Full text: Bildungsblätter oder Zeitung für die Jugend - 3.1808 (3)

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Derberbend zu retten. DO, fepb großmüthig, feyd men: 
Ihenfreundli, wie immer! Kaffet unfer Elend euch zu 
Herzen gehen! Nehmt unfere unfchuldigen Kinder in 
Shuß! Werdet ein Schirm ber Mütter! — SIwingt 
uns nicht, dur Verzweiflung gedbrungen, endlich bei bar- 
barifnen Volfern eine Zufudt fuden zu müflen.” 
Als Sanfeverino diefe Kebe unter vielen Thränen 
geendet hatte, erhob fih der Prinz von feinem Sige, 
danfte durd, eine Verbeugung und antwortete mit fanfter 
Etimme durch folgende Rebe: 
„Barone des Neihs! Gh würde euer Gefcent 
mit Vergnügen annehmen, wenn nur ihr das Net häts 
tet, es mir zu ertheilen. Da id aber biefes Befchent mir 
auf Feine andere Weile würde zueignen Eonnen, ald mit 
Verlegung des Willend meines Vaters, der Rechte mei: 
nes ditern Bruders und aller göttlihen und menfchlichen 
Drdnung, und da ih es würde behaupten müffen durd 
eine Menge neuer Gewalttbaten und Zrevel: fo bleibt 
niir nichts Anderes übrig, ale — diefes Gefhent abzu: 
lehnen. — Barone! überdem habt ihr nicht hinlänglich 
bedaht, daß ihr in euren Hoffnungen zu mir eu täus 
fhen würdet. — €8 ift wahr, meine Sitten find milde 
in dem gegenwärtigen Augenblide. Aber wie Eann diefeg 
anders feyn, da ich mich bisher nur mit den Wiffenfcaf- 
ten und Küniten beinaftigt habe, da meine Tage in der 
Beielfhaft der Philojopben und der Dichter hingefloffen 
find? — 
Mein Bruder Alfonfo — ih will und ih Kann 
auh es nicht Iäugnen — ja, er bat ein fdhredenngs, 
trogiges Ausfehen; aber wie kann diefes anders fepn bei 
einem Manne, der unter den Waffen, der in der Gefell- 
{haft wilder Krieger aufgewacfen ift? — Gefrgt, ich 
beitiege ben Thron, wie ihr wünfdhet; fend verficert, 
täufcht euch nicht, auch ich würde in Zufunft diefe fanf- 
ten Sitten, welde euch fo fehr gefallen, ablegen, ja, ic 
würde fie ablegen müffen, ich würde, nach dem Beifpiele 
meıned, euch jeßt fo verhaßten, Bruders, mich felbft 
bilden müffen, würde geswungen feyn, Kriege zu fühe 
ten, WUbgaben aufzulegen, Widerfpenftige niederzubens 
gen; mit einem Worte, ich würde alles Dasıenige thun 
muffen, was jego meinem Bruder enern Haß zugezos 
gen bat, 
Darum laft, edle Herren bed Reihe, alle eben 
Io tadelnswurdigen, als irtigen Gedanken fahren und 
teter mit dem Könige, meinem Herrn und Bater, 
und mit Alfonfo, meinem dltejten Bruder, in einen 
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Srieden zurüd, für deffen heilige Unverlegbarkeit ich 
felbft euch bürge.” 
Dedeleben, Chr. Niemeyer. 
"Drediger. 
 
Zwei Gedichte von G. MW. Purmann, denen ein 
Buchftabe unferes Alphabers fehlt. 
I. 
Weife find glüdlid, 
Laßt ung die hohe Weldheit Lieben! 
Mas hat ein Menfch, wenn fie ihm fehlt? 
Kann man des Lebend Pflichten üben,. 
Wenn man das Glüd des Dummen wählt? 
Kein Sold, Klein Kleid kann ung kefeelen. 
Und Go, und Kteid, und Edeiftein 
Und ale läftige Juwelen 
Eind ein geihägtes Nichts, ein Schein! 
Die Tugend madht die Seelen glüdlich, 
Und ebne fie beitebt fein Stück! 
PBhanıome täufchen augenbiictich, 
Und fief'n audy mit dem Augenblid! 
E85 bläbe fich im fiolzen Wagen 
Das Phänomen von einem Mann; 
Eein Saufeln bat nicht viel zu fagen, 
Und baumt fih zwölf Mal fein Gefpann. 
Shn mag ein biödes Work umzingeln, 
Das feines Mammong Fittig dedt, 
Und auf fein WBinfen, auf fein Klingeln 
Demürbta feinen Speichel let. 
D laßt und feinen Bahr nicht neiden, 
HDult euch in fie Tugend ein; 
Auch in Eoloffiichen Gebäuden 
Eind pöbelhafte Seeln Flein! 
Des Weifen Glüde zu empfinden, 
D Menicen, fey euch Kieblingspricht! 
m Weitbefib, in beiden Inden, 
Sctäufchte Seelen ! wohnt «8 nicht. 
Sn euch, In euch wohnt bad Entzücen, 
Daß unentweibte Schäge beut! — 
Bagı’d, in gu felbfi Hineinzubliden, 
Und finder fiolge Geligfeit! 
Dann fühlt, al8 Seelen, echte Wonnen, 
Die auch ein Engel mir euch fühlt, 
Und naht euh eines Gotr-8 Sonnen, 
Wenn das Infekt mit Staube fpielt, — 

	        

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