Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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inwillend, bed Vorwurfd auf-feinen Herten, wandte fi, 
och mehr von Schmerz‘, als«von Tacheglühenber Cmpfins 
dung burhdrungen, ylöglih feitwärts, verließ noch im 
berfelben Nacht mit feinem Treuen Odkar das Vaterland 
und ging unter ein englifhed Regiment. — Diefes ges 
{hab im Sahre 1744, bei’m Ausbrude des Krieges 
zwifchen Frankreich und England, eines Krieges, welcher 
befonders durch die Theilnahme mehrerer eblen, im nörds 
lichen Schottlande mädtigen- Familien an demielben, fehr 
merkwürdig geworden Il... 
Auch Handy’s verher genannter Lehnsherr, Ber 
Cord Hafton, Ichlug fih auf die Seite Derer, welche fi 
gegen den damals regierenden König Georg auflehnten, 
und wurde, wie alle übrigen Theilnehmer, durd bie vers 
Iorne Schlaht bei Eulloden, unglädiid. Er mußte 
in den unwegfamen Gebirgen des Hodlandes feine Zuftucht 
fuchen. 
Da er aller Wege und Stege vollfommen Tundig 
war, fo fonnte er fich lange Zeit verborgen halten, Am 
Tage war er unfihtbar und wagte nur des Nachts fi 
hervor, um bei einigen vertrauten Zandleuten den nöthigs 
ften Unterhalt zu fuchen. 
Melk eine fchredliche Lage, morin fi ber arme 
Slüchtling befand! — 
Wenn er fih zuweilen an den Nand ber Wälder, 
der unerfteiglichen Selfen wagte, hörte er Durch Das dums 
pfe NRaufhen der Fichten die entfernten Stimmen ber 
englifden Soldaten, welche bei ihren blutgierigen Nadı- 
fuhungen einander anriefen und antworteten. Er hörte 
den Donner ihrer Gewehre, der von Höhle zu Höhle 
tolfte. Er fah die Flammen, weldhe die Wohnungen fei= 
ner ungläadlihen Lehnsleute verzehrten; er fah dag graus 
fenvofle Wieberleuchten im Eee, unten am Suße ber Sel- 
fen. — Dann, von Schaam und Unwillen Bingeriflen, 
wollte er fih zuweilen mitten unter die Feinde fturzen, 
um dag Ende fo vieler Leiden zu finden; aber bald, von 
der natürlichen Luft bes Lebens befiegt, trat er doc wies 
der in das Didigt des Bergwaldes zurüd, als ob diefed 
Selfengeflippe eine mnerftetglihe Wormauer gegen den Tod 
geivefen wäre, 
Eines Tages war es ihm, ald Fäme das Getöfe nd: 
ber, wie gewöhnlih, an ihn heran. Die nachfpürenden 
Eoldaten waren der Höhle, worin er fi verborgen hatte, 
fhon fo nabe gefommen, daß er alle ihre Worte hören 
fonnte. Nachdem er fo einige Zeit in der fhredlichften 
Angft, in einer peinigenben Ungemwifheit über fein Schid- 
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fal gefhwebt hatte, hörte er die Stimmen fich wieder 
entfernen und enblih am Rande des Gehölzes gänzlich 
verhallen nnd verfhwinden, Er fprang fqnell auf und eil- 
te au den Ausgang ber Höhle, 
Das Erfte, was feinen Augen erfhien, war ein 
großer Hund, der fogleich laut anfing zu bellen, als woll- 
te er die Entdedung bed Flüchtlinge ankündigen. Der 
Lord erkannte in biefem Hunde ben Oskar feines ext: 
wichenen Albert Handy. „Göttlide Gerechtigkeit! 
tief er aus und erwartete gefaßt feine Strafe, die, wie 
er glaubte, nun fogleich nachfolgen werde. 
„Halt! rief eine donnernde Stimme. Ein Sol: 
dat, das gefpannte Piftol in der Fauft, brach burch das 
Gebüfch hervor. — Diefer Soldat war Albert Handy, 
Ehasm und Verwirrung bemäcdtigten fi bee 
Lords, Ohne Bewegung blieb er ftehen. 
„Mein Herr! mein theurer Herr!’ rief Albert 
ang, voll Furcht und Erflaunen und warf fi vor Hafton 
nieder. 
Diefer war inbeffen wieder zu fih gefommen. „Du 
bift gerächt, Albert!" fagte er gelaffen. „Sch bin beim 
Gefangener.’ 
„Gerät ?” rief Albert mit Heftigfeit. „Ah! Sie 
thun mir Unrecht. Sie richten übereilt. Sein Glüud hab’ 
ich gehabt feit jenem Unglüdetage, wo ih meinen thenern 
Herrn verließ; aber Gott hat mir, hoffe ih, dad 2eben 
big hieher bloß deshalb gefriftet, damit ich jest meinen 
lieben, thenern Herrn reiten follte. — Der Trupp, wozu 
ich gehöre, ift vorübergezogen. Wir find für den gegen- 
mwärtigen Angenblic fiher. Ich durchftrich noch hinter den 
Andern ber diefe Gehölze und diefe Zelfen, einft in glüd: 
lihern Tagen unferer Wonne,. Aber, mein theurer Herr, 
wir dürfen jest Teinen zweiten Angenblid verlieren. Sm 
wenigen Stunden ift diefer ganze Wald ein Raub ber 
Slammen. Sieben Sie meine Kleider an; nur auf diefe 
eife werden Sie entfommen. Wir haben Nachricht, daß 
eine Echaar Ihrer Freunde fih an der Weftküfte aufhält. 
Foigen Ste dem Waldbahe, überfteigen Sie dann ben 
Nand des Sebirges und Sie werden, ohne große Gefahr 
zu laufen, zu Ihren Freunden ftoßen und fi in das Aue- 
land retten Tonnen,” 
Der Lord ftellte dem treuen Albert vor, daß er 
ja fich felbft der Todesgefahr ausfene, wenn man erfüh: 
te, daß er einem Flüchtlinge durchgebolfen habe, Uber 
Albert befhwor ihn, jet an nichts zu denken, ald an 
feine eigene Rettung.
	        

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