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Bildungstrieb == Bitterkeit. 119
Eifer, ſie zu wahrhaft guten, frommen und gottwohlgefälligen Men-
ſchen heranzubilden , unſtreitig oben an. Dieß wirkt nämlich auf
das Herz der Kinder, ergreift „dasſelbe , und macht es warm und
entſchloſſen für alles, was recht und gut und heilig iſt.
Bildungstrieb (mus formativus ), iſt das Vermögen des
Stoffes , in einem lebensfähigen Körper lebensfähigen Stoff hervor-
zubringen. Nach andern iſt derſelbe die in allen organiſchen Kör-
vern wirkſame Kraft , eine beſondere Bildung und Form von innen
heraus anzunehmen. Dieſe Kraft offenbart ſich durch Selbſtbildung
und Selbſterhaltung, indem der organiſche Körper verſchiedene Stoffe
in ſich aufnimmt , ſich dieſelben aneignet, das Fremdartige ausſchei-
det, das Verlorne wieder herſtellt, und ſich ſo ernährt und erhält,
und als organiſches Einzelweſen einer beſtimmten Gattung ſich fort-
bildend aufwächst. Auf ähnliche Weiſe redet man auch von einem
geiſtigen Bildungstriebe, und verſteht darunter das natürliche Stre:
ben des Menſchen, eine geiſtige Einzelweſenheit zu erlangen und
zu behaupten. Aus dieſem Triebe geht das Streben hervor, ſeine
geiſtigen Anlagen und Kräfte nach einem gedachten oder gegebenen
Vorbilde der Vollkommenheit eigenthämlich zu entwi>eln, und dazu
die von außen gekommenen Einwirkungen oder Einflüſſe mit Be-
wußtſeyn anzuwenden und zu benüßen.- Da nun die menſchliche
Kraft in die körperliche und geiſtige zerfällt, ſo kann man gemäß
dieſer Eintheilung den Bildungöstrieb auch einen körperlichen oder
geiſtigen nennen. |
Billets. (S. Reizmittel.)
Bitte des Lehrers. Der Lehrer ſtellt hinſichtlich der Kin-
der einer lebhaften Naturart zu vechter Zeit ſein Verlangen wohl
auch als einen Rath oder als eine Bitte auf. Es muß ja nicht
eben immer unbedingt (kategoriſch) geboten und verboten werden.
Eine Bitte oder ein Rath iſt gar oft die erſte ſchöne Stufe, von
welcher der fortſchreiten kann. Er läßt dabei dem Kinde das Bewußtſeyn der
Freiheit, und hat er nur den rechten Augenblick feſtzuhalten gewußt,
ſo wird er nicht ſelten die erfreulichſten Wirkungen hievon wahr-
nehmen. „,Thu mir einmal das zu Gefallen, =- oder: du willſt
mich doch gewiß nicht beträben, = oder: verſuch' es doch einmal,
ob du nicht im Stande biſt 1c. = oder? wenn du dich zuſammen-
nimmſt, ſo wird es dir unter dem Beiſtande Gottes gewiß gelin-
gen , über dich ſelber Herr zu werden.“ Solc thun dem Kinde jedenfalls ungemein wohl , ſie laſſen es den Werth
freier Entſchließung, wenn auch nur dunkel , fühlen , bringen es
öfters zur Beſinnung , und laſſen dem Lehrer wenigſtens immer den
nöthigen Raum zum Weitergehen.
Bitterkeit. Nicht ſelten verkennt man ein Kind, beſotn-
ders von tiefer Naturart, und thut ihm Unrecht. Wenn es ſich
gern einem gewiſſen Hinbrüten hingiebt , alſo auf Winke und Worte
nicht ſchnell achtet, ſo ſieht man dieß leicht als einen gefliſſentlichen
Ungehorfam an, und behandelt es als ſolchen, während das Kind

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