Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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fhön goldgelb, etwas heller an der Kehle und am Baude 
und na hinten in’s Grüne falend. Zwilhen Dem Echna- 
belwinfel und Augen ftebt ein fchwarzer Fled. Die Aus 
genlieder find gefäumt; die Flügel ganz fhwarz, Der 
{hwarze Schwanz ift goldgelb gefanmt, 
Das Weibhben hat gar nicpt dag fhone Anfehen des 
Männdens ; denn die goldgelbe Farbe fieht man nur am 
Ende der olivengrünen Schwanzfedern und untern Ded: 
federn der Flügel. Webrigens ift es auf dem Oberleibe 
zeifiggrün, nad hinten zu in’8 Gelbe übergebend. Der 
Unterleib ift weißgrünlih mit braunen Etreifen gemifcht, 
an den Seiten gelb überlaufen. Die Flügel find fhwärzs 
ih grau; der Schnabel ift dunfelbraun. 
Der Gefang des Yirol ift dem der Mifteldroffel 
ähnlih *). Unter den Zugvögeln verläßt er Deutichland 
am früheften, fhon im Auguft, und zieht dann Fami: 
Tienweife fort, wahriheinlih nach Afrita. Seine Anfunft 
tritt auch nie eher ein, ald im Mai, wenn die Bäume 
fchon ausgefhlagen find. Er bewohnt gern die Feld: und 
Norhölzer großer Waldungen, wo hohes, didhtes Nolz 
fteht. Sind die Kirfben reif, fo begiebt er fih in bie 
Gärten; denn er liebt diefe vorzüglich und verfchludt fie 
ohne die Kerne, nährt fih aber aud von Vogelbeeren, 
Holunderbeeren, Himbeeren, Erbbeeren und Feigen, 
Durd feine Neigung zu den Kirfhen wird er allerdings 
{hädlih, da zwei Pirole in einem XQage einen ganzen 
Kirfhbaum ableeren können, weil fie nur die reifiten neh> 
men und bie Kerne fallen laffen. Man darf aber 
nicht vergeffen, daß feine Nahrung auch Iuiekten find, 
mit welchen er feine Jungen füttert, und daß man ge: 
wöhnlich in feinem Magen Snfelteneier antrifft. WBorzüg: 
lich fuht er die Nachtfhmetterlinge und ihre Raupen auf. 
Die Pirole niften des Jahres nur ein Mal bei ung, 
weil ihr Aufenthalt nur Eurz if. Spr Neft ift ein Be: 
weis von ihrem Kunfttriebe. Es hängt beutelförmig zwi: 
fen ben Gaheln eines Aftes anf hoben Bäumen oder 
Sträudern. Cs flieht aus wie ein Korb mit zwei Hanb- 
haben, melde bie beiden Zweige ber Gabel vorfiellen. 
An diefe ift es mit Baftfaden, die fowol die Zweige felbft 
umgeben, als auch in das Gewebe des Neftes dringen, fo 
feft gebunden, daß es allen Erfätterungen der Stürme 
widerfteht. Das äußere Gewebe beftcht aus Bafı, Ctrohs 
snd Grashalmen, das Innere aus zarten Gragftengeln 
und Wurzeln. Die Zwilhenwand befieht aus Moos, 
Baumfiehten, Epinnegewebe und Raupengehäufen. Am 
*) Berg, zıo. ©. Seite 876. Note. 
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Nande il ed eingefäumt und einwärts gebogen. Das 
Weibchen legt vier, felten fünf fpigig zulaufende, weiße, 
am finmpfen Ende fhmwarz gefledte, „punftitte Eier. 
Männchen und Weibhen brüten funfzehn Tage wechlele: 
weife, doch das Männchen nur .etlibe Stunden des 
Tage. 
Die Tungen find Anfangs gefledt und fehen dem 
Meibihen Ahnlih, bis fih die Männchen bei’m erften 
Maufern auszeihnen und im dritten Sabre ihre fehöne 
Earbe volllommen haben. Im Zimmer kommen bie Alten 
gar nicht fort und mit den Zungen gelingt ed nur durch 
außerordentlihe Mübe, fie in Stuben zu erhalten. Man 
muß ihnen Anfangs lauter frifche Kirfhen geben und bie: 
fe nab und nah mit Semmel in Milh geweiht, mit 
Ameifeneiern und dem gewöhnliden Nachtigallenfutter 
vermifhen. Genft nennt man den Pirol noch die Gold: 
diofiel, der Kirfhvogel und giebt ihm nach verfchiedenen 
Drovinzen wol funfzigerlei Namen, 
_ Suttinger. 
 
Die Kae verliert den Prozek. 
Die Frau von Puis liebte ihre Kage über Alles. Wer 
bie Sunft diefer Dame haben wollte, mußte der Kake hofi: 
ren. Selbft in ihrem Teftamente bedachte fieihre Freundin, 
Nicht genug, daß fie derfelben einen feften jährlichen Ge: 
halt ausfegte, fie verordnete fogar, daB ihre Erben wöcdhent: 
lich bei der Kabe einen Befuc abftatten folten. Diefe Ber: 
ordnung verdroß bie Erben fo fehr, daß fie fich deshalb bei 
den Gerichten befhmwerten, welde benn befonbers des legtern 
Umfiandes wegen das Teftament , in fo fern es die Kage 
betraf, für ungültig erfldrten. Die Kabe verlor alfo den 
Drozep. sKpr. 
 
YHierfplbige Charade, 
Das erftie Syibenpaar dient und zum Leben, 
Siebe Thier’ und Bilanzen neue Kraft. 
Auch dir wird ed gewiß Erquidung geben, 
Bil bu dei fchwüler Luft erfchlafft. 
Die zweite Hälfte tragen zwar fchon Knaben, 
Do ohne fie geh’n Männer nie, 
Hei Bölkern nur, die andre Sitten Haben, 
Verihmäht wei Mann und Knabe fie. 
Wenn Woiken fih mit WMeeresruth vereinen 
Und Hoch ein "Berg von Wogen firebt; 
Dann fiehet mich der Schiffer ganz erfcheinen 
Und fühlt fein banges Herz Durchbebt. 
Deilsih. Dr,
	        

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