Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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harteften Befehle bes Alten vom Berge feel zu fehen. 
Dies Fam aber auch feinem lintergebenen in den Einn; 
denn fie betrachteten die Gefepe ihres Befehlshabers als 
göttliche Sefeke und fogar ihr Leben und der Terluft dei: 
felben Fam bei einem Auftrage von ihm nicht im gering: 
fien in Betracht. Die Gefellfchaft, die fih im Laufe der 
Zeit zu einer militärifken Nation gebildet hatte, ftand 
überall in hohem Anfehen und alle umliegende Nationen 
fürdhteten fie. Weber Ehriften noch Miudbammedaner un: 
terftanden fi, den Bergkönig anzugreifen. Wo offene 
Witerfezlichieit unzureichend Ichien, da griff man zur Lift 
und woi gar zum Meuchelmorde, und fo war die Gefell: 
fast eine Zeit long unbeflegbar. Deachte ein Fürft Mie- 
ne, den Affafiinern wehe zu tbum, fo beorderte der Berg: 
Tonig Einige von feinen Leuten und diefe wußten mit eben 
fo vieler Fertigkeit al3 Kubnheit den Angreifer aus dem 
Wege zu taumen *), 
Einjt droßte der Exltan Gelaledbbulet, einen 
Diefer Bergkonige, Namens Hacen, mit Krieg zu übers 
ziehen, Kaum erfuhr dieß Hacen, als er fogleich einem 
feiner Unterthanen, in Gegenwart des Gefandten, be: 
fabl, fih von einem, in der Nähe ftehenden, ‚hoben 
Thurme berabzuftürzen und fih alfo felbft das Leben zu 
nehmen. Der Untertben volüradte diefen Befehl obne 
Seitverluft und ohne die geringfte Bedenklichfeit. Der 
Berglönig aber wandte fih, nadhdem ber Sturz gefchehen 
war, gebieterifh zum Gefantten und fagte: „Gebet hin 
und fazt eurem Herten, dag ih folder PRagehälfe no 
70,000 3u meinen Befehlen babe, die Alle aufden er: 
fien Tinf bereit find, ein Gleiches zu thun.” Der Eul: 
Kain erfchraf und der Krieg unterblieh, R 
©o glimpflih Famen indeß nicht alle Fürften davon ; 
vielmehr verloren mehrere berfelben ihr Xeben, ehe fie 
fiy’8 vrriehen, wenn fie nur den Heinften Verdacht einer 
feindlihen Unternehmung gegen den Bergfönig erregten. 
Als gieng fo traf und gefämwind, daß fih Keiner genug 
hüten Tonnte, Könige und Fürften in der Nähe und Zers 
ne beeiferten fi daher um die Freundfchaft des Nergkös 
ni3e und man fparte oft nicht anfehnlidie Gefchenfe von 
hohem Werth. Ludwig der Heilige, König von Ftanf: 
zcih, der um diefe Zeit einen Kreuzzug nah dem gelob: 
*) Bon den Doichen, deren fie fich bei Ihren meuchelmörde: 
sifchen Unternehmungen bedienten, fazreıbt fin auch wol 
der Name Affaffıner ber. Noch jegt nenni die franzofifche 
Srrade einen Mörder Assassin, und twahrfcheinlich If 
das Wort aus dem gelobten Lande nach Zrankreich ge: 
fonmen, % 
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ten Sande unternahm und dort eine Seit lang verweilte, 
fah fi genöthiget, dem lten vom Berge zu fhmeiceln. 
Vor Niemanden fürdteten fih die Affaffiner, als vor den 
zempelherten: niht, al® wenn Diefe fie überwältigen 
Fönnten, fondern barım, weil Lift und Meuchelmord bei 
diefen ihres Zwedö verfehlten. Denn wurde au ein Dr: 
Densmeifter umgebracht, fo wählte der Orden bald einen 
andern und die Eade gieng den vorigen Gang. Hm nicht 
weiter mit biefen gefürchteten und mächtigen Orden in 
Kolifion zu fommen, verftanden fich fogar die Afaffiner 
zu einem jährlihen Tribut an denfelben. Sa fle erboten 
ih endiid, die riftlihe Neligion anzunehmen, wenn 
man ihnen biefen Tribut erlaffen wollte. Dazu verfianden 
fih zwar die ZTempelherren nicht; allein fie katten bald 
Urfak, e8 zu bedauern; denn die Affajfiner Tparten nun 
weder Lit noch Gewalt, die Chriften aus dem gelobten 
Kande zu vertreiben, welded auch gelang. 
Aber au die Affafiiner fanden endlich ihren Unter: 
gang. Nach und nad verfiel bei ihnen die ftrenge Zucht 
und fie verweidlihten metr. in tatarifcher König hatte 
den Muth, fie im Zahte 1257 in einer offenen Zelb: 
Ihlagt anzugreifen. Die Afafiiner wurden überwunden, 
der Alte vom Berge gefangen und getödtet und die ganze 
trunderbare Eocietät aufgehoben und zerfitenet. So en; 
dete eine Gefelifgaft, die länger, als ein Zahrhundert 
bindurh, Anffehen erregt hatte und gefürchtet war. Wie 
fonnte fih aber auch eine gefelfheftliche Verbindung, 
melde auf Srundiäpen beruhte, die mit ber Moral ganz 
im Widerfprud ftanden, eine längere Dauer veriprehen ? 
Moral und Politik find zwar verfhieden; allein wenn die 
Dolitif die Moral ganz and den Augen feht, fo rädt fih 
die leßtere body endli daburd, daß fie dem unmoralifchen 
Staste fein Grab bereitet, 
Kopßer, 
 
Sofepbs I. Monument in Wien. 
Sofeph II. gehört unftreitig zu den merfmärdigften 
Diegenten des habeburgifhen Kaiferlammes. Es ift fhom 
im s7iten Stüde des erften ZJahrganged biefer Blätter 
berichtet worden, daß der jeßt regierende Kaifer, Gran, 
beieloffen habe, feinem unferbliden Oheim ein Ehren- 
denfmahl zu legen. Dieied Monument ift am 2 gften Vios 
vember 1307 zu Wien feierlih eingeweiht worden. Cs 
frelt den Kaifer Jofepb zu Pferde vor, Elf Schr hat ber 
berühmte Künftler, Zauner, batan gearbeitet. Die 
Brundfejie, auf welder das Eoloflale Denfmabl von ı 2
	        

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