Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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Und bau, wenn wir faßen bei’m gentnerfchweren 
Atlas, 
Und im Sprunge vom Kattegat feßten bis in die Les 
vante, 
Und von Stambul firads mit einem Fuße nad 
Sayan 
Und mit bem andern hinüber in’s eifige Senerlandb 
traten. 
Der Großmoguf war ung ein Ungeheuer von Neid: 
thum, 
Und vor ihm bie Britten mit 'allen Euincen nur 
Bettler. 
nu u bragnte das Feuer der 
Bnben 
Su der Adern hocploberndem Slammenfchlag ingenblich 
ia auf, 
Und eleftrifh mwälzte des Dafeynd Taumel bie 
Bande 
Ungeftäm fröhlich dahin im nebelrauhenden Orafe, 
Wie die überwinterten Zullen mit bobem Behagen 
Durch die bufaige Au’ die elaffifhen Schnen ver 
fucen. 
Nüftig und rafch gieng’d, wie Trojaner und Grieden 
ih barten, 
Rechts, Iinke, hoc, tief, aufwärts und abwärts und 
lauter und lauter, 
Bis ein tobendes, voled Koncert Procumbit humi 
bos, 
Und dein alter, ernfter, ftark fonorifher Zuruf 
Phryx emendatur plagis die Streitenden ftillte. 
Hingefgwunden find fie, die Rofenfarben der Jugend, 
Schön und fanft und mild; nur im Hintergrunde ber 
 
Ecene 
Zittern fie fhwach noch in der Holden Crinnerung 
Epiegel. 
Meiningen. D. Shling. 
Die Sperlinge 
Eine Fabel. 
„Nun höret noch zum Belhluß meine Eperlinge ; 
denn die Sprift weilet uns ja auch auf die armen Eper: 
linge und fieller fie uns zu Doctorn und Lehrern fur!” 
&o fagte vor faft drittehalbhundert Jahren der treuer: 
sige Pfarrer, Johann Mattbeiius, in Zoarimstbal auf 
der Kanzel, in einer Saltnachtep.edigt, nachdem er feis 
nen Zuhörern mehrere Äfcy:fhe Sabeln na Lutherd lcbers 
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feßung (er prebigte eben in diefem Sabre über Eutherd Le- 
ben) vorgetragen hatte. Und id denke, Das, was feine 
Zuhörer, wie er in der Morrede ruht, einfältiglich und 
treu angehört haben, wird unfern jungen Lefern auch nicht 
mißbehagen. Ich gebe ihnen alfo die Zabel in des ehrli- 
chen Alten treuherziger Sprade. 
Ein Sperling hatte vier Zunge in’ einem Schwal: 
benneft. Wie fie nun flügge waren, ftoßen böfe Buben 
das Neft ein; fie Fommen aber alle im Wirdbraud baren. 
Fun if dem Alten leid, weil feine Söhne in die Welt 
fommen, ohne daß er fie zuvor für alleriei Gefahr ver: 
warnet und ihnen etlide gute Lehren fürgefagt babe, 
Aufn Herbfi fommen in einem Weizenader viel Spers 
linge zufammen; alda trifft der Alte feine vier Sungen 
on, die führet er mit Freuden mit fih heim. „Ach, meis 
ne lieben Söfne,” fpriht er, „was habt ihr mir den 
Sommer über Eorg gemahbt! Höret mein Wort und 
folget eurem Dater umd fehet euch wohl für; Heine Wögs 
lein haben oft große Kährlichkeit auszufiehen.” Drauf 
fragt er den Xeltern: wo er fih den Sommer über aufs 
gehalten und wie er fi ernähret hätte. „Ich habe mich 
in die Gärten gehalten, Näuplein und Würmlein gefuct, 
bie die Kirfchen reif wurden.” — Ab, mein Sohn!” 
fagt der Vater, „die Schnabelweide if nit bös; aber 
es ift große Gefahr dabei, Darum hab’ forthin beiner 
wohl Acht, fonderlih wenn Leut’ im Garten umbergehn, 
die lange grüne Stangen tragen (Blaferöhre), fo inwen- 
big bobl feyn umd oben ein Löclein haben.” — ,,9e, 
mein Nater! wenn denn ein grün Blättlein aufs Löc: 
fein gefleibet wäre?” fpriht der Sohn. — „Wo haft 
du da8 gefehn?"” — „In eines Kaufmanns Garten,” 
fagt der Zunge. — ,„D mein Sohn! Kanfleut, ges 
fhwinde Leut! Bift du um diefe Weltkinder gewefen,, fo 
haft du Weltklugbeit genug gelernet. Giche und braud’s 
nur recht und wohl und trau dir nit u viel.’ 
Dranf fragt er den Unbern, wo er fein Wefen ges 
habt? ‚Su Hofe!” fpriht der Eobn, — „Sperling? 
und alberne Böglein dienen nicht an diefen Ort, da viel 
Gold, Sammer, Eeiden, Wehr, Harnilh, Sperber 
und Zelten find. Halt du dich zum Koßftall, da man 
den Haber fhwingt oder da man drifchet, fo Tann dir’s 
Släk mit gutem Fried au dein täglih NKörnlein befche: 
ten.’ — „ga, Vater,” fagt diefer Cohn; „wenn aber 
die Stalbuben ihre Mafhen und Schlingen in’s Stroß 
binden, da bleibt au Mander benten. — „Wo baii 
du das gefehen?” — „Zu Hof,bei den Roßbuben,” —
	        

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