.
Freiheitstvieb, 375
gewaltſame Mittel ſogleich zurückdrängt, lernt Kinder nie kennen,
wie ſie ſind. So lange ſie ohne Rückſicht Alles äußern, was in
ihrer Seele liegt, und man gewiß iſt, ſie zu ſehen, wie ſie ſind,
bekommt man dadurch Gelegenheit, dem, was nicht gerade iſt,
unvermerkt eine andere Richtung zu geben. Nicht brechen, jondern
beugen und ziehen muß man den jungen Trieb, wenn er eine ſchiefe
Richtung nehmen will, Uebrigens darf es im Grunde oft nur eine
Schamfreiheit ſeyn, die man den Kindern 1äßt. Man kann
in:mer die Umſtände ſo leiten, daß ſie durch dieſe beſtimmt werden,
Aber indem ihnen das Gefühl oder der Wahn bleibt, ſelbſithätig
zu handeln und ſich frei zu beſtimmen, lernen ſie moraliſch handeln,
was eine Zwangerzichung nie bewirken wird. Ste ſchafft nur Heuch-
ler und Maſchinen. = Uebrigens wird der hriſiliche Erzieher auch
hier immer die wahre Freiheit der Kinder Gottes im Auge behalten,
und derſelben Eingang in die Herzen ſeiner Zöglinge in rechter Art
und Weiſe zu verſchaffen ſuchen. Iſt nur erſt der Wille der Kinder
qut, und wandeln ſie im Lichte der Wahrheit, der Unſchuld und
Tugend, dann ſind ſie wahrhaft frei. (Cor. 2, 4. 2. Petr. 2.
19.) Das iſt, ſagt ein alter Weiſer, eine elende Freiheit, wo man
ſich vom Gehorſam Gottes und ſeiner Gebote losreiſt.
Freiheitstrieb. Der Wille erſcheint auf der erſten Stufe
der Kindheit als der einfache Ruf des augenblicklichen Triebes oder
Bedürfniſſes. Auf den Entwickelungsſtufen äußert er ſich als das Vo-
tum der im Kinde berathſchlagenden Kräfte, Neigungen und Gelüſte,
Das Geſeß wird ihnen kund gemacht durd) Eltern und Lehrer,
durch Natur und Offenbarung, die ſic) an ihre erwachende Vernunft
und an ihr Gewiſſen wenden. Es bleibt ihnen die freie Wahl zwi-
ſchen Geſeßbmäßigkeit und Geſekßloſigkeit, zwiſchen der rechtmäßigen
Herrſchaft der Vernunft und der widerrechtlich zugeeigneten Hert-
ſchaft der Selbſtſucht. Wo dieſe leltere ſchaltet und waltet, da
herrſc heitstrieb im Streben nach Willkähr, um ſich ungebunden und jchran-
kenlos im Elemente des Cigenſinns, des Eigenwillens, des Troßes
und der Halsſtarrigkeit 26. Dieſen Trieb, der Jo leicht ausartet, und
ſic) in dieſer Ausartung zu befriedigen ſucht, muß der erziehende Leh-
rer ſchon ſo früh, wie möglich leiten, und ihm die ndöthigen Schranken
ſeßen. Bei kräftigen Naturen regt ſich dieſer gemeiniglich am ſtärk-
ſten, und je mannigfaltiger und je mehr Beſorgniß erweckender die
Augartungen desſelben ſind, deſto mehr Sorgfalt muß der Erzieher
anwenden, ihn gehörig zu leiten und ihm die rechte Richtung zu geben,
Do würde er, falls er denſelben gewaltſam unterdrücken wollte,
mehr Schaden als Nußen herbeiführen. Er würde der Moralität des
Kindes , welche auf dem Fundamente der Freiheit ruht, Hinderniſſe
in den Weg werfen. Dieſer Trieb muß allerdings gebeugt, aber
nicht gebrochen, er muß gezogen, aber nicht ausgerottet werden. (S«
den vorigen Art.) Er leite das Kind dahin, daß es in williger Unter-
würfigkeit unter das Geſelß Wohlthat und Segen für ſich erkenne, und
das von Gott befohlene Verhalten freudig ehre und liebe, Dahin

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.