Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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nad der nethwendigen Strenge des Gefehed, bes Todes 
fhuldig gemaht. Der befonnene, ein Menfchenleben 
achtende, Prozeßgang unferer Regierung hatte den Iln- 
giäclichen Aber ein Jahr lang Zeit gelaffen., zurüdzuden: 
fen an ihren Frevel und vorwärts zu fehen auf die dunfle 
Pforte des Todes, an die fie das Verbrechen hingeriffen 
hatte. Das Kriegsgericht hatte über ale Drei das ge: 
rechte Todesurtheil auggefprochen; aber der milde König 
— Bott fegne und erhalte den guten Zürften! — hatte 
nur die Hinrichtung des Einen beftätigt ; alle Drei follten 
um das theure Gefhent des Lebens würfeln. Der 
Todestag brah an *). Die Unglüdlihen wankten, bes 
gleitet von dem braven Garnifonprediger Sakobi und dem 
Bauprediger, zum Todesplaße. Zahllofes Bolt, theils 
bewegt, tbeils mit roher Neugierde, eilte mit hinaus. 
Die Ne’ .gierde trieb ihr gewöhnlihes Spiel; fie ftürzt 
fi gierig dem ungewöhnlichen Ecaufpiele zu, unbes 
fümmert, welder Art e8 fey, und gebt Inftig davon, 
erfreut darüber, daß ed wieder einen neuen Begenftand 
für eine froftige Unterhaltung hat. Ein banglihes Ges 
fühl übermwältigte mich, ale ih, wenig Schritte hinter 
den bangen, bedauernswurdigen Opfern ihrer Leiden- 
fhaft, der ungeheuern Menge nadfolgte. Der Pla war 
erreicht; das Militair fhloß eim offenes Diered; dem 
Verbredbern ward dag Todegurtheil vorgelefen und ihe 
nen das fürdhterlibe Spiel angefündigt. Die Troms: 
mel ward, nad Kriegsfitte, bingefeßt, der verbängs 
n:gvolle Würfel lag darauf. Da ftanden die Unglüd:- 
lichen, maädtig ergriffen von den Screden bed Xo> 
de8, der an einem Epiel bieng; Keiner wagte, Pas 
furchtbare Epielwerk zu faffen und den entfheibenden 
Wurf zu tbun. 
Hicher möchte ich dich führen, junger Menfb, an 
den Endpunkt, wohin die Leidenfchaft führt, wenn du 
die nicht felbft gebieten, dich felbit befämpfen lernft und 
Imen willt! Sicher möchte ih di führen, junger 
Epieler, zum gräßlihen Spiele, wo um ein Menfchen> 
leben gefpielt ward! Hüte dich ‚ daß du nicht dein Leben 
aufs Epiel fepeft! — 
Boll banger Furcht zögerten noch die Unglädlichen ; 
der Auditeur ermahnte fie, nit einem, im Sögerungs- 
oder Weigerungsfalle dazu beauftragten, Unterofficier ihr 
Leben in die Kände zu geben, und der brave Sakobi 
Tprad) ihnen mit Erdftigem Tone die fhönen Worte eines 
alten Liedea zu: 
Der 29fte Zul, 
814 
iinveryagt und oßne Grauer 
©ot ein Chrift,- 
Wo: ec ifl, 
Stets fih laffen fehauen: 
MWoyı’ ihn au der Tod aufreidben,: 
Shit der Mut - 
Dennoh gui 
Und fein. itle bieiben.. 
Eo ergriff denn Einer ben Würfel und warf.drei. 
Wie ein Donner halte der dumpfe Ton in meiner Seele 
wieder; Angft und Beben ergriff den Erwartungsvollen.. 
Sein Nachfolger warf vier und dag Entzüden bed ges 
retteten Xebeng glängzte in feinem erftorbenen Auge. Der 
geste warf die verhängnißvollen zwei, und fo war er 
dem Tode geweiht. Die Andern wurden wieder in Seffeln 
gelegt und zu lebendlänglicher Bauftrafe abgeführt. Der 
arme Sünder Eniete auf einen niedern Sandhaufen. Er 
fah das holde Licht zum legten Male; man verband ıhm 
die Augen, heftete ihm ein fhwarzes Herz über fein im 
Zodesfampfe fhlagendes. Drei Schuffe fielen und der 
Getödtete fanf auf die Stirn nieder. 
Dresden, ©, Teumann. 
 
Denffprüde. 
Mer bei feinen Vergnügungen nicht feine Vernunft 
zu Mathe zieht, der hat auch Feine Hülfe von ihr zu ers 
warten, wenn ihm Inglüd begegnet. 
Manches nicht zu willen, bringt mehr Ehre, ale 
eine affektitte VBielwillerei. 
Der Müsiggang gleicht den ftileftehenden Wäffern. 
©o wie diefe gewöhnlih Schlamm und Ungeziefer hervor: 
bringen, fo erzeugt jener — Lafter. 
Wenn ein Menfh au nur fo lange gelebt hat, ale 
nöthig war, um weife und verftändig zu werden, fo hat er 
lange genug gelebt. 
Gerechtigkeit ift Die Schwefter der Frömmigkeit. 
Unduldfamfeit und Neligionsheß find zwei Unge- 
heuer, die aus der Hölle entfprungen find, um das Men: 
fhengefhleht zu peinigen, 
Sm fhönften Glanz ber Liebe ftrahlt nur Die Bru> 
derliebe. 
Einem Seben trauen und Niemandem trauen, ift 
Beides zu weit getrieben, Bei dem Erftern ift mehr Chr- 
lichfeit, bei dem Undern mehr Sicherheit. 
Der Weife ift eben fo beforgt, nicht gegen bie 
eingeführte Sitte zu verfioßen, als ein Eonberling zu 
fepn.
	        

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