Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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zieht an dem Schwanze fo lange, bid ber Hals unter Die 
Gabel zu liegen-Eommt. Ift ihm dieß gelungen und hat 
er mit Hülfe der leßtern den Hals fo eingeengt, baß iebe 
Kopfbewegung unmöglich wird, fo ergreift er die Nabel 
mit dem Bindfaden, ftiht fie durch beide Nrafenlöcher 
und durch die untere Kinnlade und verfchlieft dem Thiere 
dadurch den Mund fo feft, daß es nicht mehr beißen und 
der Säger daffelbe fiher bei’'m Kopfe fallen Fann. Um 
ihm alle Möglipfeit zur Sluht, die es do wol nod 
verfuchen Eönnte, abzufchneiden, bindet ihm der Jäger 
die Iängern Mittelgehen an alten vier Füßen zufammen. 
Bei allen diefen Operationen läuft der Neger aber immer 
Gefahr, entweder gebiffen oder mit dem Schwanze ges 
fhlagen zu werben. Welche fhlimme Folgen das Erftere 
habe, mwiflen wit.bereits. Aber auh das Schlagen mit 
dem Schwanze bringt großen Nachtheil; denn das Thier 
befist an diefem Theile des Körpers eine große Stärke 
und die Schläge find fo heftig, das diefelben nicht felten 
auf der Stelle tödten. Die, auf die beichriebene Weife 
gefeffelte. Eidere, die wenigftens zwei Monat ohne Tab. 
rungsmitiel aushalten fann, wird in biefem Zuftande zu 
Darfte gebracht und verkauft. Denn für die Einwohner 
der Lufnten ift diefes Thier und feine Eier ein wahrer 
Lederbiifen. 
Leipzig. Koger, 
 
Es will Niemand der Kage die Schelle an- 
hängen. 
Mit diefem Ausdrude will man nichts Anderes fa> 
gen, als: Cs will fih Niemand dadurd, daß er für das 
Recht fpricht oder auf die Vollziehung bes Gefeges dringt, 
Seindfnaft machen. Nun ift e8 aber ganz ungewöhnlid, 
den Kapen Schellen anzubängen, weil fie.das Geflingel 
nicht vertragen konnen. Wer ed ja unternähme, der 
würde die Kae gegen fich reizen und alfo diefelbe gegen 
fi aufbringen. "Einen großen Schaden würde ihm aber 
diefe Seindfchaft nicht verurfahen, weil die Kagen fi 
mebr fürchten oder liftig zu Werke gehen, ale daf fie u 
feubar feindfelig verfahren, 
Kahrfheinlih ift in bieler Phrafe gar nidt von 
einer Kae die Diebe, fondern es hat vor Zeiten ein an- 
deres Wort dafür geftanden. Im Plattdeutihen giebt 
ed ein Hauptwort Kathe oder Käthe, womit man uts 
fprunglih ein übel berüctigtes Stauenzimmer be 
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seichnete *), Worzeiten, aid man in Deutfhland über. 
zudt und Ehrbatkeit firenger’ hielt, wurden bergleisen 
Weibsperfonen dadurch geftraft, baß man ihnen eine ho- 
be Pappenmüge mit Hörnern und Schellen auffeßte oder 
Fine weit bervorgehende Haldkraufe umbanb, die eben: 
falle mit Sloden und Schellen verfehen var ‚ und diefe 
perfonen fo in der Stadt herumfüßrte und öffentlih am 
Pranger zum Epott augfielte. An Perfonen aus den uns 
tera Volfeklaffen ward diefe Strafe ohne Umftände voll: 
zogen; menn abet begüterte und vornehmere Srauenzim: 
mer fih Vergehen der Art zu Echulden fommen ließen, 
dann zauberten oft die Richter mit ihrem Urtheilsiprugge, 
aus Furcht vor Feindfhaften, melde fie fich ausziehen 
fonnten. Niemand wollte ber Kathe oder Käthe die 
Ecelle anhängen; fie Fam ungeftraft weg, weil man fei: 
nes Vortheild wegen fhwieg. Da diefer Gebrauch fon 
Längft abgefommen und die Kathe oder Käthe au unfes 
rer hochdeutihen Mundart fremd geworben ifk, fo bat 
man aus Jrrthum die Käthe in Kake verwandelt und fo 
Das Eprüchmwort ziemlich entitelt, 
Koßer 
 
Rüdblie. 
If ed mögiih? Du haft an unzähligen Wunden geblutet, 
Kinbiiches Herz: und doch Fannfı du Dix immer noch freun? 
L. 
 
RNathfel 
Zu ratben geb’ Ich ein gar fehlimm Snfekt, 
as feine Baffen unterm Bauch verfiedt 
Und durch Geruch und Stich ung quälet, 
Seitdem ed, wie man uns erzähle, 
Auf Sıifen nah Europa fam 
Und feine Wohnung bei uns rahm. 
Zon feinen läfigen Verwandten, 
Die wir ver feiner Ankunft Eannten, 
Konimt Keiner und doch fo zu nah, 
AB Die Tec aus Amerika. 
Suttinger, 
Auflöfung der arifhmetifchen Aufgabe im zogten 
Etüd. 
55 shaler 19 Srofcen. 
*, An der Folge fcheint fich die üble Bedeutung diefed WBor: 
tes verloren zu Haben, und man bediente fich deffeiben, 
um den Namen LKatharine damit zu bezeichnen. 

	        

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