Full text: Universal-Lexicon der Erziehungs- und Unterrichtslehre für ältere und jüngere christliche Volksschullehrer - 1 (1840) (1)

130 Disceiplin. 
ſchen beim Unterrichte beſaß. Seine Schriften, welche größtentheils 
ohne Vorſeßung ſeines Namens erſchienen ſind, umfaſſen mehrere 
Gegenſtände der Unterrichtskunſt , des theoretiſchen und praktiſchen 
Schulweſens und der Volksbildung überhaupt. Er begann ſeine 
ſchriftſtelleriſche Laufbahn mit: ,, Erklärender und ergänzender Aus- 
zug aus dem Dresner Katechismus'" (Neuſtadt an d. O. 1800.) , 
derſelbe mit beigefügten Sprucherklärungen (1801, 5te Aufl. 1815.); 
beide unter dem Titel: „, Glaubens - und Sittenlehre des Chriſten- 
thums.“' Dieſen folgten: „, Die vorzüglichſten Regeln der Kateche- 
tik, als Leitfaden beim Unterrichte künftiger Lehrer in Bürger - und 
Landſchulen ““ (1802. 4te Aufl. 1818.)z; „Die vorzüglichſten Regeln 
der Pädagogik, Methodik und Scchulmeiſterklugheit ,“' (1806« te 
Aufl. 1818.)z; „, Anweiſung zum Gebrauche der Bibel in Volksſchu- 
len ““ (1814 u. 1815, 2 Thile, 2te Aufl. 1816.) Nächſtdem ſchrieb 
er: „„Malvina, ein Buch für Mütter“ (1819. te Aufl. 1828.);z 
Schulkonferenzen zu Ulmenhayn, Schulverbeſſerungsplane, Rech- 
nungsaufgaben, Anweiſungen zum Rechnen, neben mehrern andern 
Schulſchriften. Die ſämmtlichen Scriften von Dinter beurkunden 
den hellſehenden praktiſchen Volkslehrer. Er beſchloß ſeinen ſchönen 
Lauf am 29. Mai 1831 an einer Erkältung, die er ſich auf einer 
Reviſionsreiſe zugezogen hatte. 
Disciplin. *) Daß die Schule nicht allein lehren, ſondern 
auch erziehen ſoll, iſt eine längſt entſchiedene Sache; daß eine rechte 
Schulzucht ndthig ſey, liegt ſonach in der Natur der Sache; daß 
aber bei gehdriger Schulzucht auc) der Unterricht gedeihe und ſeinen 
Zweck erreiche, ſagt einem Jeden die Erfahrung, Nur giebt es noh 
verſchiedene Anſichten über die Mittel dazu ; =- Lehrer, die es mit 
dieſen Mitteln nicht ſo genau nehmen ; =- Temperamente, die den 
Verſtand überfliegeln 3; = Unbeholfene, die ſich keinen Rath wiſ- 
ſen ; =- Stocmeiſter , die an nichts weniger als an den Zweck der 
Strafe denken; =-- Unüberlegte, welche die Strafe, womit ſie die 
Kinder belegen , ſelbſt verſchuldet haben; -- Leichtſinnige, die an 
die Macht ihres eigenen Beiſpiels nicht denken ; =- Kalte und Harte, 
die für das fehlende Kind kein Wort der Liebe haben; = Argwöh- 
niſche, die hinter Verſtoße Böswilligkeit ſehen ; -- Parteiiſche, die 
ſich durch allerlei Nebenrückſichten beſtimmen laſſen 7 -- Seelen- 
unkundige , die zwiſchen den verſchiedenen Naturanlagen und Ge- 
müthsarten der Kinder keinen Unterſchied machen ; -- Schulmonar- 
<en, die überall nur ihr liebes I< vorherrſchen laſſen, nur komman- 
diren wollen, ſich nur von ihrer Eigenliebe leiten laſſen 26. 26. Wir 
wollen hier über die namhaft gemachten Fehler, welche gegen die 
Regeln einer weiſen <hriſtlichen Schulzucht begangen werden, das 
Nöthige berühren, und zwar: 1) Es iſt Jedem bekannt, der in der 
pädagogiſchen Literatur kein Fremdlich iſt ; und ſich in dem wirklichen 
Schulweſen auch nur etwas weniges umgeſehen hat, daß über die 
 
+) Sieh auch, was wir oben bei der Belohnung und Beſtrafung über dieſen 
Gegenſtand geſagt haben. Beides ſteht mit einander im genaueſten 
Zuſammenhange,
	        

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