Full text: Universal-Lexicon der Erziehungs- und Unterrichtslehre für ältere und jüngere christliche Volksschullehrer - 1 (1840) (1)

178 Dieſterweg == Diktiren. 
allemal ein Band, das uns näher zu ihm hinzieht, Dieß iſt denn 
auch unter Kindern der Fall, und die Gelegenheiten, die der Lehrer 
den Beſſern giebt, den Verwahrlosten Dienſte zu erzeigen, und umge- 
kehrt, ſind ein Hauptmittel ſie einander geiſtig näher zu bringen, 
und das Band der Liebe unter ihnen zu befeſtigen. Nur geſchehe es 
nie durch) Zwang; eine leiſe Aufforderung hiezu muß hinreichen, die 
Dienſtfertigkeit hervorzurufen. Denn eine erzwungene Gefälligkeit 
iſt nicht allein an ſich yYchon ein Unding , ſondern würde geradezu das 
Gegentheil von dem hervorbringen, was der Lehrer beabſichtiget. =- 
Da, wo der Lehrer die gegenſeitige Dienſtfertigkeit unter den Kin- 
dern zur Luſt und Freude macht, iſt für das ſpätere Leben unaus- 
ſprechlich viel gewonnen. Dieſe bereitwillige Dienſtfertigkeit iſt ein 
Erzeugniß der Liebe, und die Liebe iſt. wie Hippel ſagt, der Gür- 
tel der Natur, der Alles umſchließt und bindet, ſelbſt Gott und Men- 
ſchen. Darum beſtrebt ſich auch der Lehrer, den Kindern die Beweiſe 
erwieſene Dienſtgefälligkeiten recht fühlbar zu machen“ Solche Er- 
weiſungen vergeſſen die Kinder leicht wieder, werden auc<4 nicht alle- 
mal nach ihrem Werthe geſchäßt, am wenigſten von denen, deren 
ſittliches Gefühl verwahrlost iſt; ,, Undank iſt der Weltlohn ,'“ ſagt 
ja ſchon das Sprüchwort. Um ſo mehr bemüht ſich der Lehrer, ſeine 
Schüler das Gute, das ihnen von Andern erwieſen wird, gehörig 
erkennen zu lehren, ſie auf die ihnen erwieſene Liebe re<t angele- 
gentlich hinzuweiſen, und dadurch ihre Gegenliebe und ihr Dankge- 
fühl zu wecken. 
Dieſterweg (F. A. W.), ein ausgezeichneter Pädagog der 
neueſten Zeit, iſt geboren zu Siegen, einer Stadt von 5000 Einwoh- 
ner an der Sieg, den 20. Okt. 1790. Ir. der Philoſophie. Er 
war zuerſt Lehrer an der Muſterſchule zu Frankfurt a. M.z; dann 
Lehrer am Gymnaſium zu Worms, ſpäter am Gymnaſium zu Elber- 
feld , und Direktor des Schullehrer - Seminars zu Meurs im Herzog: 
thum Niederrhein, und jekt iſt derſelbe Direktor des Seminars für 
Stadtſchulen in Berlin. In kurzer Zeit hat nicht leicht einer zum 
Frommen der Erziehung und des Unterrichts ſo viel geleiſtet, als die- 
ſer in jeder Beziehung ausgezeichnete Mann. Die Anzahl der uns 
bekannten pädagogiſchen Schriften, welche ihn zum Verfaſſer haben, 
erſtreckt ſich auf etliche zwanzig. Die wichtigſten unter denſelben ſind 
folgende: 1) Wegweiſer zur Bildung für Lehrer und die Lehrer wer- 
den wollen, 2) Ueber Erziehung im Allgemeinen und Schulerziehung 
im Beſondern. 3) Praktiſcher Lehrgang für den Unterricht in der 
deutſchen Sprache. Ein Leitfaden für Lehrer, welche die Mutter- 
ſprache naturgemäß lehren wollen, 3. B. 4) Praktiſches Uebungs- 
buch für den Unterricht in der deutſchen Sprache. 5) Methodiſches 
Handbuch für den Geſammt - Unterricht im Rechnen in Verbindung 
mit Heuſer. 6) Anleitung zu einem methodiſchen Unterricht in der 
Erdkunde. 7) Geometriſche Combinationslehre zur Beförderung des 
Elementarunterrichts in der Formen - und Größenlehre 2c. 2c. 
Diktiren (in die Feder, zum Nachſchreiben vorſagen ). Das 
Diktiren führt ſeine eigenen Schwierigkeiten in den Elementarſchulen
	        

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