Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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ter heiligen Bucher oder hieroglophlihe Smbleme ihter | 
Meligion, einprägen. 
Heffe. 
 
Der frobe Ta. 
(Eportfegung.) 
III. 
Die Kenne 
Die Berfammlung blieb eine Zeit lang fehweigend, 
als er geendet hatte. Es war aber Fein müßiged und 
tranmerifhes Schweigen, fondern ein Jeder gab den Em: 
pfindungen Raum, die in ihm erwedt waren. Shre 
Blite wandten fih hinab und Seder fchien in ftiller Prü- 
fung fein Leben zu überdenfen. Wohl ihnen, baß fie 
diefelben wieder freubig erheben Eonnten, daß Feine Neue 
Das Andenfen ihrer Tage befledte. Nur Einer von den 
Sreifen feufzte und lenkte einige Tritte aus dem Kreife 
hinaus. Herr Herrmann bemerkte ed. Das Sefiht ded 
Alten fhien fo ehrwärdig. Der Gedanke beugte ihn, def 
biefer Greis vielleicht nicht fo unftraflih in feinem Innern 
fey, daß rine Schuld, die feine Eeele drüde, ihn abs 
märtd gehen heiße, ald fey er nicht wärbig, zu fiehen uns 
ter den Guten und Reinen. 
Er Tieß fih mit ihm in ein Gefprah ein. Der 
Greid ward zutraulih und erwiederte die Herzlichkeit 
Herrn Hermanns, indem er bald fah, daß nicht Falte 
Neugierde, die nur angzufrähen facht, benfelben zu ihm 
gewandt hatte. 
„Noch gehöre ich nicht In Shren Kreig,” faste er; 
„aber der Bedanfe des Altere, den mander Leictfinnige 
Thenen mag, wird mir hier fo füß, — Snbeb — e6 
Tann auch unglüklih fenn !’ — 
„Wohl, ie wohl!” verfegte ber Ulte. „Ach, bie 
Reue ift bitter, wenn nichts mehr gut zu machen ift! — 
Und’ — fehte er nad einer Paufe hinzu — „die Reue 
Aber ein ganzes, fcleht geführtes Leben — o mein 
Herr, die muß dad Herz abnagen und mit taufend Mar: 
tern in’s Srab flürzen, wenn ein Zebltritt bei einem 
Menfhen, der immer feine Pflicht zu erfüllen firebte, 
Thon fo oft Seufzer Fofter !” 
„Ein Sehltritt? — Wer ift dann rein unter ung 
Schwachen!’ 
nohl! wohl! Aber es drüdt do, wenn wir 
baran denfen. — Hören Sie, Herr; Sie werden mid 
verahten] — 
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EB ging mir auf ‚einem Heinen Pahthofe recht 
wohl und ic erübrigte jährlih Etwas, dap ih fhon ein 
bübihes Summden hatte, vermitteljt deffen ich mir gele: 
gentlih eine größere Wirthfchaft Faufen wollte, weil ich 
mehr Zeit und Siraft, als Arbeit, hatte. Es verurfachte 
mir daher eine große Freude, als ih von dem Schreiber 
bes Heren Lanz, zwei Meilen von hier, hörte, fein Herr 
wolle fein fhöned Gut verkaufen, um eine reihe Erbfhaft 
in der Ferne anzutreten. Sch ging zu ihm und ipradh 
mit ihm über die Sache und er fhien mir in feinen $0s 
derungen recht billig. Der Handel war mir fchon fo gut, 
als gefchloffen. In ein paar Tagen follte ed richtig ge: 
madt werden. Ich Fam wieder. Da war aber Herr 
ganz ein ganz anderer Mann. Er empfing mid Falt, 
hatte Bedenklikeiten und fhloß darauf damit, daß er 
Eurz fagte, aus dem Handel werde nichts; er habe fi 
anders befonnen und wolle mit mir nichts zu thun ha: 
ben. Cin Paar von feinen Leuten faben mich feel an, 
als ich fortging, und erwiederten meinen Gruß in einem 
Tone, ale hielten fie mich deflen nicht für werth. Das 
fonnte ich mir gar nicht erklären, und ich Fümmerte mich 
über die augenfcheinlihe Verachtung, die man mir be: 
zeigt hatte. Nah einigen Tagen erfuhr ich, baß der 
Amtmann Barlow dad Gut gekauft babe. Sch Fam mit 
dem Manne zuweilen zufammen und ließ mich Turz bar: 
auf gegen ihn verlauten, daß ich dad Gut gern gehabt 
hätte. Er wußte nichts von meinem Gebote und fchien 
zu bedauern, daß er mich verdrängt habe. Ale ich gegen 
den Ecreiber des Herren Lanz mein Befremden Auferte, 
fagre mir der, er wolle mir reinen Wein einfhenfen. Sch 
mußte mich doch fehr verftellen Eonnen. Dan hätte mid 
in der Gegend umber für einen ehrliden Mann gehalten; 
aber Herr Barlow kenne mich beffer und habe feinem 
Kern fo viel von mir erzählt, dab dem die Luft vergan: 
gen wäre, mit mir zu handeln. Sch wußte Faum, mas 
ih vor Erjiaunen antworten folte. Mein Borfab war, 
fogleih mich bei Herrn Lanz zu rechtfertigen. ch eilte 
zu ihm, befam ihn aber nicht zu fpredhen. Darauf ging 
ih zu Herrn Barlow. Er wollte fi verleugnen Jaflen; 
da ich ihn aber durch bas Zenfter gefehen hatte, brang 
ih in feine Stube. Nun follte er mir Rede ftehen für 
Alles, was er gefagt hatte. Anfangs fiellte er fich ver: 
wundert und leugnete, zulegt aber brach er aus und 
fagte mir mit der größten Unverfchämtheit Dinge auf 
den Kopf zu, an die ih in meinem Leben nicht gedacht 
hatte, Sch fhalt ihn einen Berldumder, einen teuflifhen
	        

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