Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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den, längft als Chrenbeweile für Verbienfte gebraucht 
worden find. 
Mir dem Ricenziatentitel fol es folgende Bemanbd: 
ni6 haben, Die angehenden Gelehrten waren verbunden, 
in den Schulen der Masgifter zu disputiren und dort ihre 
Fähigkeiten zu-zeigen. Wenn fie diefes nun eine Zeitlang 
getban hatten, wurde ihnen die Gefhdft zu Iangweilig 
und endlich ger zu erniedrigend, weil fie mit den Neu: 
angehenden in einer Klafie blieben. Nach und nah wu: 
ten daber die altern Disputanten fi von Diefen Vebunnen 
Ioszumaden und fih die Freiheit zu verlhaffen, nicht 
mehr in den Schulen der Magifter fih einfinden zu dur: 
fen. Diefe Befreiung erhielten fie auf geziemendes An- 
fuhen von dem Kanzler der Univerfität@der von dem Bi- 
fhofe und bießen deshalb; Licenziaten, von der Oberauf: 
fiht der Magifter Befreiete. Von nın an gelangten fie 
auch mit den Magiftern zu gleihen Necten und waren 
bloß durch die Sleidung von ihnen unterfhieden. Der 
böchfte Gelehrtengtad blieb alfo der Grad des Magiftere, 
Seder Kandidat des Magifteriums mußte, ebe er zu dem 
Ehrentitel eined Maegifterd gelangte, vorber mehrere 
Proben von den SKenntuiffen, bie er erlangt hatte, 
ablegen. Beltand er in denfelben, fo ward er mit einem 
Rorbeerfrange (laurea magistralis) gefront. Er mußte be> 
fondere die philoiophifihen Willenichaften wohl inne haben, 
und durfte auh, nach erlangter Magiiterwärde, in dies 
fen Wiffenfchaften Unterricht ertbeilen. Daher der Titel: 
Magifter, d. bh. Meiiter, Lehrer. 
Die Lehrer der NReligionsniflenfchaft waren die Ers 
fien, die mit dem Magiftertitel, der nad einiger Zeit 
zu allgemein zu werden anfing, nicht zufrieden waren, 
fondern Doftored genannt feyn wollten. Man fieht bier: 
aus, daß die Magifterwuärde ditern Uriprungs ift, ale 
das Doftorat. Die medisiniihe Fakultät war die lehte, 
die zu den afademifhen Graden gelangte. Dieß geihah 
erft im dreizehnten Jabıhundert zu Paris. In diefem 
Sahrhunderte warb aud das ganze Feld der Willenidaf: 
ten unfer vier Fakultäten *), unter die philofophiice, 
medicinifhe, iuriftifhe und theologifche vertbeilt und je: 
der Fakultät dad Recht verlieben, in derfelben Baccalaus 
teen, Licenziaten, Magifter oder Doktoren gu maden. 
Es ift es bie zu unfern Zeiten geblieben, nur mit 
dem Unterihiede, baß jent nicht allemal lange Zeiträume 
”, Niemand durfte Iehren, der nicht vom Pabfte dazu Er: 
Taubniß oder, wie man dieß auszudrüden pflegte, facul- 
intem erhalten batte. Daher der Name Fakultät. 
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erfodert werden, von einem Grabe zu bem andern zu ge- 
langen; vielmehr Fanun man die fämtlihen Grabe in eini- 
gen Fakultäten in einem Tage durdlaufen. Denn man 
fegt voraus, daB Derienige, der fih Dur burd feine 
Sähigkeit ber Magijter- oder Doktorwärbe werth beweift, 
fib bei dem geringern Grade nicht lange aufzuhalten Ur- 
fahe habe. Auf den deutfchen proteftantifhen Univerfitä- 
ten gehört die Magifternürde allein der philofophifchen Fa: 
Iultät an und vertritt in berfelben die Würde eines Dok 
tore; dagegen freiren die drei übrigen Fakultäten Feine 
Magifter, fondern nach dem Grade der Licenziaten fo- 
glein Doktoren. Ssr. 
 
Seelengroöße. 
Zwei, einander durhaus undhnlihe, Brüder was 
ren Alfons und Friedrich, beides Söhne des Ko: 
nige TZerdinand I. von Neapel, j 
Alfons, der Kronprinz, regte durch die bloße 
Borausfiht, daß nah des Vaters Tode er den Thron 
besteigen würde, die mäcdhtigften Herren ded Neiches noch 
bei Lebzeiten des Vaterd, 1485, zu einer fo fhredli: 
hen Empörung auf, daß der Kunig, mir Gewalt fie zu 
bampfen, verzweifelte. 
Sriedricd, ber jüngere Prinz, gewann, ohne 
Waffen, allein durd die Liebenswardigkeit frines Se: 
müche, eine folbe Kraft über diefe wilden Gemütber, 
daß fie freiwillig fib ihn zum Friedengevermittler erbaten, 
Die Häupter ber Empörung waren zu Salerno ver: 
fammelt. Hieher begab fih, als Abyefandter feines Ba: 
texrd, der Prinz Dom Friedrich, 
Antonello Sanfeverino, FZürft von Saler- 
no, führte ihn in die Verfammlung der Beridwornen 
ein. Ulle ftanden ehrerbietig vor ihm auf. Sanfeverino 
aber führte ihn zu einem erhabenen Seffel und bielt, 
nachdem fih der Prinz niedergelaffen patte ‚ diefe Rede 
an ihn: 
„Dom Zriedrih, nehmt aus unfern Händen die 
Krone diefed Reiches. Metter und aud der Gewalt deg 
Tigers, eures graufamen Bruders, Alfonfe, Nehmt 
zum Danfe unfer Gut und Blut; gebietet über Alles, 
was wir find und was wir haben. Fürctet nict, euren 
Vater hieburd zu beleidigen. Er wi:d fic freuen, einen 
Sobn zu haben, welger, ohne Waffen, allein Dura die 
Liebenswurdigleit der Sitten, unmwiderreblid alle Herzen 
gewinnt. — Prinz, der Himmel bat euch hervorges 
bragt, diefen fhönften Theil Italiens aus der Hand des
	        

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