Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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mit Sammer den Eturm unter fi branfen und verhälfte 
fih noch mehr, 
Eiche, da fanfen die Wolken binab in ftrömenben 
Tropfen und der Hauch des Noıdes verdichtete fie und 
fie fäufelten nieder gleib glänzenden Sternlein und lager» 
ten fib über der Erde und webeten einen blendend weißen 
Egleier, gleich Lilien, über die müde Grbalterin und 
bületen fie ein, auf daß fie flummerte und ihres Yeides 
veroäge. Dann fhauete mit mildem, blauem Ange der 
erheiterte Himmel liebend auf die Schlummernde und 
freuete fi inniglih ihrer Ruhe und prirs fie felig; 
denn er ahnete e: tzüct ihr fchöneres Erwachen nah Euts 
ger Feier in Kraft der Jugend und Züle der Echönheit 
und des Wirk.ng, 
Eiche, fo wird au ber müde Menfch mitleidig 
eingebüßt von dem rettenden Engel des Todes in den 
Scwieier der Erde, auf daß Die, fo ihn lieben, nicht fe- 
ben dad fraftiofe Leben und die verfallene Geftalt ohne 
Enönbeit und Kraft zu wirken und zu fehr trauern und 
zu lange; und ba der Ermüdete rafte von der Arbeit des 
Lebins und eine Weile fhlummere, zu erwahen mit jus 
gendliher Kraft in dem ewigen früblınge bed Gartens 
Gortes. wo nicht mehr fenn wird der Sturm des Xeideng, 
noch Angfi, noch Klage; denn das Alte ift vergangen ! 
Did. &. Keander, 
 
Noch Etwas über die Meifterfänger. 
Edon früher ift in diefen Blättern Etwas über 
die Meifterfänger gefagt worden *). Sn den älteiten Seis 
ten der deutihen Dirkunft feinen die vorzägliciten 
Ticter diefen Namen gefubrt zu haben. Dann wurde er 
aber Handwerkern gegeben, bie fib, neben ihrem Hands 
werke, mit der Dietfunft befmdftigten. Im der Kolge 
entitanden ganze Dichtergefellihaiten von Meifterfännern, 
Eıe hatten, wie jede andere Zunft, ihre befondern Era: 
tuten, Privilegien, beftimmte Zufammentünfte und Ges 
temonien. In Ulm befindet fi nod jeßt eine Gefells 
fdait vom Meitteriängern aus der Weberzunft. Kaifer 
Karl IV. ertbeilte folten Meifterfänzern 1378 dag 
NRect, ein eisnes Wappen zu führen; oder es wurde ih: 
nen vielmehr dDieied Mect nur von ihm beftarigt. Unter 
diefen Meijterfängern gab ed Leinweber, Bäder, Siürfchs 
ner, Scleffer, Edubmader und Handwerker jeder Art, 
Eic Ale waren, bis auf Wenige unter ihnen, bloße 
Reımfamicde, die gas feinen Peg.if von Dictfunft 
*) Berg. Bidungsbl Jupıg. 1806. Et. ıız, 
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hatten. br Sefhmad war fo febr verberbt, daß fie wel 
gar eine Schönheit darin fanden, lateinifae und denrfce 
Merfe unter einander zu mifwen. Die nürnbergiihe Mei: 
fterfängergenoflenfaft hatte ihre beflimmten Zufammen 
Fünfte an den Sonn: und Zefttagen in der Aatharinentir: 
che nach der Nahmittagspredigt. Wenn eine Eingiaule 
gehalten werden follre, fo erfuhr es die Gefelinaft Durch die 
Me:ker (Borfteber der Zunft). In der Kirche befand fin fur 
fie ein eiguer Plag; man nannte ibn dad Semerfe, 
@8 war ein, mit Vorbängen umzogenes, Gerüfle. Ges 
wöhnlih waren drei Merkter bei der Berfammlung. Der 
eine hatte die Lutherifche Bibelaberfenung vor fib und 
verglich dad Lied, das abyefungen wurde, mit dem Ms 
halt und den Worten der Bibel. Der zweite gab auf bie 
festen Spiben ber Berfe Achtung, ob aub Alles richtig 
gereimt fen. Der dritte beobadtete den Ton des Gefan- 
ges. Der Singende felbft hatte feinen Plag auf dem Eings 
ftuhle, der einer Kanzel glib. Der Anfang wurde mit 
dem Sreifingen gemadt. Hier kornte fi bören laflen, 
wer wollte. Dann fangen alle Deifter ein nen Lieb, 
Einer fang vor. Endlich ging das Hanptfingen an. Hier 
fang nur Einer. Der Snbalt bes Liedes mußte aus der 
Vibel genommen fern. Der Ednger mudte das Bu und 
das Kapitel angeben, mweldes er für den Inbalt feines 
Liedes gewählt hatte. Sobald er feinen Plab eingenoms 
men hatte, rief der vorderfte Merker: „Sanget an 1 
Er that es; hielt aber von Zeit zu Zeit bei gewiffen Abs 
theilungen innen, fo lange, bisder Merter rufte: „Kahrt 
fort! — Wenn Ule ber Meibe nad fih hatten bören 
laffen, fo prüfte man die VBerdiente der Eänyer, und 
die Preife wurden ansgetbeilt. Wer ganz tabdelftei ges 
fungen batte, bieß ber Köonigbavidgewinner Er 
erbielt eine, an einer Ecnur befindlide, Münze, auf 
welber David mit der Harfe abuchildet war, Der zweite 
Preis war ein, aus feidenen Blumen verfertigter, Kranz, 
2, Dflaum. 
 
Er hat Haare auf den Zähnen. 
E6 gab eint eine Seit, wo ein raubes, wildes und 
Furcht erregendes Aeubere allgemein geliebt wurde. Man 
ließ daher Ules gefmeben, wad die Natur für bieten 
Zuwed that; ja man fußte fie felbit dur Ddie!e und jene 
Mittel zu unteriiugen. Deamwegen ließen die alten Deuts 
ften nicht nur ibre Kopfhaare ungehindert wadfen und in 
wilden und reuellofen Loden umb-rflattern, fendern fe 
legten aud an die Baıthaare Beinen foneidenden Stapl 
.
	        

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