Ehrenzeichen == Ehrgefähl, | 193
verleite, ſo werde ſie, wie die Belohnung, nur der That, und nicht
dem Thäter zugetheilt, und immer nur als Ermunterung zu ähnli-
Ehrenzeichen. Manche halten hie und da auf äußere Ehren-
zeichen und Auszeichnungen noch etwas, und bringen dagegen wohl
auch beſchimpfende Strafen in Anwendung. Der weiſe Lehrer läßt
ſich auf ſolche Dinge nicht ein, er erkennt vielmehr darin padagogi-
ſche Mißgriffe, die entweder nur kindiſchen Stolz und kleinliche Eitel-
feit nähren, oder nur demüthigen und verwunden, ohne aufzurichten
und zu heilen. Auch das verſäumteſte Kind muß endlich den ſchönſten
Ehrenſold“ in ſeinem eigenen Herzen und in der Zufriedenheit des Leh-
rers finden, =- Solche Ehrenauszeichnungen ſind für die Schulen
ſhon um deßwillen bedenklicher, als für die häusliche Erziehung , weil
der größere Jugendverein, und die Deffentlichkeit in ihrer Anwendung,
ihre Bedeutung und Wirkung ſchärft, daher ſie denn um ſo leichter
überreizen können, Lehrer , die Alles daran ſeßen, zu Fortſchritten
in Kenntniſſen zu reizen, und die tiefere Gemüthsbildung dabei unbe-
achtet laſſen, nähren auf ſolche unverſtandene Weiſe recht gefliſſent-
lich das natürliche Erbübel , die Eitelkeit, Der weiſe Lehrer weiß es,
daß man nicht vorſichtig genug die Reizungen des Ehrgefühls behan-
deln kann, und er iſt deßhalb weit davon entfernt, auf ſolche kindi-
ſche Dinge ſich einzulaſſen.
Ehrgefühl, So gewiß man das Ehrgefühl bei Kindern in
Anſpruch nehmen, ihren Sinn für das Ehrenhafte und Löbliche bil-
den, eine heilige Scheune vor allem Unehrbaren und Schändlichen ,
ein reines Wohlgefallen an dem Ehrenwerthen erwecken muß, ſo wenig
darf man die Richtung nach außen, auf laute Anerkennung, Augszeich-
nung und Belobung vorherrſchend . werden laſſen. Man kann durch
die Reizung des Ehrgefühls wohl viel ausrichten ; aber man ſoll die
jungen Seelen nicht blos als Mittel für gewiße Zwecke, und den Fort-
ſchritt in Kenntniſſen und Fertigkeiten nicht als das Höchſte betrach-
ten, ſondern allzeit dahin ſtreben, Chriſten zu bilden , Gottes Eben-
bild an ihnen zu erneuern. Das Chriſtenthum bezeichnet nicht das,
was nur um der Ehre, ſondern allein, was um der Liebe , um Got-
tes Willen gethan wird, als gut und löblich. Das wahrhaft Gute
erſcheint in Demuth und Anſpruchloſigkeit ; die Liebe ſucht nicht das
Ihre , auch nicht ihren Ruhm, und in ſolcher Geſinnung muß die
Jugend geübt, mit dem aber, was eben ſo leicht überſpannen, als
abſtumpfen kann, verſchont werden. Die Ehren - und Schandtafeln,
die Paradepläße und Armenſünderbänkc bungen mit angehängten Prämien, und die entgegengeſeßten Bes
ſhimpfungen müſſen mindeſtens eben ſo nothwendig, als der Sto>,
aus den Schulen verſchwinden. --- Hinſichtlich des Ehrgefähls wer-
den vielfältig zweierlei Wege eingeſchlagen, wovon der eine ſo wenig,
als der andere zum Ziele fährt. Entweder ſchont man dasſelbe zu
wenig, oder man giebt ihm eine ganz falſche Richtung. Schont man
des Kindes Ehrgefähl zu wenig, ſo wirkt man nachtheilig auf das-
ſelbe, Die Natur hat ihm, wie man zu ſagen pflegt, den. Wunſch
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