228 Fefte der Schulen
einer Anſtalt, den Geburtstag des Regenten oder andere wichtige
Tage aus der vaterländiſchen Geſchichte. Im Mittelalter, und lange
darüber hinaus, faſt bis an die Grenze unſeres Jahrhunderts,
waren die Feſte der Schulen meiſt kir<li<er Art und ſtellten den
Geiſt des Schulweſens jener Zeit rec<t deutlich vor. Sie waren
gewöhnlich mit Aufzügen und Mummereien in der Stadt herum
verbunden , wobei die Schüler im Chor ſangen oder einzeln halb-
ſingend Verſe recitirten. Hier erſcheinen die alten Choraufzüge,
freilich nicht in der Schönheit und politiſchen Oeffentlichkeit jener
Griechen, aber do< erheiternd und volksthümlich in ächt deutſchem,
ſtädriſchem Charakter und zugleich bilden ſie das Wandern der S<hü-
ler und das ganze herumfahrende Leben in jenen Jahrhunderten
gewiſſermaßen ab. Das wöchentliche Herumziehen und Singen der
ſogenannten Currendſchüler vor den Häuſern war eine WPRieder-
holung im Kleinen. Der Cyklus der Schulfeſte, nebſt der Art ihrer
Feier, war meiſt folgender. 1) Weihnachten. Die Tage vorher
wurden die Liederbücher mit Farben 2c. verziert. Am BVorabende
nac< der Vesper ging der heilige Chriſt weiß gekleidet von Hauſe
zu Hauſe, man kam ihm mit Räuchern entgegen und ſtellte ihm
die Kinder vor. Dieſe mußten zu ihm beten, dann bekamen ſie die
Chriſtgeſchentke, beſonders Kleider, um ſie für die Chriſtnac<t anzu-
ziehen, welhe um 9 Uhr Abends eingeläutet wurde. Nun zog
Alles in die Kirc<e, wo die Knaben das Lied ſangen: „, Zuem
pastores laudavere“ 2c., mit den Chriſtfa&eln in der Hand,
Das Singen und Predigen dauerte bis Mitternacht. Am Chriſt-
morgen ſang der Cantor mit den Schülern zuerſ? Weihnachtsgeſänge,
wie: „Puer natus in Bethlehem“ und zog mit ihnen in der
Kirche in Proceſſion herum, worauf dann der Gottesdienſt anfing :
ſo auch den zweiten und dritten Feiertag. 2) Neujahr. In der
Kirc<e wurde es eben ſo gehalten, wie auch an den andern Feſten ;
die Kinder überbrachten ihren Pathen Neujahrswünſc<he und wurden
dafür beſchenkt. 3) Faſtnac<hr. Den Knaben wurde dadurch ein
großes Vergnügen bereitet, daß man ſie zu den Faſtnachtsſpielen
gebrauchte, um in den Komödien mit aufzutreten. 4) Das Grego-
riusfeſt (ſ. Gregorius) war das Hauptſchulſeſt. Die Kinder
wurden am Gregoriustage vermammt, mußten irgend eine Komödie
aufführen , zogen dann durch die Straßen und erhielten Geſchenke.
Die größeren Schüler zogen mit dem Cantor beſonders herum und
ſangen im Chor, wofür ſie Geld erhielten, welches unter die Schul-
herren vertheilt wurde, Die Knaben erhielten oft auch etwas von
dem Gelde "und wurden Abends mit einem Feſtmahle regalirt,
5) Gründonnerſtag. Die Kinder holten bei ihren Pathen ge-
färbte Eier und Breßeln. 6) Am Oſterfeſte ergößten ſie ſic
zuweilen im Freien. 7) Zu Pfingſten ließen ſich die Schüler das
Feſt über in ſchönen Kränzen ſehen, = In manchen Städten gab