Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

 
 
Bildungs; 
IIO. 
13. September 1808. 
 
Einige Erzeugniffe von Rordamerife. 
Befidrug) 
 
2. Die großblumige Magnolia *). 
Diefer Baum, der gleihfalls ein Produft der norbames 
tifanifhen Freiftaaten ift, zeichnet fi dur feine außer: 
ordentlihe Schönheit und Größe aus und die Neifebe- 
Threiber fprehen von ihm mit dem mwärmften Enthufias: 
mus. Cr ift nur in den füdlihen Provinzen der Staa: 
ten und in dem ihnen benachbarten Florida einheimifc. 
Der Stamm des Baumes, der vollfommen glatt und ge: 
tabe ift und eine Höhe von hundert und mehreren Zuß 
erreicht, erhebt fi in Beftalt einer fhönen Säule und 
trägt eine Krone, bie einem ftumpfen Kegel gleicht. Die 
fer Gipfel ift fo dicht mit Heften, Zweigen, Blüthen und 
Blättern burdflodten, baß kaum der Dichtefte Regen durd = 
gudringen vermag. Die Iänglihrunden, lanzetähnlichen, 
lederartigen Blätter find denen vom Kirfplorbeer Aähn: 
ih **), auf beiden Seiten glatt, oben gradgrän und 
unten bräunlid. Sie bleiben aud den Winter über an 
den jungen Zweigen hängen. 
Das Bewunderungsmwürdigfte an diefem Baume aber 
ift die große, pradtvole und duftreihe Blume ‚ welde 
eine ber größten und berrlichften im sanzen Pflangenreiche 
ft. Sie Hält adt und mehrere Sol im Durdmefler, 
*) Magnolia grandiflora. 
) Darum nennt auch der Naturforicher Bertram die 
Magnolia Häufig die Lorbeer: Magnolie. 
Diefe Blüthen fisen an ben Anferiten Enden von ben 
Unterabtheilungen der Zweige im Mittelpunfte einer Kro- 
ne, baben 15, zo bis 25 Blumenblätter, weldhe aus: 
gehöhlt find und in einem dien, grünen und faftreichen 
Gewebe den Blumenkelh bilden, Die Blätter der Blume 
felbft find breit, vollig weiß und gleich einer Rofe in vol: 
ler Blüthe ausgebreitet *), Im Mittelpunkte fteht der 
junge Zapfen, der groß, fleifchfarbig, mit einer goldfar- 
bigen Narbe geziert ift und im Herbfte zu einem großen 
Farmoifinähnlihen Zapfen reift. Diefer trägt eine Menge 
großer, vother, Torallenartiger Beeren, welde einige 
Zeit lang an einem weißen, feinen, feidenartigen Kaden 
herabhängen. Das Eamengebäufe und die Beeren haben 
einen angenehmen, gewärzarfigen Geruch und einen aro- 
matifch bittern Sefhmad, Das Holz ift, wenn ed troden 
geworden, firohfarbig, dit und fefter, als das Holz 
des Darpelbaums. Die Samenförner legt man in Anter 
tifa in Branntwein und trinft diefen in Brufifranfheiten, 
Auch die Rinde ded Magnoliabaume foll in dergleichen 
Krankheiten gute Dienfte thun. ie wird von ben Bis 
bern fehr gern gefteffen, fo daß man fie damit fangen 
Fann. 
Unftreitig gehört diefer Baum zu ben berrlichiten 
und prachtuollften Grjeugniffen des Pflanzenreihe, Dur 
feine Majefiät fallt er fhon in weiter Kerne in bie Augen 
und man fieht feine ftolz prangende Blüthe fdon in ber 
*) Der Engländer Catesby nennt auch deshalb die Blütke 
Magnolia altissima flore ingentä candido, 
11o
	        

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