Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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waren die Eingänge ummwölbt. in vierkantiger Dbelist 
war im Vordergrunde des Schloffes errichtet und allein 
mit mehr als taufend Lampen behangen._ Auf feiner 
Epige trieb eine Pechpfanne ihre Iodernde Flamme eu: 
por. Kaum fahten die Saflen und Räume das firömende 
Koff. Cine zahlreihe Bürgerwahe, mit dampfenden 
Sadeln in den Händen, zog jegt dem Schanfpielhaufe zu, 
wo die von Erfurt mitgelommenen franzöfifhen Künftler 
aufzutreten fih anfhieten. So gern ich auch den Genuß 
ihres Spiele mir verfaafft hätte, fo fah ich body bier noch 
weniger, als in Erfurt, bie Möglicyteit dazu. Und fon 
in Erfurt war mander Fremde, durch theuern Anfauf eis 
nes trügerifch nachgemacten und dann bei’m Eingang ätt> 
züdgewiefenen Billets, Hintergangen worden. 
Noch einmal burhwandert’ ih nun, mid an Licht 
und Leben ergögend,, die yorzäglichiten Pläge der Stadt. 
Snichriften fand Ip nirgends, Wielleicht hatte man bag 
Auflodern diefer oft allzu drmlichen Seiftesfunfen von Sei- 
ten der anordnenden Mipörbe verboten. Der Cindrud 
des Sanzen gewann Wittig dadurh, und wenn man 
aud von Meifterhand Etwas gerade hier zu lefen gewünfcht 
hätte, fo that es einem boch wohl, in diefem Wohnfige 
des guten Gefhmadd den gewöhnliden Tummelplag der 
fadeften Schmeichelei einmal gänzlich verriegelt zu finden. 
Ziemlich ermüdet, z0g ich mich jent In ein Safıhaus 
am Markte zurüd, mit dem feften Entfchluffe, mid, 
hätt’ ih nur einmal feften Zuß gefaßt, der fernern Echaus 
Inft jur diefen Abend gänzlich zu entfhlagen. Man fonns 
te mir zwar aub bier Fein Bett verfpreden, da jedes 
NRäumdın eigenen Befhlufles bereite vergeben war; al: 
lein Ich fand Doch Das allgemeine Gaftzimmer nicht fo ganz 
unleidiih übernölfert. Kin Sophe, das vor ber Hand 
noh von mehreren Epeifenden befegt war, z08 fogleih 
meine Aufinerfiamfeit an und ich bielt lauernd meine 
Mahlzeit ganz in der Nähe deffelben. Etwa nach Nerlauf 
einer Stunde fonnt” ih zu glüdliher Befibergreifung 
fhreiten. In eine Ede des neuen Beligthums gefamiegt, 
erwartete ih, im fteten Setümmel, bie Stunde der Mit: 
ternakt, wo, wie ich boffte, doch endlich der Sturm fi 
legen und die twogende Brandung ausbrauien würde. Al: 
Sein noch um zwei Uhr Morgens fpeifte man an mehrern 
Tafeln der Wirtheftube mader fort. Deutfhe und fran- 
zöllfhe Zungen neuer Antoümmlnge hörten nicht auf, die 
Neuigkeiten des Angenblids einzuberichten, obne fib um 
meine Echlafluft und um die vielen aufihrem inne habens 
den Stuble Entihlafenen zu Fümmern, Bei fell gefchlof: 
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fenen ngen, aber leider! nur Iaum zur Hälfte" gefchlof- 
fenen Ohren, erfuhr ih, daß der Kaifer von Rußland 
den Hofball eröffnet Habe, dab aber Napoleon nicht Theil 
nähme an den Freuden des Tanzes, fondern fich viel mit 
Wieland und Göthe unterhalte. Halb fhlafend gelangte 
ich zur nähern Kenntniß bes Terraing für die, auf den 
folgenden Tag zu erwartende, Treibjagd. Man nannte 
Kapellendorf und Apolda; man befhrieb das, auf dem 
fonftigen Landgrafen: jegt Napoleonsberge zur Bewirtbung 
der hohen Säfte erbauete Haus. Man wollte willen, bag 
von da aus die Monarden zuerft die Hauptpuntte des - 
Schladtfeldes bei Jena befichtigen und dann zur Treib: 
iagd vorfchreiten würden, 
Nur als der Tag zu grauen begann, warb auf ei- 
ne Eurze Stunde im Safthofe Naht. Indeß noch vor 
Yufgang der Sonne flrömten bereits wieder die Fremden 
zu. Gern verließ ih mein gefhwäriges Nactluger nnd 
eilte hinaus, wm mich durch einen einfamen Morgenfpa- 
jiergang an Beift und Körper zu erholen. 
Die Zuruftungen zur Zagd, die ih machen fah, 
konnten den Wunfh, aud nod einen Zufhaner derfelben 
abzugeben, nicht bei mir erweden, @s fohien mir geras 
thener, dieß Mal meing Kräfte für die Rüdfehr zu mei« 
nen Haudgöttern zu fparen. Wlein einen Gang in den 
lieblihen Schloßparf konnt’ ih mir nicht verfagen. 6 
waren viel Jahre verfirihen, feit ich diefe reizenben Anz 
lagen zuerft fahe. Mit der vollen Begeifterung einer noch 
jugendlichen Phantafle hatt’ ih mich damals in ihrer Bes 
fdauung fehr glüdlic gefühlt. Auch jest that mir der 
einiane Spabiergang unter den dichter gewordenen E chats 
tengemölben, an den noch immer fo Heblih rAufchenden 
Biden, ganz ungemein wohl, Er verfegte mich zurüd 
in eine barmliofere Zeit. Biel Neued mar inbeß in 
den Anlagen entflanden. Das römifke Haus zog mich 
vorzüglich aa. EB ift auf einer Anhöhe gleih über dem 
herrlihen Quell erbaut, diffen Najade durch eine Ins 
frift von Gorhe gefeiert if. In ein mädctiged Beden 
von Stein gefaßt, macht diefer Quell jet eine vorzägliche 
Zierde des uber ihn errichteten Gebäudes, Aus den Feno 
ftern des romifchen Hanfes überfieht man den Park über: 
haupt nnd vorzüglich die fi gegenuber lang bin erftredens 
de Unhuhe, die mit Baumgdrten, mit Weinbergen, mit 
hin und ber verfireuten Landhäufern, mit Wiefen und 
SHainen prangt. 
So fon aud der Morgen war, fo vielfachen Ges 
nuß au das Luftwandeln in diejen reizvollen Gartenan:
	        

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