih eben der Lehrer 
befand. Die Mädchen befränzten ihn; Die Sinaben 
reichten ihm. Blumenfträuße und eine von den erftern 
74€ 
fagte ihm dabei einige Worte des Dante und ber 
Liebe, 
Eo verfhmwand diefer Tag unter den feoheften Ge: 
nüffen und angenehmften Unterhaltungen. Herr Erhard 
hatte anf feine Koften das Gajtımapl veranftaltet und fich 
auch dadurd ale ein wahrer Schul: und Kinderfreund be- 
wiefen. Che man nad der Stadt zurüdzog, mahte Herr 
Erhard der ingend und ihrem braven Lehrer noch eine große 
Steude, Er erklärte nämlih, daß er der Schule zu ei- 
nem Baumgarten einen beflimmten led, den er vor 
Kurzem gekauft hatte, als Eigenthum überlaffe und da- 
für nichts mehr verlange, als daß die Schüler und Schu: 
Ierinnen immer recht fleißig feyen. 
Darüber entftand ein lautes Srohloden und Here 
Erhard erhielt für fein fhones Gefchent den wärmften, auf: 
tihtigften Dank. Aber noch waren die Wohlthaten, die er 
der Zugend feiner DBaterfiadbt erwies, niht am Ende, 
Ehe der Zug na Haufe angetreten wurde, ließ er no 
einen Pad Bücher herbeibringen und vertheilte diefe uns 
ter die Kinder, die fi vor Trende darüber nicht zu Taf: 
fen mußten, Sie priefen ihren Wohlthäter aut und tru: 
gen ihn faft auf den Händen. 
Sept rübhrte der Tambour die Trommel, Der Fahe 
nenjunfer ftefte fih mit der Fahne, die man mit Blus 
menfränzen bebängt hatte, an die Spige des Zuges und 
nun ging der Marfh nah der Etadt,. Hier wurde nun 
mebrere Wochen lang von diefem feönen Krühlingsfefte 
geiprohen. Allgemein lobte man Herın Erhard Wohl 
thätigfeit gegen die Schule und Viele liefen fih durd 
fein Beifpiel bewegen, auch Etwas für diefe nügliche Un: 
alt zu thum. 
Noch in diefem Sabre: wurde der Anfang gemadt, 
den VPlap zu berflanzen, den Herr Erhard der Schule ges 
fchenft hatte. Da er groß war, fo theilte man ihn in 
zwei Abtheilungen;. die eine beflimmte man zu einem 
Baumgarten, die andere zu einem Blumen: und Gemi: 
fegarten. Seder Schüler und jede Echälerin befam in 
bemfelbentin Beet, das Jedes beiden konnte, womit cd 
wollte. Die meiften Mädchen zogen auf ihren DBeeten 
Binmen, die Knaben Gurken, Kreffe, -Kürbiffe, Melo: 
nen u. dgl.m. Wenn bie Kinder ein Paar Stunden lang 
im Schulzimmer gefeffen und fleißig gelernt hatten, fo 
ging der Lehrer bisweilen mit ihnen in den Garten, 10 
man nahfah, wie Alles auf den Beeten fiebe. In ben 
Steiftunden wurde zuweilen im Gatten gegraben, ge 
pflanzt, gefdet, gedrntet.. Die. Mädchen machten fid ein
	        

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